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Spiegelsplitterwahrheiten Epic Fury – Ein Grund zum Trauern oder zum Feiern? Dienstag, den 3. März 2026 Die USA bezeichnen den Angriff vom 28. Februar 2026 auf den Iran als „Operation Epic Fury“, was so viel bedeutet wie: gewaltiger Zorn oder epische Wut. Wie dem auch immer sei: Egal wie gut sich der Name auch anhören mag - was im Übrigen eine Geschmacksfrage ist - eines dürfte unbezweifelbar sein: Jeder begonnene Krieg bietet mehr Anlässe zum Trauern als zum Feiern. Wer das anders sieht, dem fehlen erkennbar die Vorstellungen hinsichtlich des Grauens, das zu jedem Krieg gehört. Zu den Fakten: Am 28. Februar 2026 wurde Ajatollah Ali Khamenei durch die Luftschläge der USA und Israels in Teheran getötet. Dieses Ereignis hat in der islamischen Welt tiefe Trauer aber auch Freude sowohl in Teheran selbst als auch anderswo ausgelöst. Dazu heißt es auf der Website des Ron Paul Institutes wie folgt: Ron Paul: Khameneis Tod hat etwas getan, was die Bomben nicht können: Er hat jedem Iraner – religiös oder säkular, reformistisch oder hartnäckig, regierungsfreundlich oder nicht – einen Märtyrer gegeben. Kein Politiker. Kein General. Der oberste Führer selbst. Die emotionale Vereinheitlichungskraft dieser Tatsache im Iran heute Abend kann nicht überbewertet werden und sollte nicht unterschätzt werden. Die Demonstrationen, die heute durch Teheran und Isfahan und Maschhad geführt haben, waren bereits regierungsnah. Nach der Bestätigung gestern Abend werden sie etwas ganz anderes sein. Etwas Älteres. Etwas, das nicht verhandelt. Die Führung wurde getötet. Die Bevölkerung hat sich vereint. Das Regime ist nicht zusammengebrochen. Washington wollte beweisen, dass die amerikanische Macht eine Regierung enthaupten und ihren Zusammenbruch auslösen kann. Es bewies das Gegenteil. Und das tat er vor der ganzen Welt. Zusammengebrochen ist der Iran nach diesem „Enthauptungsschlag“ nicht, deshalb war auch schon kurz darauf in den Medien zu lesen, dass Luftanschläge nicht ausreichen werden, um einen Regimewechsel herbeizuführen. Sogar der israelitische Ministerpräsident Benjamin „Bibi“ Netanjahu, scheint das begriffen zu haben, denn er forderte die Iraner auf, auf die Straße zu gehen, um einen Regime Change durchzusetzen. In der Jüdischen Allgemeine vom 1. März 2026 heißt es diesbezüglich wie folgt: Benjamin Netanjahu: Er rief die Iraner auf, auf die Straße zu gehen, »um die Sache zu vollenden, um das Terrorregime zu stürzen, das euer Leben zur Hölle gemacht hat«. Netanjahu kündigte zudem an, Israel werde in den kommenden Tagen »Tausende Ziele des terroristischen Regimes« angreifen, um die »Bedingungen für das mutige Volk des Iran zu schaffen, sich von den Ketten der Tyrannei zu befreien«. »Die Hilfe, auf die ihr gehofft habt. Diese Hilfe ist angekommen.« Mit seinem Aufruf an das Volk der Iraner hat der israelitische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sicherlich etwas ganz anderes gemeint, als die Massen dazu bewog, sich zu Trauerprozessionen nicht nur im Iran selbst, sondern auch in Indien, Pakistan, im Jemen, im Irak und auch anderswo zu Hunderttausenden zusammenfanden. Mich verwundert das sehr, denn das passt so gar nicht in das Bild des getöteten Ajatollah Ali Khamenei, bei dem es sich ja aus westlicher Sicht um nichts anderes als um einen Diktator bzw. um einen Tyrannen gehandelt hat, einen Menschenschlächter, den alle fürchteten und gehasst haben. Wie ist das möglich, dass Hunderttausende – Bilder von Ajatollah Ali Khamenei in den Händen haltend – den Tod dieses Tyrannen weinend betrauern? Wie lässt sich das erklären, auch wenn Tausende sich über seinen Tod gefreut haben und ihn zum Anlass nahmen, öffentlich zu feiern. Wir werden es nicht verstehen. Warum? Wir wissen nämlich