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Wie Demokratien heute regiert werden

Freitag, den 27. März 2026

Schlecht.

Warum?

Jede Regierung ist eine künstliche Schöpfung, die in einem definierten geografischen Gebiet im Besitz des Gewaltmonopols ist. Regierungen haben kein Gewissen und auch keinen freien Willen.

Dennoch: In einer liberalen Demokratie sollte die Regierung nur moralisch das tun dürfen, wozu die Regierten, also das Wahlvolk, die von ihr gewählten Repräsentanten autorisiert haben. In Anlehnung an Thomas Jefferson (1743-1826) gilt wohl auch heute noch, dass jede Regierung ihre „gerechten Befugnisse aus der Zustimmung der Regierten“ ableiten können muss. Daraus folgt, dass, wenn die Regierung Entscheidungen trifft, denen die Regierten nicht zugestimmt haben, sich daraus ableiten lässt, dass die Auswirkungen solcher Entscheidungen unmoralisch sind, besser gesagt es getroffenen Regelungen an Legitimität mangelt, wenn dadurch wesentlich Interessen des Gemeinwohls berührt sind.

Wie dem auch immer sei: In Anlehnung an Umfragen, die das Vertrauen der Regierten in ihre Regierungen anbelangt, entspricht wohl keine Regierung in den nachfolgend aufgeführten demokratischen Ländern des Westens den Forderungen an eine Demokratie, die bereits Thomas Jefferson – wie oben skizziert – schon vor gut 250 Jahren für unverzichtbar gehalten hat.

Gemeint sind:

  • USA

  • Deutschland

  • England

  • Frankreich

  • und andere.

Zumindest in den oben genannten Ländern wird eine Politik betrieben, die mehrheitlich so nicht gewollt ist.

Am Beispiel der Trump-Regierung soll im Folgenden kurz aufgezeigt werden, welche Denkweise in dieser ältesten Demokratie der Neuzeit heute im Zentrum ihres Selbstverständnisses steht. Dazu reichen bereits die nachfolgend aufgeführten Stichwörter aus:

  • American first

  • Dysfunktionalität, womit die Unfähigkeit gemeint ist, für erforderlich gehaltene Strukturen zu verändern, verbunden mit einer gestörten Funktionsweise staatlicher Organe und Institutionen

  • Dekadenz, hier zu verstehen als ein allgemeiner Werteverfall, verbunden mit

  • Verderbtheit und einem Todeskult, der Vorstellungen an biblische Endzeitstimmungen aufkommen lässt, zumal beunruhigende Berichte in den US-Medien aufgetaucht sind, in denen eine apokalyptische christliche Rhetorik verwendet wird, die den Iran-Krieg als Teil eines „Endzeitkampfes“ zwischen Gut und Böse beschreiben und ihn dadurch zu rechtfertigen versuchen, dass dieser unvermeidbare Kampf durch die Guten gewonnen werden muss.

US-Präsident Donald Trump wurde zum Beispiel angeblich von Jesus gesalbt, um das Signalfeuer im Iran anzuzünden, um Armageddon zu verursachen und seine Rückkehr, gemeint ist die Rückkehr von Jesus am Jüngsten Tag zu markieren, um dadurch die Schaffung einer Neuen Welt zu ermöglichen in der Neue Menschen ein gottgewolltes Leben führen können.

Die Geschichte hat aber gezeigt, dass, wenn politische Bewegungen Gewalt verherrlichen, Grausamkeit feiern und Konflikte mit apokalyptischen und moralischen Begriffen zu rechtfertigen versuchen, sie oft zu dem abdriften, was Gelehrte als „Todeskult“ bezeichnen - eine Weltanschauung, in der Zerstörung in Kauf genommen wird, um den ideologischen Sieg erringen zu können.

Sobald diese Schwelle erreicht ist, kann ein Krieg sogar als eine heilige Mission gerahmt werden. Das wiederum hat zur Folge, dass Grausamkeiten dann schnell zur Tugend werden.

Demokratische Systeme aber wollen gerade das verhindern, denn demokratische Verfassungen – den Fundamenten, auf denen die meisten Demokratien aufgebaut sind – wollen keine Theokratie, sondern eine Regierung, die auf moralischer Zurückhaltung beruht.

Diese Zeiten aber scheinen heute einem gewissen Wandel zu unterliegen, denn in den krisengeplagten Demokratien von heute mehren sich nicht nur die Krisen. Auch der Glaube an das Ende der Welt nimmt zu.

