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Lernen und schlafen
Inhalt
 
01 Schlafen hält fit
02 Schlafphasen
03 Das Aufwachen

01 Schlafen hält fit

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Schlafen ist überlebensnotwendig, denn dauerhafter Schlafentzug ist tödlich, zumindest haben Versuche an Ratten diese Einsicht vermittelt. Unabhängig davon ist davon auszugehen, dass dann, wenn der Schlaf nicht notwendig und sinnvoll für das Überleben unserer Art wäre, die Evolution auf den Schlaf verzichtet hätte.

Heute sind sich alle Schlafforscher darüber einig, dass im Schlaf die Gehirnfunktionen gefördert werden und das Gehirn ausgebildet wird.

Insbesondere der Tiefschlaf, von Neurophysiologen als Deltaschlaf bezeichnet, ist von besonderer Bedeutung für die Gedächtnisbildung. Deshalb gehen Schlafforscher davon aus, dass ohne Schlaf keine langfristige Verfestigung von Erfahrungen und Wissen möglich ist.

Es scheint sogar so zu sein, dass diejenigen Spezies mit dem größten Anteil der Informationsverarbeitung – und das sind nun einmal wir Menschen – besonders viel Deltaschlaf benötigen.

Sie als Studentinnen und Studenten erleben täglich, dass es Ihnen Probleme bereitet, die Fülle eingehender Informationen zu verarbeiten und zu ordnen.

Dabei hilft Ihnen der Delta-Schlaf.

Delta-Schlaf hat zwei Funktionen:

  • Das Gedächtnis wird konsolidiert
    In einem Zwischenspeicher gelagerte Inhalte werden von dort ins so genannte Langzeitgedächtnis transportiert. Bei diesem Vorgang trifft das Gehirn die Auswahl völlig selbständig. Bei dem Zwischenspeicher handelt es sich um den Hippocampus. Dort werden die Eindrücke des Tages gespeichert. Nachts funktioniert der Hippocampus als Lehrmeister Ihres Gehirns, d.h. er sorgt dafür, dass wichtige Informationen dorthin gelangen, wo sie hingehören: ins Langzeitgedächtnis, sprich in den Neokortex.
  • Datenmüll wird gelöscht
    Beim Transportieren von Informationen ins Langzeitgedächtnis löschen die Deltawellen die Daten im temporären Speicher, so dass wir wieder Informationen aufnehmen können, wenn wir aufwachen.

Ob emotionale Erfahrungen gleichermaßen vom Gehirn während des Schlafes bearbeitet werden, ist noch nicht abschließend geklärt. Schlafforscher haben aber festgestellt, dass emotionale Erfahrungen es eher ins Langzeitgedächtnis schaffen, wenn diese für zukünftige Pläne wichtig sind.

Festzustellen bleibt:

Das Gehirn erkennt offensichtlich im Deltaschlaf bestimmte wiederkehrende Strukturen und speichert diese separat ab. Dadurch hat man am nächsten Tag einen anderen Blick auf die Dinge.

Der Schlaf fördert auch die Lernleistung.

Wer nachts wenig schläft, ist am Folgetag nicht mehr so aufnahmebereit und lernfähig wie nach einer ausreichend bemessenen Nachtruhe.

Diese Lebenserfahrung gehört zum Erfahrungswissen eines jeden Menschen, der nach einer durchgefeierten Nacht die Schulbank drücken muss.

Schlafmangel stört folglich das Gedächtnis nachhaltig.

Schlaf hat auch noch andere Funktionen:

Der Schlaf

  • repariert das Immunsystem
  • reguliert den Stoffwechsel
  • sorgt dafür, dass der Blutzuckerspiegel wieder angepasst wird.

Unabhängig davon haben Schlafforscher festgestellt, dass das Gehirn während des Schlafs sein Synapsen-Netzwerk mehrmals umprogrammiert.

Es wechselt dabei in einen anderen Zustand:

Da der Körper ruhig gestellt wird, können nunmehr die Neuronen im Gehirn ungehindert feuern. Mit dieser Metapher wird gewöhnlich die Aktivität beschrieben, wenn Neuronen Informationen untereinander austauschen.

