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Der Krieg in der Ukraine verändert Standpunkte

Dienstag, den 20.1.2026

Alles, was gestern war, wird man vergessen haben;
was heute ist, nicht sehen;
was morgen kommt, nicht fürchten.
Man wird vergessen haben, dass man den Krieg verloren,
vergessen haben, dass man ihn begonnen,
vergessen, dass man ihn geführt hat.
Darum wird er nicht aufhören.

Karl Kraus
Die letzten Tage der Menschheit.

Dieses monumentale Antikriegsdrama hat der österreichische Schriftsteller Karl Kraus zwischen 1915 und 1922 geschrieben und damit die Absurdität und Verlogenheit des Ersten Weltkriegs beschrieben. Dieser Erste Weltkrieg war genauso absurd wie der Zweite Weltkrieg und auch ein möglicher Dritter Weltkrieg setzt ein Höchstmaß an Dummheit voraus – genauso wie das 1914 der Fall gewesen ist - sollte es tatsächlich zu solch einem Krieg kommen.

Noch ist es nicht so weit. Die Verhandlungen, den Krieg in der Ukraine zu beenden, laufen.

Dennoch: Ein Friedensabkommen zwischen der Ukraine und Russland wird so lange auf sich warten lassen, bis das „Ende der Fahnenstange“ erreicht ist, womit wohl irgendwann im Laufe des Jahres 2026 zu rechnen sein wird, denn die Ukraine dürfte das Ende dieser Stange fast schon erreicht haben.

Anders ausgedrückt: Die russische Armee wird weitere ukrainische Städte erobern, obwohl das ukrainische Kommando diese Realität zu ignorieren scheint oder nicht zugeben will.

Wie dem auch immer sei: Inzwischen ist es Russland gelungen, die Energieversorgung der Ukraine weitgehend lahmzulegen. Der Strom in den Großstädten der Ukraine ist auf weniger als 12 Stunden pro Tag eingeschränkt worden. Die Stromversorgung außerhalb der Städte dürfte weitgehend zusammengebrochen sein. Zentralheizung und Wasserversorgung funktionieren kaum noch, und der Winter hat ja gerade erst einmal richtig begonnen. Heute, am 17.1.2026, beträgt die Temperatur in Kiew -11 Grad. Daran wird sich bis Anfang Februar kaum etwas ändern, denn ab dem 27.1.2026 soll es noch kälter werden. Für Sonntag, den 1.2.2026, werden -15 Grad erwartet. Nachts werden bereits jetzt Temperaturen von -30 Grad erreicht.

Anders ausgedrückt: Die Ukraine wird einem totalen Stromausfall nicht lange standhalten können, zumal das ja nicht einmal das einzige Problem ist, mit dem die Ukrainerinnen und Ukrainer fertigwerden müssen. Es fehlt auch an Wasser und natürlich auch an Wärme, denn ohne Strom funktioniert so gut wie nichts.

Stimmungswechsel in der EU?

Kurz vor Weihnachten hatte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron nicht nur die Koalition der Willigen, sondern wohl auch die Regierungsvertreter der anderen EU-Staaten damit überrascht, als er ankündigte, wieder mit seinem russischen Amtskollegen Wladimir Putin sprechen zu wollen. Das hat die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni zum Anlass genommen Emmanuel Macrons Forderung nach direkten Gesprächen mit Moskau ausdrücklich zu unterstützt. Es sei an der Zeit, den Dialog zwischen der Europäischen Union und Russland wieder aufzunehmen, so die Botschaft von Meloni und Macron.

Es dürfte mehr als ein bloßes kurzes Wetterleuchten sein, denn auch in London scheint die Ernüchterung der Kriegslust Platz gemacht zu haben.

Plötzlich will niemand mehr Truppen in die Ukraine entsenden.

Zuerst.de vom 17.1.2026: In Großbritannien ist ein beachtlicher politischer Kurswechsel zu beobachten. Die Begeisterung für ein britisches Truppenkontingent in der Ukraine kühlt merklich ab. Führende Experten, die bislang Befürworter eines militärischen Engagements waren, machen plötzlich in den großen Blättern des Landes Front gegen die einschlägigen Pläne von Premierminister Keir Starmer und Frankreichs Präsident Macron. Der Tenor: Großbritannien ist viel zu schwach dafür [En1].

