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Rodorf.de Spiegelsplitterwahrheiten
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Spiegelsplitterwahrheiten Die gewählten Politiker von heute Mittwoch, den 1. Juli 2026 Bei den gewählten Politikern von heute handelt es sich – von wenigen Ausnahmen einmal abgesehen – um unsichere und ungewisse Gestalten, denn das, was sie fürchten, ist, nicht so zu funktionieren, wie das von ihnen erwarted wird, denn sie wollen ja auch bei der nächsten Wahl von ihrer Partei wieder aufgestellt werden. Das hat zur Folge, dass sie dann, wenn es in ihrer Amtszeit erforderlich wird, nicht dazu in der Lage sind, aufrecht zu stehen und ihre Meinung zu vertreten, anders ausgedrückt: Rückgrat zu zeigen. Mit anderen Worten: Man findet unter ihnen nicht viele Personen, die dazu bereit sind, bzw. den Mut dazu haben, offen zu sein und glaubwürdig zu sprechen, sich nicht der Kritik zu entziehen, nicht auszuweichen, sondern einfach und überzeugend zu wirken. Um es mit dem modern gewordenen Wort von heute auszudrücken: Haltung zeigen, denn nur darauf kommt es an, obwohl damit heute wohl eher die Treue und das Eintreten für das Glaubensbekenntnis der eigenen Partei gemeint sein dürften, als das Vertreten der eigenen Überzeugung. Was ich unter Haltung verstehe, das lässt sich wie folgt beschreiben: Zu sich und seiner Überzeugung zu stehen, um daraus die Kraft zu gewinnen, auch noch angesichts drohender Katastrophen sich selbst treu bleiben zu können, und zwar auch dann, wenn das der Partei gar nicht gefallen sollte. Kurzum: Mein Idealbild eines Politikers geht von der Annahme aus, dass dieser Mensch weiß, was er will. Er wirkt auf andere nicht ratlos. Seine Rede ist klar und einfach, und in ihr ist er selbst. Er ist ehrlich und lügt nicht. Mit solch einem Politiker kann jeder, auch jeder Andersdenkende, frei reden. Und solch ein Politiker ist auch dazu in der Lage, das jeweils bessere Argument zu erkennen und ihm sogar zuzustimmen. Übrigens: Solch ein Politiker gibt auch zu, dass er nicht alles weiß. Er erkennt, wann und wo er sich geirrt hat und ist dann selbstverständlich dazu bereit, seinen Standpunkt zu korrigieren. Er kennt sein Maß und überschätzt auch nicht seine Kraft und auch nicht seine Komptenz. Kurzum: Er will nicht vergöttert werden, sondern überzeugen. Er beansprucht keine persönliche Größe und setzt sich auch nicht in Positur. Wie dem auch immer sei: Mein Idealbild eines Politikers geht von der Annahme aus, dass auch ein Spitzenpolitiker – und das gilt auch für Spitzenpolitikerinnen – sich ihrer Begrenztheit bewusst sind. Dieses Idealbild entspricht übrigens vollumfänglich dem Anspruch, den das Grundgesetz an die vom Wahlvolk gewählten Abgeordneten einfordert. Art 38 GG (1) Die Abgeordneten des Deutschen Bundestages werden in allgemeiner, unmittelbarer, freier, gleicher und geheimer Wahl gewählt. Sie sind Vertreter des ganzen Volkes, an Aufträge und Weisungen nicht gebunden und nur ihrem Gewissen unterworfen. Aus diesem Idealbild des Grundgesetzes ist es den Parteien schon seit Jahren gelungen - man muss das beklagen - folgsame Parteisoldatinnen und Parteisoldaten zu machen. Bereits Karl Jaspers beklagte sich 1966 über die bereits damals sichtbar gewordene Entwicklung, dass die Bundesrepublik Deutschland eine Parteienoligarchie zu werden drohte. Karl Jaspers: Demokratie befördert ständig den Prozess der Aufklärung. Parteienoligarchie dagegen heißt: Verachtung des Volkes. Sie neigt dazu, dem Volke Informationen vorzuenthalten. Man will es lieber dumm sein lassen. [...]. Die gemeinsame Schamlosigkeit der Parteienoligarchie spürt sich selber nicht. Die Parteienoligarchie fordert vielmehr Respekt, zumal die jeweils führenden Amtspersonen, die Kanzler, Minister, Präsidenten. Wir alle, denken sie, sind doch Vertreter des Volkes, wir können doch nicht schamlos sein. Wir sind durch die Wahl des Volkes geheiligt. Wer uns beleidigt, beleidigt das Volk. Kraft unserer Ämter haben wir die Macht und den Glanz, der uns zukommt. Karl Jaspers. Wohin treibt die Bundesrepublik? Piper Verlag 1966, Seite 140. Heute lässt sich die Demokratie in Deutschland - ohne die Realität der Parteienoligarchie - kaum noch beschreiben. Inhaltsverzeichnis Spiegelsplitterwahrheiten
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