Rodorf.de

Spiegelsplitterwahrheiten

Inhaltsverzeichnis Spiegelsplitterwahrheiten

Legitimität – Legalität – Autorität

Dienstag, den 17. März 2026

Inhaltsverzeichnis:

01 Legitimität
02 Legalität
03 Autorität
04 Fatwa des iranischen Staatsoberhauptes
05 Gebet von Papst Leo XIV am 15.3.2026
06 US-Präsident Donald Trump
07 Schlusssätze

01 Legitimität

TOP

Der französische General Charles de Gaulle (1890 – 1970) verstand unter Legitimität das Recht einer Nation, für ihren Erhalt und für ihren Fortbestand sogar Gewalt anzuwenden, wenn das Vaterland in Not gerät.

Anders ausgedrückt: Legitimität in diesem Sinne basiert auf den Interessen und dem Gefühl einer Nation an das, was geboten ist, um existenzielle Krisen bewältigen zu können. Übertragen auf den Krieg im Iran von heute heißt das: Es ist ein legitimes Recht des Iran, sich zu verteidigen, weil dieses Land grundlos angegriffen wurde und wird.

Diese Sicht der Dinge lässt sich dadurch begründen, dass das Recht auf Widerstand untrennbar mit dem unbestimmten Rechtsbegriff der Legitimität verbunden ist.

Das heißt: Wer in Notwehr handelt, handelt legitim, auch wenn das Gesetz es verbietet, Menschen zu töten oder zu verletzen.

Heute ist die Sprachfigur der Legitimität eher negativ belegt, denn sie wird, da in ihr Begriffe wie Nation, Moral, Gott und Volk verwendet werden, eher dem so genannten „rechten Lager“ zuzuordnen.

Dennoch wird der Legitimitätsbegriff niemals aufhören können, als eine Rückstellkraft verwendet zu werden, denn die gewinnt immer dann an Bedeutung, wenn aufgrund gesellschaftlicher Krisen die Notwendigkeit entsteht, sich wieder als eine Gemeinschaft zusammenfinden zu müssen, um existenziellen Krisen angemessen und sozialverträglich entgegenwirken zu können. In der Psychologie wird solch eine Reaktion als Regression bezeichnet, denn bei solch einem Verhalten handelt es sich um einen unbewussten Abwehrmechanismus, bei dem Personen - oder Gesellschaften – wenn sie unter Stress geraten oder Angst entwickeln, auf autoritäre Verhaltensweisen zurückgreifen, oder autoritäre Problemlösungen von den staatlichen Institutionen einfordern, um die Interessen der Gesellschaft schützen zu können.

Wie dem auch immer sei: Legitimität im Sinne von Charles de Gaulle entsprang, so seine Sicht der Dinge zur Legitimität, nicht aus irgendeinem menschlichen Handeln. Vielmehr verstand er Legitimität als ein „Grundgesetze“ der Menschheit, aus dem sie erwächst: die Natur, die Zeit, die Verhältnisse, Gott.

Die Sprachfügur der Legitimität führt somit in theologische Dimensionen, weil Legitimität im Göttlichen, also im Religiösen verankert ist, was – mit Blick auf die deutsche Demokratie von heute – mit dem woken Zeitgeist wohl kaum zu vereinbaren ist.

Wie dem auch immer sei: Thomas von Aquin hat zum Beispiel den Grundsatz aufgestellt, dass die Herrschenden nur dann über Legitimität verfügen würden, wenn sie sich für die Verteidigung, die Gerechtigkeit und die Wahrung des Gemeinwohls einsetzen.

Und auch in den mittelalterlichen „Fürstenspiegeln“ wurde unter Legitimität das moralische Verhalten der Herrschenden als eine wesentliche Rechtfertigung ihrer Macht hervorgehoben, so zumindest kann es bei Pierre Rosanvallon (Unsichtbare Institutionen) nachgelesen werden.

Damit ist auch die wohl älteste Vorstellung von Legitimität nunmehr benannt, denn ursprünglich wurde unter Legitimität die Rechtfertigung der moralischen Ordnung verstanden.

