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Rodorf.de Spiegelsplitterwahrheiten
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Spiegelsplitterwahrheiten Kriegsgelüste Montag, den 19. Januar 2026 Früher, also in einer Zeit vor unserer Zeit, reichte die Beleidigung eines Fürsten, oder ein abgeschnittenes Ohr eines Schiffskapitäns aus, um einen Krieg rechtfertigen zu können. Für moderne Kriege genügen Lügen. Als Beispiel sei hier nur auf die Rechtfertigung des Irakkrieges verwiesen, der am 20. März 2003 begann, und der von dem US-Präsident George W. Bush befohlen wurde. Der hatte behauptet, dass Saddam Hussein über Massenvernichtungswaffen verfügen würde, die aber, trotz intensiver Suche, nicht gefunden werden konnten. Der Krieg kostete vielen Menschen das Leben. Je nach Quelle variiert die Anzahl der Toten stark. Sie reicht von 100.000 bis weit über eine Million Tote. Vergleichbar sind auch die Opferzahlen, die bisher der Ukrainekrieg gefordert und dessen Ursachen mehrere Gründe umfassen: einen einfachen und einen komplexen. Eine Ursache, die nur einen Verursacher kennt, und eine andere Ursache, die von mehreren Verursachern ausgeht. Für die Rechtfertigung des „War of Jenkins’ Ear“ (Krieg um Jenkins’ Ohr), bei dem es sich um einen Kolonialkrieg zwischen Großbritannien und Spanien gehandelt hat, der von 1739 bis 1742 stattfand, reichte ein abgeschnittenes Ohr des Handelskapitäns Robert Jenkins für eine Kriegserklärung aus, das dieser als Beweis für gewaltsame spanische Übergriffe gegen britische Seefahrer 1738 dem britischen Parlament vorlegte. Zu Beginn des Krieges von Jenkins’ Ear sagte 1739 der erste britische Premierminister Sir Robert Walpole, den die Begeisterung der Bevölkerung für die Kriegserklärung gegen Spanien unverständlich war, Folgendes: „Sie läuten jetzt die Glocken, aber sie werden bald ihre Hände ringen.“ Wo ich dieses Zitat gelesen und notiert habe, das weiß ich heute nicht mehr. Dennoch handelt es sich bei diesem Zitat, so zumindest die KI von Google, um eine berühmte Bemerkung, die Sir Robert Walpole 1739 zum Ausbruch des „Jenkins´ Ear War“ gemacht hat, sozusagen als ein Ausdruck seiner Skepsis gegenüber der öffentlichen Kriegseuphorie und der Befürchtung, dass die Bevölkerung die wahren Kosten und Konsequenzen des Krieges bald bereuen würde, was sich historisch bewahrheitete, da der Krieg unentschieden endete und auf beiden Seiten viele Opfer forderte. 2022 soll es der britische Premierminister Boris Johnson gewesen sein, der ein Friedensabkommen zwischen der Ukraine und Russland noch kurz vor der Unterzeichnung verhindert haben soll, was sich aber wohl nicht beweisen lässt, weil diesbezüglich ebenfalls unterschiedliche Wahrheiten geltend gemacht werden. Spiegelsplitterwahrheiten eben, die je nach Weltbild entweder der einen, oder der anderen Seite helfen, sich die Welt so zurechtzubiegen, damit sie den eigenen Zwecken dienen kann. Wie dem auch immer sei: Seit Niccolò Machiavelli (1469-1527) wissen wir, dass Fürsten unter bestimmten Umständen zum Lügen verpflichtet sind und dass es nicht notwendig ist, dass der Fürst über positive Eigenschaften wie Ehrlichkeit, Vertrauenswürdigkeit, Sympathie, Mitgefühl oder Religiosität verfügt. Daran hat sich bis heute im Wesentlichen nichts geändert. Niccoló Machiavelli: Ein Fürst, und absonderlich ein neuer Fürst, kann nicht immer alles das beobachten, was bei andern Menschen für gut gilt; er muss oft, um seinen Platz zu behaupten, Treue, Menschenliebe, Menschlichkeit und Religion verletzen. Er muss also ein Gemüt besitzen, das geschickt ist, sich so, wie es die Winde und abwechselnden Glücksfälle fordern, zu wenden, und zwar nicht eben den geraden Weg allemal verlassen, so oft es Gelegenheit dazu gibt; wohl aber den krummen Weg zu betreten, wenn es sein muss. Ein Fürst muss sich daher wohl hüten, dass nie ein Wort aus seinem Munde gehe, das nicht von obgedachten fünf Tugenden zeugt. Alles, was von ihm herkommt, muss Mitleid, Treue, Menschlichkeit, Redlichkeit, Frömmigkeit atmen. Nichts aber ist notwendiger als der Schein der letztgenannten Tugend. Von der Normalität der Lüge zeugt auch die Antwort von Antonio Giordani, die er als Gesandter der Stadt Siena dem Papst Alexander VI. (1492 bis 1503) gab. Zitat: Dieser fragte ihn, wie er es anfange, die Sieneser zu regieren? „Mit Lügen, heiligster Vater.“1 Und was sich zurzeit in Venezuela, in der Ukraine, im Gazastreifen, im Iran und an anderen Orten abspielt, lässt sich nur als ein weiterer Beweis dafür verstehen, dass Kriege niemals aus der Mode kommen werden und dass mit einer Zunahme der menschlichen Weisheit weder in naher noch in ferner Zukunft zu rechnen sein wird. Vielmehr scheint es heute sogar wieder so weit zu sein, dass eine milliardenschwere Kriegswirtschaft aufgebaut werden muss, um wieder Wachstum, Arbeitsplätze und gesellschaftlichen Fortschritt generieren zu können. Auch Adolf Hitler gelang es so, natürlich schuldenfinanziert - wieder wirtschaftliches Wachstum und erkennbar zunehmenden Wohlstand im Deutschen Reich zu erzeugen - Juden waren davon ausgenommen. Ab 1935 - also vor gut 90 Jahren - gelang es dem NS-Regime die bestehende Wirtschaftsnot im Deutschen Reich durch eine schuldenfinanzierte Kriegswirtschaft sozusagen wieder anzukurbeln. Das damit verbundene Wirtschaftswachstum vermochte ein ganzes Volk zu begeistern. Erst 1945 sollte sich das Zitat von Premierminister Sir Robert Walpoleerneut zum Beginn des Krieges von Jenkins’ Ear erneut als zutreffend erweisen: „Sie läuten jetzt die Glocken, aber sie werden bald ihre Hände ringen.“ 1945 blieb nur noch die Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Auch heute scheint es wieder so weit zu sein, die Fehler der Vergangenheit wiederholen zu wollen, die darin bestehen, die Wirtschaft durch eine schuldenfinanzierte Kriegswirtschaft sozusagen wieder auf Vordermann zu bringen. Es bleibt nur zu hoffen, dass dieser Prozess eingedämmt werden kann und die Hoffnung obsiegen wird, die darin besteht, die Dummheit von heute doch noch in ihre Schranken verweisen zu können. 1 Macchiavellis: Buch vom Fürsten. Gutenbergprojekt. Seite 91 und Seite 164. https://www.gutenberg.org/files/39816/39816-pdf.pdf Inhaltsverzeichnis Spiegelsplitterwahrheiten
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