Wie dem auch immer sei: Fast ein Drittel der US-Amerikaner erwartet den Weltuntergang noch zu Lebzeiten.

In einem Artikel, der am 15. März 2026 auf der Website „DerStandard.de“ erschienen ist, heißt es:

DerStandard.de vom 15.3.23026: Der Glaube an das Ende der Welt ist in Nordamerika überraschend weit verbreitet und hat einen erheblichen Einfluss darauf, wie Menschen die dringendsten Bedrohungen für die Menschheit interpretieren und darauf reagieren“, sagt Matthew Billet, Hauptautor der Studie von der UBC, der derzeit an der University of California in Irvine forscht.

An anderer Stelle:

Die Ergebnisse zeigten, dass insgesamt 28,9 Prozent davon überzeugt waren, dass sie den Weltuntergang noch erleben würden.

Link zur Quelle

Auch in einem Spiegel-Artikel vom 13.3.2026 wird darüber berichtet, dass, in Anlehnung an eine in den USA durchgeführte Studie, die Angst vor der Apokalypse zu einem Massenphänomen geworden ist und ungefähr ein Drittel der US-Amerikaner laut einer Befragung an einen bevorstehenden Weltuntergang glaubt.

Über das Ende der Zeit dürfte dennoch wohl noch nicht das letzte Wort gesprochen sein, denn das was mit dem Jüngsten Gericht, das nach christlicher Glaubensvorstellung gemeint ist, wenn die Endzeit anbricht, tatsächlich gemeint ist, das lässt sich nicht einmal mit Atombomben verwirklichen.

Warum nicht?

Gott hat die Welt an ihrem Anfang aus dem Nichts erschaffen. Diese Welt am Ende ihrer Zeit zu zerstören, setzt voraus, dass die Alte Welt am Ende ihrer Zeit wieder in den Zustand versetzt wird, der vor ihrem Anfang bestand, der aber kommt aus dem Nichts, und diese Welt mit menschlichen Mitteln wieder in ein Nichts zu verwandeln, dazu reichen menschliche Kräfte nicht aus.

Wie dem auch immer sei: Das, was heute über das bevorstehende Armageddon fabuliert wird, das ist im Übrigen auch nicht neu. Hier nur ein paar Beispiele:

Juan Donoso Cortés (1809-1853), ein spanischer Diplomat, Politiker und Staatsphilosoph, vertrat zum Beispiel folgende Meinung:

Die Menschheit eilt mit großen Schritten dem sicheren Schicksal der Despotie entgegen. Diese Despotie wird eine Kraft der Zerstörung entfalten, die größer und gewaltiger sein wird als alles, was wir bisher erlebt haben.

Oder:

Christopher Dawson (1889 – 1970), ein britischer Privatgelehrter, der viele Bücher über Kulturgeschichte und über das Christentum geschrieben hat und heute als „der größte englischsprachige katholische Historiker des 20. Jahrhunderts“ bezeichnet wird, äußerte sich zur Zukunft der Technik  und der Kurltur wie folgt:

Es ist klar, dass in einer Zivilisation dieser Art kein Keim der Zukunft lebendig ist, nur der des Verfalls.

Und auch Karl Jaspers (1883 bis 1969), ein deutscher Psychiater und Philosoph schrieb:

Die Situation ist unwiderruflich: Der Mensch kann die Menschheit und alles Leben auf der Erde durch sein eigenes Tun auslöschen. Der bloße Verstand sagt ihm, es sei wahrscheinlich, dass dieses Ende in den kommenden Jahrzehnten vollzogen werde.

Und, um diese Aufzählung abzuschließen, sei auch noch kurz Stanisław Jerzy Lec (1909 bis 1966), ein polnischer Lyriker zitiert, der gesagt hat:

Ich würde lachen, wenn sie nicht fertig würden mit der Vernichtung der Welt - vor dem Ende der Welt.

Diese Quellen wurden der geschichtsphilosophischen Betrachtung von Josef Pieper „Über das Ende der Zeit“ entnommen.