Schlafen führt somit dazu, dass der Körper schlaff und entspannt ist, im Gegensatz dazu wird im Gehirn als Alternative zur Ruhe des Körpers, eine wilde Party gefeiert.

Untersuchungen mit bildgebenden Verfahren haben ergeben, dass diese Partystimmung im Gehirn während des Schlafens für unser Bewusstsein konstruktiv ist.

Nachts bereiten wir nämlich vor, was am Tag darauf für uns bedeutsam sein wird. Man sagt deshalb auch, dass der Mensch erst durch den Schlaf zu dem wird, was er ist.

Schlaf klärt unsere Gefühle und befreit unser Gehirn vom Gedächtnismüll des Vortages.

Trotz seiner Wichtigkeit leiden dennoch mehr als 40 Prozent aller Deutschen unter Schlafstörungen.

Die Folgen langfristiger Schlafstörungen sind u.a. Diabetes, Herzschwäche und Übergewicht. Schlafstörungen bewirken aber auch viele Verkehrsunfälle. Fachleute schätzen, dass ein Fünftel aller Unfälle in Industriestaaten mit Schläfrigkeit in Zusammenhang stehen. Das ist so hoch wie der Anteil der Alkoholunfälle.

02 Schlafphasen

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Einschlafphase

Für das Einschlafen benötigen gesunde Menschen etwa 30 Minuten.

Während dieser Zeit ist das Gehirn unbeaufsichtigt. Es kann deshalb nach Belieben Bilder und Ideen produzieren. Die beste Einschlafenszeit ist die Zeit vor Mitternacht, denn nur in den Tiefschlafphasen vor Mitternacht kann der Pegel des Wachstumshormons Somatotrophin auf sein Tagesmaximum ansteigen.

Dieses Wachstumshormon leitet Erholungsprozesse ein, repariert müde Muskeln, reguliert den Fettstoffwechsel und justiert das Immunsystem, sorgt aber auch dafür dass der Abfall des Stoffwechsels beseitigt und die Wundheilung gefördert wird.

Ich kann mich gut daran erinnern, dass meine Mutter mir als Jugendlicher damit auf die Nerven ging, dass der Schlaf vor Mitternacht der beste sei. Offensichtlich wussten vernünftige Menschen schon vor langer Zeit das, was Wissenschaftler heute experimentell belegen können.

Tiefschlaf

Befindet sich ein Mensch im Tiefschlaf, dann haben in seinem Gehirn die Delta-Wellen das Sagen.

Diese Wellen sind auch dafür verantwortlich, dass in unserem Gehirn der Datenmüll beseitigt werden kann. Gemeint sind die überflüssigen Synapsen, die sich während des Tages bilden und bedeutsame Erinnerungen nur stören würden, wenn dieser Datenmüll dennoch den Weg ins Langzeitgedächtnis finden sollte.

Deltawellen löschen folglich den Gedächtnismüll und schaffen Platz für Neues.

Im Tiefschlaf geschieht aber noch mehr:

Die Lernerfahrungen des Vortages werden jetzt neu geordnet.

Dazu muss man Folgendes wissen:

Alles, was wir während des Tages lernen, wird zuerst einmal im Hippocampus gespeichert. Der Hippocampus befindet sich mitten im Gehirn und gehört zu den evolutionsgeschichtlich ältesten Teilen des menschlichen Gehirns.

In diesem Hirnteil werden alle Lernerfahrungen des Tages sozusagen zwischengespeichert.

Um wichtige Informationen dem Langzeitgedächtnis zuführen zu können, werden im Hippocampus die Informationen während des Schlafes ausgewählt, die es Wert sind, ins Langzeitgedächtnis übertragen zu werden.

Da die Neuronen im Langzeitgedächtnis (Großhirnrinde) langsamer wachsen, als das im Hippocampus selbst der Fall ist, ist der Hippocampus gut mit der Speicherung neuer Daten beschäftigt.

