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Spiegelsplitterwahrheiten

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Eskalieren bis zur Einsicht?

Wir leben in einer Zeit, in der aus Lügen Wahrheiten und aus Wahrheiten Lügen gemacht werden.

Die jüngsten Äußerungen von AfD-Chefin Alice Weidel zum russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine sorgten für Kritik. Die Vorsitzende der AfD, Alice Weidel, hatte beim verteidigungspolitischen Forum der AfD-Fraktion im Bundestag erklärt, die ukrainische Kriegsführung stelle „ein hohes sicherheitspolitisches Risiko auch für die Bundesrepublik Deutschland“ dar. [...]. Weidel warnte zudem vor möglichen Reaktionen Moskaus. Man könne „dem großen Bären“ nicht mit Angriffen wie Drohnenoperationen tief im russischen Gebiet „im Auge herumstochern“ und erwarten, dass dies ohne Folgen bleibe.

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Diese Äußerung aus dem Munde einer „Putinversteherin“ haben, auch wenn man die Politik der AfD nicht verteidigen will, einen durchaus realistischen Hintergrund, über den in den USA viel offener gesprochen und geschrieben wird, als das in Europa und erst recht in Deutschland der Fall ist.

Kurzum: Aus Sicht der russischen Perspektive scheint eine rote Linie überschritten worden zu sein, die Russland sozusagen gar keine ander Wahl mehr lässt, als der Ukraine und den diesen Krieg fördernden und finanzierenden europäischen Staaten zu zeigen, worauf sie sich einstellen müssen, wenn keine Verhaltensänderung eintreten wird.

Der US-amerikanische Analyst Larry C. Johnson hat in einem Aufsatz, den er den Titel gab: „Kreml zieht rote Linie: Lawrow kündigt Ende des Ukraine-Krieges mit dem Westen an“ am 27. Mai 2026 auf Uncutnews.ch über ein Telefonat berichtet, das am Tag zuvor zwischen dem russischen Außenminister Lawrow und dem US-amerikanischen Außenminister Rubio stattgefunden hat, dessen Kernbotschaften im Folgenden zitiert werden:

Larry C. Johnson: Das heutige Telefonat zwischen Lawrow und Rubio war eine äußerst bedeutende und alarmierende diplomatische Kommunikation.

  • Botschaft 1:
    Unmittelbar bevorstehende systematische Angriffe auf Kiew — auf direkten Befehl Putins

  • Botschaft 2:
    Evakuierung von US-Diplomaten aus Kiew

  • Botschaft 3:
    Die Anchorage-Vereinbarungen werden untergraben.
    Die sogenannten Anchorage-Vereinbarungen (auch Formel von Anchorage) bezeichnen die umstrittene Verhandlungs- und Forderungsgrundlage für ein potenzielles Ende des Ukraine-Krieges. Sie gehen auf das direkte Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und Kremlchef Wladimir Putin am 15. August 2025 auf der Militärbasis in Anchorage, Alaska, zurück.

Angesichts des Terroranschlags auf die Kinder an der Schule in Lugansk und konfrontiert mit der Realität, dass dieser Angriff durch westliche Geheimdienste und Technologie ermöglicht wurde, hat Russland die Grenze seiner Geduld erreicht und wird der Fähigkeit der Ukraine, weitere Terroranschläge durchzuführen, ein Ende setzen — selbst wenn dies bedeutet, dass US-amerikanisches und europäisches Personal getötet wird. Sie wurden gewarnt. Russland gibt ihnen Zeit zum Rückzug. Jeder, der bleibt, wird wahrscheinlich sterben. Das war die Essenz von Lawrows Botschaft an Rubio.

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Es würde zu weit führen, den Stand der Diskussion zu diesem Thema, der bereits seit Monaten in den USA geführt wird, auch nur ansatzweise aufzuzeigen. Diesbezüglich muss es ausreichen, darauf hinzuweisen, dass sich namhafte Analysten in den USA schon seit langem fragen, warum sich Putin das gefallen lässt.

Anders ausgedrückt: In den USA gibt es namhafte Vertreter, die Putin raten würden, endlich der Dummheit in der Ukraine ein Ende zu bereiten.

Mit anderen Worten: Wer nicht hören will, muss fühlen. Was damit gemeint sein könnte, das kann dem Podcast von Daniel Davis entnommen werden, der in einem Gespräch, das er mit Prof. John J. Mearsheimer führte, den russischen Professor Sergey Karganow mit folgendem Wortbeitrag zu Wort kommen ließ, die noch vor geraumer Zeit sogar in Russland noch als unvorstellbar abgelehnt wurden, heute aber durchaus zum Mainstream in Russland gehören dürften.

Sergey Karganow: Wir haben unsere Seele und unsere Ehre wiedererlangt. Wir haben begonnen, jene Menschen in unserer Gesellschaft wertzuschätzen, die wirklich wertvolle meritokratische Eliten, Gelehrte, Ärzte, Offiziere darstellen. Und so wird das Land gesünder. Dafür bezahlen wir aber mit zu vielen Menschenleben. Mein Rat an meine Regierung lautet daher, dass wir diesen Krieg zumindest in Europa beenden sollten, indem wir die Eskalationsleiter hinaufsteigen und zunächst mit kommerziellen Waffen symbolische oder logistische Punkte auf europäischem Boden angreifen. Wir brauchen keinen einzigen Zentimeter Europa, wie Sie vielleicht verstehen, und wenn sie dann nicht einlenken, sollen wir mit Atomangriffen nachlegen, natürlich unter dem Vorwand, ein Ultimatum zu stellen. Wenn sie nicht einlenken wollen, werden einige Länder zugrunde gehen.