Diese moralische Ordnung umfasst, wenn man so will, ausgehend von der Philosophie einer "guten Ordnung" auch das Recht zum Widerstand, wenn Regierende dieser Ordnung nicht entsprachen.

Pierre Rosanvallon: Ein Herrscher ist für sein Amt ungeeignet, wenn er nicht durch seine Tugenden und seine Sorge um das Gemeinwohl überzeugt.

Pierre Rosanvallon: Unsichtbare Institutionen. Hamburger Edition. Seite 71

02 Legalität

TOP

Im Gegensatz zur Legitimität handelt es sich bei der Sprachfigur der Legalität eher um einen Rechtsbegriff der Neuzeit, beginnend mit den Vorstellungen eines Rechtsstaates, die entstehen konnten, als die Doppelfunktion des Kaisers, "Gott und Fürst" zugleich zu sein, aufgegeben wurde, um an dessen Doppelfunktion den Rechtsstaat treten zu lassen, der nicht mehr vom Kaiser oder vom Fürsten, sondern von gewählten Abgeordneten im Parlament bestimmte, was Recht zu sein hat.

Kurzum: Legalität bedeutet allgemein Gesetzmäßigkeit – also dass etwas im Einklang mit den geltenden Gesetzen steht. Legalität regelt, was gesetzlich erlaubt ist. Was nicht erlaubt ist, verstößt gegen das Gesetz.

Dennoch: Auch eine vom Gesetz erlaubte Handlung kann durchaus moralisch umstritten sein. Gesetze können sogar so gemeinschaftsschädigend sein, dass sich aus ihnen ein Recht auf Widerstand ableiten lässt.

Kurzum: Legalität ist das, was den Staat und seine Organe in die Lage versetzt, bei Gesetzesverstößen von der dem Staat übertragenen Hoheitsmacht Gebrauch machen zu können, was nichts anderes bedeutet, als dem Gesetz Geltung zu verschaffen.

Das gilt auch für Gesetze und andere Normen, die bei näherem Hinsehen nicht mehr den Anforderungen von legitimen Gesetzen entsprechen, weil sie eine Ordnung beseitigen wollen, die aus freien Bürgern zum Beispiel gehorsame Untertanen zu machen versucht. Eine Entwicklung, die heute - man muss das bedauern - sowohl in Deutschland als auch in anderen EU-Ländern sich auszubreiten beginnt und auch England und die USA erfasst hat.

03 Autorität

TOP

Autorität bedeutet, dass eine Person oder Institution Macht oder Einfluss ausüben kann, die von anderen zu befolgen ist. Diese Autorität lässt sich wie folgt skizzieren:

  • Naturgegebene Autorität: das ist zum Beispiel die Autorität der Eltern

  • Ansehen oder Fachkompetenz: zum Beispiel das Ansehen charismatischer Personen oder das von fachkompetenten Ärzten

  • Übertragene Macht: zum Beispiel, als Abgeordneter oder als Regierungsvertreter Macht durch einen Wahlakt übertragen zu bekommen

Pierre Rosanvallon: Ein Merkmal der Autorität ist, dass sie sich nicht auf einen Status reduzieren lässt. Ihre Wirksamkeit hängt im Wesentlichen davon ab, dass andere die sie konstituierenden Qualitäten anerkennen. In ihr verbinden sich gewissermaßen Kraft und Fragilität, denn sie ist Ausdruck einer Art von Überlegenheit, einer Fähigkeit, seine Ansichten durchzusetzen, ist aber zugleich immer anfällig dafür, dass diejenigen, über die sie ausgeübt wird, sie auf die Probe stellen. Zudem hat die Autorität den Effekt, Gemeinsamkeit zu schaffen, indem sie der sozialen Welt Sinn und Ordnung ibt, während sie zugleich voraussetzt, dass diese Gemeinsamkeit als legitim und erstrebenswert anerkannt wird.

Pierre Rosanvallon. Unsichtbare Institutionen. Hamburger Edition. Seite 45

Im Folgenden wird der Versuch unternommen, anhand von drei Autoritäten aufzuzeigen, was Autoritäten zu leisten in der Lage ist.

