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Inhaltsverzeichnis Spiegelsplitterwahrheiten Propaganda erklärt die Welt nicht Freitag, den 16. Januar 2026 Wir müssen aufhören, an unsere Propaganda zu glauben. Das gilt natürlich auch für die Propaganda der anderen. Aber: Woran meine Liebe glauben wir dann noch? Dieser Refrain, mit dem Georg Danzer 1995 seinen Song „Weiße Pferde“ sozusagen unsterblich machte, kommt heute im populistischen Zeitalter wieder eine ganz besondere Bedeutung zu. Anders ausgedrückt: In einer Zeit, in der Populismus sozusagen wirklichkeitsbestimmend ist, dürfte es keine leicht zu bewältigende Aufgabe sein, Propaganda durch Wissen und Vernunft zu ersetzen. Warum ist das so? Wir können eine Geschichte nicht loslassen, die erklärt, wie die Welt funktioniert, wenn wir keine Ersatzgeschichte in der Hand haben. Kurzum: Wir müssen wieder eine Geschichte haben, die die Welt um uns herum zu erklären vermag. Keine Geschichte zu haben, zerstört nämlich auf Dauer jede freie Gesellschaft. Wir können zwar mehrere überlappende Geschichten haben, aber wir brauchen eine Geschichte, die die Schlüsselelemente unserer Erfahrung erklärt. Angesichts dieser Notwendigkeit stehen wir heute vor ernsthaften Problemen, denn wir können nur eine Geschichte, eine Erzählung aufgeben, die nicht berücksichtigt, was wir beobachten. Aber: Obwohl wir den Glauben an die Wirtschaftswundergeschichte der Nachkriegszeit längst verloren haben, glauben wir weiterhin an den wissenschaftlichen Fortschritt und an grenzenloses Wachstum, auch wenn diese Geschichte wie Sand zwischen den Fingern verrinnt. Aber in solch einer Zeit unübersehbarer Transformationen leben wir heute. Und da wir Angst vor der Wahrheit haben, flüchten wir in Propaganda und in Populismus, denn diese Mittel erlauben es den Menschen, komplexe Dinge nicht zu vereinfachen, sondern damit sogar von den eigentlichen Problemen abzulenken, weil Populismus meist nichtssagend ist.
Von solchen „Kurzgeschichten“ geht nur eine scheinbare gemeinschaftsbildende Wirkung aus, denn diesen Parolen fehlt es nicht nur am Inhalt, sondern auch an der Kraft, die Welt zu erklären, in der wir heute leben Erst wenn wir wieder dazu in der Lage sind, bessere Geschichten über die Wirklichkeit zu erzählen als die, die heute dem woken Zeitgeist entsprechen, werden wir erkennen, dass auch aus einer bunten Gesellschaft eine Gemeinschaft werden kann, der es sicherlich nicht an der Farbe und auch nicht an Grundüberzeugungen fehlen wird, weil sie auf glaubwürdigen Geschichten beruhen. Doch wir verhalten uns wie Klammeraffen, die nicht sehen wollen, was sie sehen und die krampfhaft sich an das klammern, was sie kennen, was ihnen bisher Sicherheit gegeben hat, weil das ja noch „gestern“ funktioniert hat, zumindest so einigermaßen. Die Geschichte „Wir müssen wieder kriegsfähig werden“, dürfte sich im Deutschland von heute wohl kaum dazu eignen, als eine erstrebenswerte Erfolgsgeschichte das wieder herzustellen, was verloren gegangen ist: ein Gemeinschaftsgefühl. Wie dem auch immer sei: Die Old Guards von heute, gemeint ist die unsterbliche Truppe von Söldnern in dem Gewaltepos „The Old Guard“ aus dem Jahr 2020, in dem Soldaten, angeführt von einer Frau, die Menschheit beschützen wollen, wird im Kern nur eine Parole verkündet: Mach dich bereit für den Kampf deines Lebens. Um die Zukunft friedlich gestalten zu können, werden andere Überzeugungen benötigt. Inhaltsverzeichnis Spiegelsplitterwahrheiten
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