nicht, was ein Ajatollah ist. Und wir wissen auch nicht mehr, was es bedeutet, im Glauben miteinander verbunden zu sein. Ein Ajatollah (aus dem Persischen/Arabischen für „Zeichen Gottes“) ist ein hochrangiger schiitischer Geistlicher und Experte für islamisches Recht. Als einer der höchsten Titel innerhalb des zwölferschiitischen Islam gelten Ajatollahs als Autoritäten, die Scharia-Quellen interpretieren und deren Aufgabe auch darin besteht, als religiöse Vorbilder für die Gläubigen „Quellen der Nachahmung“ zu sein. Ajatollahs sind Weise, Vorbilder, Kultur- und Glaubensträger. Kurzum: Ajatollahs sind Menschen, die nicht unbedingt heilig sein müssen, wohl aber der Verehrung würdig sind. Das ist etwas, was wir Menschen im Westen nicht verstehen können, denn das Wort „heilig“ existiert in unserem religiösen Vorstellungsbild ja gar nicht mehr. Genauer gesagt in unserem Vorstellungsbild, denn in den Staaten des Westens - die USA einmal ausgenommen - existieren Religionen ja eigentlich gar nicht mehr, abgesehen vom Islam. Wie dem auch immer sei: Zwar gab es auch im Westen Trauerzüge, an denen Hunderttausende sich beteiligten, zum Beispiel der Trauerzug bei der Beerdigung von Martin Luther King am 9. April 1968 in Atlanta, an dem über 100.000 Menschen teilnahmen und auch der Trauerzug für den am 5. Juni 2004 verstorbenen ehemaligen US-Präsidenten Ronald Reagan bewogen über 100.000 Menschen dazu, dem verstorbenen Präsidenten die letzte Ehre zu erweisen. In anderen Teilen der Welt wurde der Tod von Ronald Reagan jedoch lediglich zur Kenntnis genommen. Ganz anders aber reagierte die islamische Welt auf den Tod von Ajatollah Ali Khamenei. Wenn heute die Regierungschefs der westlichen Welt sterben würde, kann ich es mir wirklich nicht vorstellen, dass diese „Ausfälle“ im Ausland Menschen dazu bewegen würden, sich zu Trauermärschen zusammenzufinden, um damit ihren Verlustschmerz zum Ausdruck zu bringen. Die islamische Welt ist dazu noch in der Lage. Das verleiht ihr eine Stärke, die nicht unterschätzt werden darf. In einem Artikel von Karen Kwiatkowski, der am 2. März 2026 auf der Website „Lew Rockwell“ publiziert wurde, heißt es diesbezüglich: Karen Kwiatkowski: Der Iran hat auch die moralische Unterstützung des Rests des Planeten sowie der meisten Menschen, die in der Region leben. Er hat die Fähigkeit, nicht nur unsere Schiffe, Radare und Flugzeuge zu zerstören und unsere schrumpfende Munition schnell zu erschöpfen. An anderer Stelle: Das ist nicht der Krieg Amerikas. Ergänzend dazu heißt es in einem Artikel von Paul Craig Roberts, ebenfalls vom 2. März 2026 wie folgt: Paul Craig Roberts: Vielleicht werden die Demokraten Trump dafür anklagen, dass er die Vereinigten Staaten ohne Zustimmung des Kongresses zu einem Kriegsverbrechen verpflichtet hat. Aber da Trump sich als Israels wirksames Instrument erwiesen hat, würden sich die Demokraten gegen die Israel-Lobby stellen, ein Kampf, für den die Demokraten wohl nicht über genug Kraft verfügen. Meine Schlussfolgerung ist, dass Israel und seine amerikanische Marionette auf dem Weg zum Dritten Weltkrieg weitergehen werden. Im Vergleich zu den bisher mitgeteilten "Spiegelsplitterwahrheiten" fällt der Übergang zur Freude sicherlich schwer. Worüber auch sollte man sich freuen? Darüber, dass die iranische Staatsführung „enthauptet“ wurde, was nicht der Fall ist, denn für Nachwuchs war bereits Vorsorge getroffen. Soll man sich etwa darüber freuen, dass bei dem Bombenangriff am 28. Februar 2026 in Teheran eine Grundschule getroffen wurde und 125 Mädchen im Alter von 7 bis 12 Jahren getötet wurden? Ist das wirklich ein Grund zur Freude? Wir sollten ehrlich vor uns sein. Jeder Krieg ist ein Grund zur Trauer. Inhaltsverzeichnis Spiegelsplitterwahrheiten
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