Was beleibt dem Kiewer Regime in solch einer Situation anderes übrig, als noch mehr Waffen und noch mehr Unterstützung einzufordern.

In einem Artikel  des brasilianischen Journalisten und Militärexperten Lucas Leiroz, der am „Center for Geostrategic Studies“ forsch, heißt es:

Lucas Leiroz vom 14. Januar 2026: Der Durst des Kiewer Regimes nach Waffen scheint grenzenlos. In einer kürzlichen Erklärung beschwerte sich der unrechtmäßige ukrainische Präsident Wladimir Selenskyi über die Unfähigkeit der westlichen Partner, der Ukraine die notwendige Menge an Waffen zu schicken, um den Krieg gegen Russland fortzusetzen.

Laut Selenskyj ist der Westen nicht schnell genug in seinen Militärhilfeprogrammen für die Ukraine. Er beschwerte sich auch über den Mangel an europäischer finanzieller Unterstützung für die Ukraine, um Waffen aus den USA kaufen zu können. Selenskyj glaubt, dass der massive Erwerb von in Amerika hergestellten Waffen für die Fortsetzung der ukrainischen Militärbemühungen unerlässlich ist, aber anscheinend arbeiten die europäischen Regierungen nicht mit dieser Initiative zusammen [En2].

Und was den Krieg anbelangt?

Der schreitet voran, bis dass er sich totgelaufen haben wird.

Stimmungswechsel auch beim Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU)

Bei dem folgenden Text handelt es sich um ein von mir gefertigtes Transkript eines Videostatements von Roger Köppel, dem Chefredakteur der Weltwoche:

Weltwoche.ch vom 16.1.2026: Ein ziemlich interessanter Auftritt von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) auf einer Neujahrstagung der Industrie- und Handelskammer - ich glaube in Dessau - dort hat Friedrich Merz etwas gesagt, was die deutschen Medien - fast überhaupt nicht aufgreifen. Ich habe keine Schlagzeile am Morgen gesehen, vielleicht haben sie es nicht realisiert, vielleicht ... sind die Journalisten schon eingeschlafen, als dieser Punkt der Rede erreicht war, auf jeden Fall sagte Merz ... im Rahmen einer Wirtschaftspräsentation: Er wünsche sich Frieden in Europa, und auch einen Ausgleich mit Russland, denn Russland sei auch ein europäisches Land ... so sinngemäß in dieser Art. Und das sind nun ganz neue Töne des Taurus-Kanzlers ... der ja noch vor kürzester Zeit ... vor ein paar Nanosekunden, so hatte man das Gefühl, sich in die Gegenrichtung positionierte ... ja wir müssen jetzt mit der Koalition der Willigen Truppen entsenden ... ergänzt um Aussagen gegen Russland. In einigen Ländern wird diese Aussage - sie hat ein großes Echo ausgelöst - als Kehrtwende interpretiert. Und wenn das so ist, dann wäre das vielleicht eine Kehrtwende zu mehr Vernunft. Das wäre eine gute Nachricht. Aber man weiß bei den Politikern nie - auch bei diesem Politiker nicht - wie lang die Halbwertszeit solch einer Aussage ist. Aber wir vermelden das und weisen darauf hin ... positiv berührt ... auch und gerade auch im Hinterkopf behaltend, dass die meisten deutschen Medien das überhaupt nicht würdigen. [...]. Vielleicht auch deshalb nicht, weil es ihnen nicht passt, was der Kanzler sagt.

Schlagzeile in der FAZ vom 15.1.2026: Marine sieht Kriegsgefahr konkreter denn jeh [En3].

Also da halluzinieren sich Militärkreise in Deutschland in einen Krieg mit Russland geradezu hinein ... und das sind ja auch die Töne, die Brüssels Rhetorik prägen: Freund oder Feind.

An anderer Stelle:

Um so vorteilhafter heben sich dann doch die Töne ab, wie wir sie jetzt überraschend von deutschen Bundeskanzler gehört haben.

Link zur Qelle

Video der Weltwoche von Minute 00:24 bis 04:00

Redeauszug des Kanzlers beim Neujahrsempfang der IHK Halle-Dessau und der Handwerkskammer Halle am 14.1.2026:

Was ich in den Leitmedien nicht, wohl aber auf der Website der Bundesregierung gefunden habe, gemeint ist die Rede des Kanzlers beim Neujahrsempfang der IHK in Halle-Dessau und der Handwerkskammer Halle vom 14. Januar 2026, macht deutlich, dass die Leitmedien wirklich Wesentliches übersehen können.