04 Fatwa des iranischen Staatsoberhauptes

TOP

Nach dem gewaltsamen Tod von Ajatollah Ali Chamenei durch den Bombenanschlag vom 28. Februar 2026 wurde sein Sohn, Modschtaba Chamenei (56), vom Expertenrat zum neuen Obersten Führer des Irans ernannt.

Wenige Tage danah hat Modschtaba Chamene offiziell den Dschihad gegen die Vereinigten Staaten und Israel erklärt. Von ihm wurde ein formelles religiöses Dekret erlassen, das sich auf Koran 22:39 -- beruft und die göttliche Erlaubnis zur Kriegsführung gegen die „Kreuzfahrer-Aggression“ erlaubt. Diese Fatwa ruft die gesamte islamische Welt zur Mobilisierung auf, wodurch sich alles ändert.

Warum?

Ein politischer Krieg kann verhandelt werden.
Ein heiliger Krieg kann das nicht.

Sure 22 (Al-Haddsch), Vers 38, 39, 40 ist der erste Koranvers, der Muslimen, der es ihnen erlaubt, einen bewaffneten Kampf zu führen. Er richtet sich an diejenigen, die unterdrückt wurden, unrechtmäßig aus ihrer Heimat vertrieben wurden und sich gegen Angreifer verteidigen, die gegen ihren Glauben vorgehen. Allah wird ihnen dabei helfen.

Sure 22

38 Gewiss, Allah verteidigt diejenigen, die glauben. Gewiss, Allah liebt keinen undankbaren Verräter.

39 Erlaubnis (zum Kampf) ist denjenigen gegeben, die bekämpft werden, weil ihnen ja Unrecht zugefügt wurde – und Allah hat wahrlich die Macht, ihnen zu helfen –,

40 die zu Unrecht aus ihren Wohnstätten vertrieben wurden, nur weil sie sagen: Unser Herr ist Allah.

05 Gebet von Papst Leo XIV. am 15.3.2026

TOP

Papst Leo XIV. hat sich anlässlich des sonntäglichen Angelusläutens in Rom erneut für diplomatische Lösungen statt Gewalt im Krieg ausgesprochen. Er beklagte die „grausame Gewalt der Kriege in Nahost“ und zeigte sich besonders in Sorge um die Lage im Libanon, den er im vergangenen Herbst besucht hatte.

Das Angelusläuten ist ein traditionelles christliches Gebet, das in der katholischen Kirche üblicherweise dreimal täglich (morgens, mittags, abends) eingeläutet wird. Es erinnert an die Menschwerdung Christi und die Verkündigung durch den Engel Gabriel. Besonders bekannt ist das sonntägliche Angelusgebet des Papstes um 12:00 Uhr auf dem Petersplatz.

Papst Leo XIV: Beendet die Kämpfe! Lasst die Wege des Dialogs wieder offen!“, sagte der Papst. Gewalt könne „niemals zu der Gerechtigkeit, der Stabilität und dem Frieden führen, auf die die Völker warten“.

Bei dem vor zwei Wochen begonnen Irankrieg seien tausende unschuldige Menschen getötet und viele weitere aus ihren Häusern vertrieben worden, so der Papst. Allen jenen, „die bei den Angriffen auf Schulen, Krankenhäuser und Wohngebiete Angehörige verloren haben“, versicherte er sein Gebet.

Link zur Quelle

Ob die mahnenden Worte des Oberhauptes der katholischen Kirche von den Gläubigen mit dem gleichen Enthusiasmus zur Kenntnis genommen wurden, wie das bei der Fatwa in den muslimischen Ländern der Fall gewesen ist, das ässt sich mit einem Wort beschreiben: Nein.

Auf Zeit.de vom 16. März 2026 heißt es vielmehr, dass 2025 mehr als 600 000 Menschen aus der Kirche ausgetreten sind. Deutlicher lässt sich der Autoritätsverlust sowohl der katholischen als auch der evangelischen Kirche wohl kaum beschreiben.

