Rodorf.de

Spiegelsplitterwahrheiten

Inhaltsverzeichnis Spiegelsplitterwahrheiten

Hormus – Torheit der Mächtigen

Montag, den 20. April 2026

Worum es im Wesentlichen bei der Öffnung der Straße von Hormus gehen wird? Die Nation, die die Straße von Hormus wieder öffnet oder reguliert, wird sich als die Großmacht in der Region rund um den Persischen Golf erweisen.

Anders ausgedrückt: Wenn es dem US-Präsidenten Donald Trump tatsächlich gelingen solle, die Wasserstraße als Teil eines Friedensabkommens vollständig zu öffnen, wird er einen bedeutenden Sieg errungen und als „Befreier der Straße von Hormus“ gefeiert werden können, denn dann wird sich niemand mehr daran erinnern wollen, dass es erst eines völkerrechtswidrigen Angriffs Israels und der Schutzmacht USA bedurfte, um eine bis dahin frei befahrbare Meeresenge durch den Iran schließen zu lassen.

Ob es zu solch einem Sieg kommen wird, ist zumindest zurzeit fraglich.

Wie dem auch immer sei: Nachdem der Iran den Eröffnungsansturm überlebt und die Straße von Hormus geschlossen hatte, entstand plötzlich und unerwartet ein neues Kriegsziel für Washington, das sich wie folgt beschreiben lässt:

Die Straße von Hormus muss wieder frei gemacht werden.

Anders ausgedrückt: Die US-Kriegsziele verlagerten sich von der angestrebten Herrschaft über das iranische Öl und einem damit verbundenen Regimewechsel hin zur Wiederherstellung des Vorkriegsstatus der Straße von Hormus, die ja bekanntermaßen erst als Folge der Kriegshandlung vom Iran geschlossen wurde.

Diese strategische Neuausrichtung macht aufgrund des von Israel und den USA angerichteten Schadens, der weltweit zu spüren ist, zwar Sinn, lässt aber auch die Torheit derjenigen deutlich werden, die den Krieg begonnen haben.

Wie dem auch immer sei: Der globale Handel verlangt, dass eine Nation oder eine Gruppe von Nationen die Meerenge wieder öffnet. Wenn das aber dem US-Präsidenten Donald Trump nicht gelingen sollte, was dann?

Dann wird diese „Schlacht um die Befreiung der Straße von Hormus“ nicht nur wie ein großer militärischer Fehler, sondern eher wie die Demütigung einer Großmacht in die Geschichte eingehen, die vielleicht noch größer sein wird, als das, was Frankreich und Großbritannien während der Suez-Krise 1956 an Demütigung erleben mussten.

Anders ausgedrückt: Selbst wenn die USA Irans Forderungen erfüllen und die Straße von Hormus der Regelungsgewalt des Iran überlassen würde, werden die bereits weltweit angerichteten Schäden sich dadurch nicht in Luft auflösen, denn die Beseitigung mancher Schäden werden Jahre in Anspruch nehmen.

Die Aussichten für die Weltwirtschaft sind somit auch dann schlecht, wenn die Freigabe schnell erfolgen sollte. Die negativen Folgen der Schließung werden sich sich aber mit Sicherheit verschlechtern, je länger dieser Krieg andauert.

2026 dürfte sogar mit einer Hungerkatastrophe zu rechnen sein.

Warum?

Durch die Straße von Hormus fließen gut 35 Prozent der für Düngemittel benötigten Rohstoffe. Und das ausgerechnet zu der Zeit, in der sie in der Pflanzsaison auf der nördlichen Erdhalbkugel dringend benötigt werden, ist dieser Transport nicht mehr möglich.

Zu erwartende Folgen für die armen Länder: Durch die wegen fehlender Düngemittel zu erwartenden Ernteausfälle dürften wohl diejenigen Länder am meisten zu leiden haben, die nicht dazu in der Lage sein werden, sich mit knapperen und teurer werdenden Lebensmitteln versorgen zu können. Millionen in den armen Ländern werden davon betroffen sein. Als die am stärksten gefährdeten Länder gelten Nigeria, Kenia, Äthiopien und Bangladesch, die es zusammen auf immerhin 600 Millionen Einwohner bringen, von denen mehr als die Hälfte unter der Armutsgrenze lebt.

Die Torheit der Mächtigen: Das von den Regierenden angerichtete Desaster des Krieges im Iran, hat Barbara Tuchman (1912 - 1989), eine renommierte amerikanische Historikerin und Autorin, bereits in ihrem Buch „Die Torheit der Regierenden“, das erstmalig 1984 publiziert wurde, überzeugend beschrieben:

  • Krieg ist die Entfaltung von Fehlkalkulationen.

  • Ein Ereignis von großer Qual ist nur in dem Glauben erträglich, dass es eine bessere Welt hervorbringen wird.

  • Fehler zuzugeben und Verluste zu begrenzen, ist selten bei Individuen, unbekannt bei Staaten.

    Über Führung und Regierung heißt es bei Barbara
    Tuchman wie folgt:

  • In der Regierungskunst, so scheint es, bleiben die Leistungen der Menschheit weit hinter dem zurück, was sie auf fast allen anderen Gebieten vollbracht hat.

  • Wenn es um Führer geht, haben wir, wenn überhaupt, einen Überfluss - hunderte von Rattenfängern  - bereit und begierig darauf, die Bevölkerung zu führen.

Und was Fehleinschätzungen, menschliche Sturheit und die Dynamik von Eskalationen in Kriegszeiten anbelangt, die durch Führung verursacht werden, heißt es:

  • Fehleinschätzungen: Die handelnden Personen (Politiker, Militärs) bewerten die Situation, den Gegner oder die Risiken falsch.

  • Sturheit: Warnsignale werden ignoriert, und einmal eingeschlagene, falsche Pfade werden aus Prestigegründen weiterverfolgt (Torheit).

  • Dynamik der Eskalation: Einmal begonnene Fehlkalkulationen führen zu einer Eigendynamik, die kaum noch zu stoppen ist.

Daran hat sich bis heute nichts geändert.

TOP 

Inhaltsverzeichnis Spiegelsplitterwahrheiten