Wie dem auch immer sei: Die Schlusssätze, in denen zum ersten und letzten Mal in dieser halbstündigen Rede das Wort „Russland“ verwendet wird, nehmen diesem Schlüsselwort dennoch nichts von seiner Bedeutung. Vielmehr geben sie dem Wort Russland die Bedeutung, die jedes Schlusswort haben sollte, nämlich die: dass das Wesentliche der Rede in Erinnerung bleibt.

Bundeskanzler Friedrich Merz: Wenn es uns dann noch gelingt, dafür zu sorgen, dass Frieden und Freiheit nach Europa zurückkehren, dass wir endlich auch wieder mit unserem größten europäischen Nachbarn, nämlich mit Russland, in der längeren Perspektive einen Ausgleich finden – ich sage es nicht, weil ich hier im Osten bin; ich sage es an jeder anderen Stelle in Deutschland auch: Russland ist ein europäisches Land –, wenn Frieden herrscht, wenn Freiheit gewährleistet ist, wenn uns das alles gelingt, meine Damen und Herren, dann hat diese Europäische Union, dann haben wir auch in der Bundesrepublik Deutschland eine weitere Bewährungsprobe bestanden, und dann können wir auch über das Jahr 2026 hinaus mit großer Zuversicht nach vorn blicken. Ich wünsche uns das. Ich bin mir sicher, dass es gelingt. Tragen Sie dazu bei!

Ich wünsche Ihnen und uns allen ein gutes Jahr 2026 [En4].

Sollte sich dieses Wetterleuchten – gemeint ist die erkennbar gewordene Neuorientierung des Bundeskanzlers im Hinblick auf den Umgang mit Russland – sich tatsächlich zu einem echten Gewitter entfalten, dann wird das eine politische Neuorientierung voraussetzen, die sehr viel Kraft  wird aufwenden müssen, die Fehler der Vergangenheit zumindest zu erklären.

Zum Glück setzt ein Wetterleuchten voraus, dass das drohende Gewitter noch weit weg ist, und der Donner des Kommenden noch nicht zu hören, wohl aber das Licht schon zu sehen ist, dass als Wetterleuchten bezeichnet wird.

Vielleicht lässt sich der zu erwartende Donner ja noch dämpfen.

Quellen:

Endnote_1
Zuerst.de vom 17.1.2026: Ernüchterung in London: Plötzlich will niemand mehr Truppen in die Ukraine entsenden. https://zuerst.de/2026/01/17/ernuechterung-in-london-ploetzlich-will-
niemand-mehr-truppen-in-die-ukraine-entsenden/
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Endnote_2
Infobrics.org vom 14.1.2026: Europäer sind nicht bereit, amerikanische Waffen für die Ukraine zu kaufen
Die europäischen Länder finanzieren das PURL-Projekt nicht ausreichend, so Selenskyj. https://infobrics.org/en/post/77624
Siehe auch: https://www.lewrockwell.com/2026/01/no_author/europeans-
unwilling-to-buy-american-weapons-for-ukraine/
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Endnote_3
FAZ.net vom 15.1.2026: Marine sieht Kriegsgefahr „konkreter denn je“. Der Inspekteur der Marine dringt auf höchste Einsatzbereitschaft bei Schiffen und Besatzung. Harmlosigkeit sei keine Strategie, um einen Konflikt zu vermeiden.
https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/kriegsgefahr-nimmt-
zu-marine-fordert-hoechste-einsatzbereitschaft-200443367.html
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Endnote_4
Rede des Kanzlers beim Neujahrsempfang der IHK Halle-Dessau und der Handwerkskammer Halle Mehr Leistung, weniger Bürokratie in Wirtschaft und Mittelstand. Beim Neujahrsempfang der IHK Halle-Dessau und der Handwerkskammer Halle würdigte Kanzler Merz die Verdienste des Mittelstands seit der Wiedervereinigung in der Region. Es sei spürbar, dass nun ein gewaltiger wirtschaftlicher Wandel stattfinde. https://www.bundesregierung.de/breg-de/
aktuelles/rede-kanzler-ihk-halle-dessau-2402682
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