Josef Pieper: Die gegenwärtige Zeit, deren katastrophische Züge freilich niemand bestreiten wird, müssen als „Endzeit“ im präzisen Sinn verstanden werden, womit Pieper nicht das von Gott gewollte Ende aller Zeiten meint, denn dieses Zeitenende unterscheidet sich von den selbstgemachten Endzeitstimmungen von heute, denn dieses Ende am Jüngsten Tage würde bedeuten, die Alte Welt in ein Nichts zu transformieren. Deshalb beschreibt Josef Pieper, die Endzeitstimmung von heute meinend, wie folgt:

Man muss die immerwährende Nähe und die ständige Möglichkeit eines katastrophischen Endes der Zeit bedenken. Hier liegt, wie Donso Cortés es formuliert hat, eine besondere Chance katastrophischer Zeitläufe.

Die unsicheren Zeiten sind die sichersten; [denn] man erfährt [dann], woran man ist mit der Welt.

Josef Piper. Über das Ende der Zeit. Topos Taschenbücher 2014. Seite 85

Wie Demokratien regiert werden sollten: So, wie das zum Kern dieses Zauberwortes gehört: dem Wohl der Allgemeinheit dienend.

Es reicht wirklich nicht aus, nur an Feiertagen den zentralen Satz der Unabhängigkeitserklärung von 1776 zu zitieren, der nicht nur den amerikanischen Traum umfasst, sondern durchaus als Inspiration aller Demokratien des Westens angesehen werden kann.

Dieser Satz hat folgenden Wortlaut:

Wir halten die nachfolgenden Wahrheiten für klar an sich und keines Beweises bedürfend, nämlich: Dass alle Menschen gleich geboren; dass sie von ihrem Schöpfer mit gewissen unveräußerlichen Rechten begabt sind; dass zu diesem Leben, Freiheit und das Streben nach Glückseligkeit gehöre; dass, um diese Rechte zu sichern, Regierungen eingesetzt sein müssen, deren volle Gewalten von der Zustimmung der Regierten herkommen; dass zu jeder Zeit, wenn irgend eine Regierungsform zerstörend auf diese Endzwecke einwirkt, das Volk das Recht hat, jene zu ändern oder abzuschaffen, eine neue Regierung einzusetzen, und diese auf solche Grundsätze zu gründen, und deren Gewalten in solcher Form zu ordnen, wie es ihm zu seiner Sicherheit und seinem Glück am zweckmäßigsten erscheint.

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Zur Sicherung dieser Rechte werden Regierungen unter den Menschen eingerichtet. Nun ist es aber so, dass, in Anlehnung an  Hrmann Hesse (1877 bis 1962),  sozusagen "allem Anfang ein Zauber innewohnt", der dann aber, im Laufe der Zeit, durchaus andere Bedeutungsinhalte annehmen kann.

Zurzeit scheint es so zu sein, dass aus dem Zauberwort Demokratie ein Gaunerwort geworden ist.

Schlusssätze: Auch Immanuel Kant (1724 bis 1804), hat sich 1794 zum „Ende aller Dinge“ mit dem Übergang von der Zeitlichkeit zur Ewigkeit befasst. Das folgende Zitat aus diesem Aufsatz macht deutlich, dass Endzeitstimmungen zu allen Zeiten und an allen Orten auf der Welt anzutreffen sind und auch wohl noch in Zukunft anzutreffen sein werden.

Immanuel Kant: Dieser Gedanke [gemeint ist das Ende aller Dinge], hat etwas Grausendes in sich: Weil er gleichsam an den Rand eines Abgrunds führt, aus welchem für den, der darin versinkt, keine Wiederkehr möglich ist (...); und doch auch etwas Anziehendes: Denn man kann nicht aufhören, sein zurückgeschrecktes Auge immer wiederum darauf zu wenden (....). Er ist furchtbar=erhaben: zum Teil wegen seiner Dunkelheit, in der die Einbildungskraft mächtiger als beim hellen Licht zu wirken pflegt. Endlich muss er doch auch mit der allgemeinen Menschenvernunft auf wundersame Weise verwebt sein: weil er unter allen vernünftelnden Völkern, zu allen Zeiten, auf eine oder andre Art eingekleidet, angetroffen wird.

Link zur Quelle

Anders ausgedrückt: Auch die Endzeitstimmung von heute dürfte nicht die Letzte Endzeitstimmung sein, was, wenn sich die Gemüter wieder etwas beruhigt haben, die Hoffnung zu rechtfertigen vermag, dass Demokratien irgendwann wieder von Regierungen geführt werden, denen das Allgemeinwohl wichtiger ist, als die Interessen einflussreicher Gruppen. 

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