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Inhalt  
 
01 Lernziele und Motivation
02 Kognitive Ziele
03 Affektive Ziele
04 Psychomotorische Lernziele
05 Prozesswahrnehmung
06 Motivation - Ein fiktives Gespräch
07 Lässt sich Motivation erzeugen?


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01 Lernziele und Motivation

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Der Weg ist das Ziel. Dieses Zitat aus den Lehren von Konfuzius (551-479 v. Chr.) macht deutlich, das einzelne Schritte auf dem beschwerlichen Weg des Lebens nur kleine Etappen sein können.

In diesem Sinne wird auch Ihr Studium nur einer von vielen Schritten sein, um im Polizeiberuf Zufriedenheit und Selbstverwirklichung zu finden.

Welche Eigenschaften bzw. Fertigkeiten Ihnen dabei behilflich sein können, soll Thema dieses Aufsatzes sein.

Vorab möchte ich jedoch feststellen, dass es für jede Studentin und jeden Studenten eine Selbstverständlichkeit sein sollte, sich darüber zu informieren, was für eine Lernarbeit in den nächsten Monten zu leisten sein wird.

Ihr erstes Ziel möchte ich kurz umreißen:

Ihre Aufgabe wird es sein, sich in den nächsten drei Monaten die Fertigkeiten anzueignen, um einen komplexen polizeilichen Lebenssachverhalt aus rechtlicher Sicht gutachterlich prüfen zu können.

Es wird von Ihnen erwartet, dass Sie dazu in der Lage sein werden, die polizeilichen Standardmaßnahmen nach dem PolG NRW und die der StPO sachverhaltsbezogen anwenden zu können, einschließlich der zwangsweisen Durchführung dieser Maßnahmen.

Das ist ein gehöriges Stück Arbeit.

Diese Lernarbeit ist aber zu leisten, wenn es Ihnen gelingt, sich selbst zu coachen. Dann werden Sie diese Aufgabe mit Bravour leisten werden.

Welch einen Anteil die Inhalte dieser Website daran haben werden, müssen Sie selbst entscheiden.

Auf jeden Fall werden Ihnen die Fertigkeiten dabei helfen, Ihr Ziel zu erreichen, die ich im Folgenden beschreiben werde. Diese Fertigkeiten betreffen das Denken und Verhalten von Menschen.

Gemeint sind Ihre kognitiven Fähigkeiten

02 Kognitive Ziele

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In Ihrer Rolle als Studentin/Student an der Fachhochschule ist es Ihre Aufgabe, die Inhalte Ihres Studiums nicht nur zu kennen, sondern diese auch reproduzieren zu können. Dazu gehört die Fähigkeit, gehörtes Wissen durch Wiederholungen zu festigen, um es beschreiben, bezeichnen und skizzieren zu können.

Ziel dieses Lernvorgangs ist es, erworbenes Wissen sachverhaltsbezogen anwenden zu können.

Kurzformel:    

  • Ich lerne aufmerksam und konzentriert.
  • Durch systematisches Wiederholen festige ich mein Wissen.
  • Lerninhalte kann ich beschreiben, skizzieren und sachverhaltsbezogen          anwenden.

Eine weitere, wesentliche Rolle im Rahmen des bisher skizzierten Lernprozesses nimmt das Verstehen ein. Dazu gehört auch die Fähigkeit zur Interpretation.

Kurzformel:   

  • Ich kann Lerninhalte mit eigenen Worten beschreiben.
  • Ich kenne die Zusammenhänge und kann diese erklären.        

Erwartet wird von Ihnen auch, dass Sie dazu in der Lage sind, erlerntes Wissen auf Fälle anzuwenden, die nicht Gegenstand des Unterrichtsgesprächs waren.

Das setzt voraus, dass Sie dazu in der Lage sind, Lebenssituationen aus rechtlicher Sicht analysieren zu können. Dazu gehört auch die Kompetenz, Wesentliches vom Unwesentlichen zu trennen. Erwartet wird von Ihnen, dass Sie Zusammenhänge erkennen und dazu in der Lage sind, Fakten zu ordnen, Verknüpfungen herzustellen und Widersprüche nachzuweisen.

Kurzformel:   

  • Ich kann erlerntes Wissen sachverhaltsbezogen anwenden.
  • Ich trenne Wesentliches vom Unwesentlichen.
  • Ich kenne die Zusammenhänge.

Kenntnisse und Fertigkeiten eignen sich Menschen aber nicht einfach nur an. Dies geschieht immer in einem Umfeld, das – mehr als Sie sich das vielleicht vorstellen können – von Emotionen und Interessen bestimmt ist.

In der Lernpsychologie gibt es dafür den Fachbegriff der affektiven Lernziele.

03 Affektive Lernziele

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Damit ist gemeint, das Lernende etwas zur Kenntnis nehmen, ohne es genau beschreiben zu können. Dem damit verbundene Gefühl von Unsicherheit sollten Lernende dadurch begegnet, indem sie keine innere Abwehrhaltung gegenüber der Sache einnehmen. Insoweit ist es von großem Vorteil, wenn Sie über die Fähigkeit des Selbstcoaching verfügen. Damit ist gemeint, dass Sie dazu in der Lage sein sollten, ihre Haltung und Handlungen zu steuern.