Die Frage von Larry C. Johnson an Prof. John J. Mearsheimer, dem eigentlichen Gesprächspartner, lautete an diese eingespielte Szene:

Halten Sie es für möglich, dass die Russen das wirklich vorhaben?

John J. Maersheimer: Ja, und ganz wichtig ist, dass Sergey Karaganow dieses Argument schon seit Beginn des russisch-ukrainischen Krieges vorbringt und in den ersten Kriegsjahren eindeutig in der Minderheit war. Aber in diesem Interview [...] macht er deutlich, dass seine Ansicht, man müsse über Angriffe auf Ziele in Europa und den möglichen Einsatz von Atomwaffen gegen europäische Länder nachdenken, seiner Meinung nach heute bereits die Mehrheitsmeinung innerhalb Russlands sei, was wirklich ziemlich schockierend ist. Nun möchte ich Ihnen meine Einschätzung dazu geben, was hier meiner Meinung nach vor sich geht. Ich glaube, dass Karaganow und viele andere Russen die Europäer und die Vereinigten Staaten verstehen, aber sie konzentrieren sich hauptsächlich auf die Europäer. Es ist sehr wichtig, zu verstehen, dass sie in einer sehr wichtigen Weise die Vereinigten Staaten von Europa abgrenzen und die Europäer als die Bösen darstellen. Das Argument lauter, dass die Europäer die Ukraine als Rammbock gegen Russland benutzen. Sie liefern der Ukraine alle möglichen Waffensysteme, insbesondere Drohnen, und sie liefern der Ukraine Geheimdienstinformationen, die es ihr ermöglichen, die Russen auf dem Schlachtfeld zu stoppen oder ihnen den Sieg in Schlachten sehr schwer zu machen. Und zweitens helfen die Europäer den Ukrainern bei Angriffen auf Ziele innerhalb Russlands. Und tatsächlich, wenn man sich die aktuellen Entwicklungen ansieht, so erleiden die Russen immer größere Verluste, weil die Europäer den Ukrainern immer mehr Hilfe leisten. Sie statten sie mit besseren Informationen aus. Sie statten sie mit besseren Drohnen aus und so weiter.

Und das Argument [in Russland] lautet, dass die Russen dies einfach nicht länger zulassen können. Sie können nicht zulassen, dass die Europäer ungeschoren davon kommen, während die Ukrainer die Drecksarbeit für die Europäer erledigen. Karagonovs Botschaft lautet also, dass wir den Europäern ein ganz klares Signal senden müssen, dass damit Schluss sein muss. Dass sie die Ukraine nicht länger als Rammbock gegen Russland benutzen können. Wenn diese Europäer glauben, dass sie es den Ukrainern erlauben können, Russland mit dieser Strategie aus dem Kreis der Großmächte zu verdrängen, dann irren sie sich gewaltig. Wir werden das nicht zulassen.

Zum Ende des Interviews heißt es:

John J. Maersheimer: Ich meine, dass die meisten Russen davon überzeugt waren, dass sich Karaganow mit seinen Ideen irrte. Es war einfach eine schlechte Idee. Ich schätze, die meisten Russen waren von dieser Idee zunächst schockiert. Doch im Laufe der Zeit hat sich gezeigt, dass immer mehr Menschen seine Argumentation akzeptierten. Man könnte argumentieren, dass es aus Putins Sicht oder aus Sicht der russischen Elite gut ist [Karaganow öffentlich solche Ideen kundtun zu lassen], denn diese Ideen senden ein Signal an den Westen, dass die Russen darüber nachdenken, diesen Weg einzuschlagen. Und übrigens, ein sehr wichtiger Aspekt dieser Geschichte, den ich nicht [erörtert] habe, ist, dass Putin seit langer Zeit unter großem Druck steht, gegenüber dem Westen eine harte Linie zu fahren. Viele Menschen in Russland sind der Meinung, dass er diesen Krieg wie ein Kätzchen geführt hat und gegenüber dem Westen nicht hart genug vorgegangen ist. Man kann sich vorstellen, dass diese Botschaft bei Putin angekommen ist und dass nun sehr viel Druck auf ihm lastet, sowohl von außen als auch aus seinem eigenen Kopf, der ihm sagt, dass er hart durchgreifen muss.

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Es dürfte die Zeit gekommen sein, in der wieder miteinander gesprochen werden muss. Sollte die deutsche Bundesregierung sich weiterhin weigern, mit der russischen Seite überhaupt zu reden, weil sie sich auf der moralisch richtigen Seite befindet und somit dem Bösen Einhalt gebieten muss, kann damit gerechnet werden, dass an der Eskalationsschraube weiter gedreht werden wird, bis ein Punkt erreicht ist, von dem aus eine Umkehr nicht mehr möglich ist.

Die Macht der Dummheit darf nicht siegen.

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