Ganz im Gegensatz zu der Zustimmung von Millionen von Muslime zu der Fatwa auf den Straßen sowohl im Iran selbst, als auch in anderen muslimischen Ländern.

06 US-Präsident Trump

TOP

Es fällt von Tag zu Tag schwerer, den US-Präsidenten Donald Trump als eine Autorität zu beschreiben. Diesbezüglich vertreten zwei anerkannte US-amerikanische Autoritäten aus der Wissenschaft, wozu Professor Jeffry Sachs als auch Professor John Mearsheimer gehören, eine durchaus zutreffende Meinung.

In einem Interview beschreibt Jeffry Sachs den US-Präsidenten und seine Berater wie folgt:

Jeffry Sachs: Trump ist ein offensichtlich zutiefst bösartiger Narzisst. Er duldet keinerlei Opposition oder Beweise, die seinem Bauchgefühl widersprechen, auf das er sich immer häufiger beruft. Kriegsminister Pete Hegseth ist ebenfalls ganz klar ein Idiot. Er hat keine Ahnung von dem, was er tut, verfügt aber über all diese mörderischen Werkzeuge. Und wir befinden uns in einer Scheinwelt mit einer ganzen Gruppe, darunter auch Herr Huckabee und anderen, die sich scheinbar nach dem Armageddon und dem Weltuntergang sehnen.

Link zum Interview ab 5 Minuten

Auch Professor John Mearsheimer stellt die Autorität des US-Präsidenten Donald Trump in Frage.

John Mearsheimer: Präsident Trump ist in vielerlei Hinsicht ein klassischer Tyrann. [...]. Und der einzige Weg, mit einem Tyrannen umzugehen, ist, ihm die Stirn zu bieten.

Link zur Quelle

Andere amerikanische Quellen bezeichnen Donald Trump bereits als einen Psychopathen, sehen in ihm einen Calligula-Präsidenten oder bezeichnen ihn als einen Wahnsinnigen. Solch eine Person als eine Autorität zu beschreiben, fällt wirklich schwer.

Das, was in den USA für Alternativen diskutiert werden, die dem US-Präsidenten jetzt noch zur Verfügung stehen, lassen sich, wie das Kim Dotcom, ein amerikanischer Künstler und Internet-Freiheitskämpfer sowie Vater von 6 Kindern gemacht hat, wie folgt auflisten.

Trump hat fünf Optionen:

  • Seine Niederlage eingestehen und den Nahen Osten verlassen

  • Bodeninvasion veranlassen, bei denen Tausende sterben werden

  • Atomwaffen einsetzen und dadurch den dritten Weltkrieg auslösen

  • Rücktritt

  • Amtsenthebungsverfahren.

Keine rosigen Aussichten für eine „Autorität“, die sich sozusagen auf einem Kreuzzug gegen das Böse befindet und der dafür von der neuen Rechten in Amerika sogar als „neuer Jesus Christus“ bezeichnet wird.

07 Schlusssätze

TOP

Autorität – das ist eine unsichtbare Institution, die sich in den Staaten des Westens sozusagen in der Auflösung befindet.

Byung-Chul Han: Es ist aber eine Illusion, zu glauben, dass der Abbau von Autoritäten automatisch mehr Freiheit generiert. Der Autoritätsverfall ruft in erster Linie Unsicherheit und Orientierungslosigkeit hervor. Autoritäten stabilisieren und strukturieren die Gesellschaft. Sie stellen gleichsam ihre Gelenke dar. Ohne sie bricht die Gesellschaft zusammen. Selbst die Demokratie braucht Autoritäten, die auf der Legitimation beruhen.

An anderer Stelle:

Die staatliche Autorität verblasst [jedoch] zur Bürokratie und Verwaltung. Politikern fehlt jede persönliche Autorität, jede Aura, jede Vision.

Byung-Chul Han. Ohne Respekt. Eine soziale Krise. Matthes & Seiz Berlin 2025. Seite 85

Deutlicher lässt sich die Gefahr nicht beschreiben, die mit dem Verlust von Autorität verbunden ist.

TOP 

Inhaltsverzeichnis Spiegelsplitterwahrheiten