Außerdem sollten Sie dazu in der Lage sein, die Zusammenhänge zwischen Emotionen (wie fühle ich mich in der Lernsituation) und Werten (warum soll ich das denn lernen) nicht nur zu kennen, sondern in sich selbst fühlen zu können.

Kenntnisse über ihr eigenes Stressverhalten sollten Ihnen deshalb bewusst sein. Gleiches gilt für eventuell vorhandene Abwehrhaltungen zu Lerninhalten. Auch diese Abwehrhaltung sollten Sie zuerst einmal annehmen um sich dann zu fragen, wie sich das ändern lässt. Nur dann ist es Ihnen möglich, ihren inneren Antriebe zu aktivieren und ihre Emotionen zu steuern.

Sie sollten auch immer auf ihre Selbstgespräche achten (Ihren inneren Dialog) der oftmals unbewusst stattfindet. Hören Sie dieser Stimme zu, um herauszufinden, wie Ihr Unbewusstes in der vorgefundenen Lernsituation reagiert.

Affektive Lernziele lassen sich auch mit folgenden Worten skizzieren:

  • beachten
  • wahrnehmen
  • aufmerksam werden
  • bewusst werden
  • erfahren
  • auswählen
  • entdecken

Kurzformel:   

  • Ich bin aufmerksam und konzentriert
  • Ich nehme Situationen bewusst wahr
  • Ich kenne meine Motive und Wünsche
  • Ich höre auf meine innere Stimme
  • Ich steuere mein Verhalten

04 Psychomotorische Lernziele

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Darunter wird die Fähigkeit verstanden, manuelle Fähigkeiten mit theoretischen Inhalten verbinden zu können, zum Beispiel:

  • unter realen Bedingungen üben
  • in Fluss kommen
  • Handhabung zur Routine machen
  • praktische Fertigkeiten erwerben
  • Theorie und Praxis als zusammengehörig erleben
  • auf ein harmonisches Zusammenwirken hinwirken
  • Fähigkeit zum Multitasking ausbilden
  • Variantenreichtum aneignen
  • Flow erleben etc.

Diese Fertigkeiten werden Sie im Rahmen ihrer praktischen Modulausbildung und während Ihrer Praktika ausbilden können. Verlieren Sie bei dieser Form des Lernens aber bitte nicht den Kontakt zum theoretischen Überbau. Versuchen Sie vielmehr theoretisches Wissen und praktisches Üben als zueinandergehörig zu erleben.

Als Übender werden sich in der Rolle eines „Lehrlings“ befinden und insoweit akzeptieren müssen, dass es Ihnen an Kompetenz fehlt und zwar auch dann, wenn Sie meinen, bereits alles schon zu kennen. Im Rahmen des Lernprozesses, den Sie während dieser berufspraktischen Zeit durchlaufen werden, wird von Ihnen erwartet, dass Sie dazu bereit sind, sozusagen in die „Schuhe eines anderen“ zu steigen, sich mit dessen Sicht auseinander zu setzen.

Das setzt voraus, dass Sie Ihre Komfortzone verlassen, selbst aktiv werden, bereit dazu sind, auf die Rückmeldungen anderer einzugehen, und Verbesserungsvorschläge und Anregungen annehmen.

Kurzformel:   

  • Ich lerne gerne
  • Ich bin offen für Feedback
  • Übung macht den Meister
  • Ich bin aktiv und für Neues immer offen.

05 Prozesswahrnehmung

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Wahrnehmung ist ein sehr komplexer Vorgang. Unbestritten ist, dass es sich dabei um die Verarbeitung von Reizen handelt, die entweder von außen kommen, oder aber selbst durch Gefühle oder Gedanken erzeugt werden.
Fakt ist, dass Menschen auf empfangene Reize unterschiedlich reagieren.
Das führt dazu, dass Menschen

  • sich in Lernsituationen unterschiedlich verhalten
  • unterschiedliche Wertvorstellungen habenden
  • Lernvorgang fördern oder behindern können
  • sich angemessen oder unangemessenes verhalten können
  • für eine Sache engagiert oder desinteressiert sind etc.

Von Ihnen wird erwartet, dass Sie sich für die Inhalte Ihres Studiums interessieren und durch erlebbares Verhalten zeigen, dass Sie sich mit den Lerninhalten intensiv auseinandersetzen.

Kurzformel:   

  • Ich lerne gerne
  • Ich akzeptiere andere Wertvorstellungen
  • Ich engagiere mich
  • Ich kontrolliere mein Verhalten

Versuchen Sie, die oben beschriebenen Erwartungshaltungen oder Ziele, wenn Ihnen dieses Wort lieber ist, zu leben.