Grund dafür ist auch, dass in der Großhirnrinde gespeicherte Erinnerungen bei diesem Speichervorgang nicht durcheinandergebracht werden sollen, denn jeder von uns wäre irritiert, wenn wir nach dem Schlaf wirklich neugeboren wären.

Das Aufräumen im Gehirn findet deshalb vernünftigerweise in der Ruhe der Nacht statt. Das haben Großfirmen und Behörden zwischenzeitlich auch erkannt und nutzen für die Speicherung der Tagesdaten ebenfalls die Ruhe der Nacht. Möglicherweise brauchen Maschinen ja auch die nächtliche Ruhe, um ihr Tagwerk verarbeiten zu können.

REM-Phase

Nach etwa einer Stunde Schlaf geraten die Hirnstromkurven von Schlafenden in Unruhe. Unterschiedlichste Wellen (Theta-, Alpha- und Beta-Wellen) sorgen dann für ein hektisches Durcheinander.

Der Zustand des Gehirns entspricht jetzt in etwa dem Aktivitätsmuster konzentrierten Wachseins.

Verbunden ist diese äußerst gehirnaktive Schlafphase (der so genannte REM-Schlaf) mit starken Augenbewegungen (Rapid Eye Movement).

Ursächlich dafür sind aus dem Hirnstamm kommende rhythmische elektrische Reize.

Gleichzeitig wird ein anregender Botenstoff freigesetzt, das Acetylcholin.

Dieser Botenstoff bringt das Gehirn zum Träumen.

In diesem Zustand können Schlafende schwer geweckt werden. Grund dafür ist, dass der Körper entspannt ist, so dass er auf schwache Wecksignale nicht reagiert.

Im Gegensatz zur Ruhe des Körpers stehen jedoch die Aktivitäten im Gehirn in solchen REM-Phasen. Dort laufen nämlich jetzt die visuellen und emotionalen Zentren auf Hochtouren.

Während einer REM-Schlaf-Phase ist das Gehirn übrigens ganz anders vernetzt als im Tiefschlaf.

Schlafforscher haben herausgefunden, dass das Gehirn in dieser Phase neue Erfahrungen gliedert und strukturiert und durch verschiedene Gedächtnissysteme "surft", um auf diese Art und Weise Verknüpfungen und Assoziationen herzustellen, die uns dabei helfen, Erlerntes anwenden zu können.

Danach folgen Wechsel von Tiefschlaf und REM-Schlaf.

Im Laufe einer Nacht durchwandern wir mehrere 90-minütige Zyklen aus verschiedenen Schlafstadien und dem sogenannten REM-Schlaf.

03 Das Aufwachen

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Für das Aufwachen sollte man sich etwas Zeit nehmen.

Jetzt ist das Gehirn nämlich in einem ähnlichen Zustand wie im REM-Schlaf. Das heißt: Gefühle überwiegen, während der Verstand noch schlummert.

Dies ist die beste Zeit, um zu registrieren, mit welch einem Gefühl Sie zur Fachhochschule gehen werden. Wenn Freude, Begeisterung oder Interesse überwiegen, bzw. positive Gefühle bestimmend sind, dann ist mit Ihnen zumindest an diesem Morgen alles in Ordnung.

Wenn Sie aber bereits schon beim Aufwachen ein mulmiges Gefühl haben, sich lieber auf die andere Seite drehen würden und sich nur aus reinem Pflichtgefühl aufraffen oder aber nur deshalb zur Fachhochschule gehen, weil Sie dafür bezahlt werden, dann ist es nicht gut um Sie bestellt.

Nutzen Sie nach dem Aufwachen eine kurze Zeit - drei Minuten reichen - um sich bewusst zu werden, wie Sie sich jetzt fühlen. Wenn Sie sich diese Zeit nehmen, dann verfügen Sie wahrscheinlich bereits über die wichtigsten Erkenntnisse über den Verlauf dieses Tages.

Sie sehen, Schlafen ist keine unnütze Zeit.

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Kapitel: Lernen und Schlafen

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