Die Folge davon wird sein, dass Sie Ihre Zeit an der Fachhochschule als eine sehr dynamische Zeit erleben, nämlich als eine Zeit, in der Sie aktiv sind, präsent sind und von anderen mit erkennbar sichtbarer Vitalität wahrgenommen werden, wie Sie sich mit dem Polizeiberuf und dessen Grundlagen auseinandersetzen.

Diese Lernhaltung wird nicht nur einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, mit Ihren Dozentinnen und Dozenten in einen fruchtbaren Gedankenaustausch treten zu können. Eine solche Arbeitshaltung wird auch dazu beitragen, zu Ihren Kommilitonen ein enges und auf Teamarbeit basierendes Verhältnis aufbauen zu können.

Vertrauen Sie darauf, es liegt nicht an den anderen, wenn man Sie nicht so beachtet und schätzt wie Sie sich das vielleicht wünschen, sondern überwiegend an Ihnen.

Ihre Arbeitshaltung, Ihre Art zu denken, zu arbeiten, sich in einen Lernprozess einzubringen, andere wertzuschätzen und sich für eine Sache zu engagieren ist der eigentliche Motor von Erfolg und Selbstbewusstsein.

Packen Sie es an.

Bedenken Sie:

Wenn man eine Eiche pflanzt, darf man nicht die Hoffnung hegen, nächstens in ihrem Schatten zu ruhen.

(Antoine de Saint-Exupéry, Terre des Hommes (Wind, Sand und Sterne).

06 Motivation – Ein fiktives Gespräch

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Wie motivieren Sie sich?

Zunächst sorge ich dafür, dass mir meine Arbeit Spaß macht und mir positive Gefühle beschert. Das ist sehr wichtig für mich. Zum Glück denken in meiner Lerngruppe die meisten so, auch deshalb fällt es mir leicht, den ganzen Tag über bei der Sache zu bleiben.

Können Sie das Klima in Ihrer Klasse beschreiben?

Das sind alles sympathische und nette Kolleginnen und Kollegen. Die meisten haben sich auch bewusst und aus Interesse für den Polizeiberuf entschieden. Nur wenige suchten nur einen sicheren Job.

Und wie gefällt Ihnen der Fachunterricht?

Ich will mal mit dem beginnen, was für mich besonders wichtig ist. Den meisten Dozentinnen und Dozenten gelingt es, zu uns eine Beziehung aufzubauen. Damit meine ich, in Ihrer Rolle versuchen sie, uns möglichst wertschätzend für Ihr Thema zu gewinnen. Ich habe das Gefühl, von den meisten als zukünftiger Kollege behandelt zu werden. Zumindest ist niemand so abgehoben, dass er uns spüren lässt, dass wir eigentlich noch unwissend sind.

Das trifft im Moment sicherlich noch zu, aber das lassen die Dozenten uns nicht spüren.

Das erleben auch die anderen so, deshalb macht das Lernen Spaß. Wir haben bisher auch noch nicht erlebt, dass jemand vorgeführt wurde, nur weil er eine unpassende Frage gestellt oder aber auf eine gestellte Frage nicht die richtige Antwort gegeben hat.

Ihnen ist es also wichtig, dass in Ihrer Lerngruppe ein partnerschaftlich ausgerichtetes Lernklima erlebt wird?

Richtig, für mich ist das wichtig. Ich denke aber auch, dass solch ein Klima allen die Möglichkeit bietet, besser und effektiver zu lernen.

Und wie kommen Sie mit den Inhalten Ihres Studiums zurecht?

Ich bin der Überzeugung, dass die Inhalte für meine berufliche Verwendung bedeutsam sind. Deshalb ist es kein Problem für mich, diese Inhalte anzunehmen. Im Übrigen könnte ich das sowieso nicht ändern. Ich habe für mich die Erfahrung gemacht, dass Vorbehalte gegen Lerninhalte nur dazu führen, den Lernprozess zu behindern. Deshalb lege ich Wert darauf, dass ich für alle Themen offen bin.

Ich nehme auch die Inhalte an, die mir trocken erscheinen und versuche dann, das Beste daraus zu machen.

Was heißt das?

Das kann ich schwer beschreiben. Ich versuche, mich zu konzentrieren und sage mir, dass ich das schaffen werde. Wenn ich merke, dass meine Gedanken abschweifen und nicht mehr im Unterricht sind, dann hole ich mich zurück.

Und wie machen Sie das?

Ich konzentriere mich auf meinen Atem, fühle meinen Puls oder kneife mir in den Unterarm, hole tief Atem und atme dann ganz langsam aus. Gleichzeitig sage ich zu mir, dass ich aufmerksam und konzentriert bin. Das tue ich so lange, bis mein Tagtraum zu Ende ist.

Und wenn ich merke, dass ich wieder bei mir bin, dann nehme ich mir vor, in den nächsten Minuten eine Frage zu stellen.

Um das zu schaffen, muss ich dann zwangsläufig wieder zuhören.

Und wie lernen Sie nach Feierabend?

Das ist schnell gesagt. Zuerst gönne ich mir eine Pause und im Anschluss daran beschäftige ich mich mit Dingen, die nichts mit dem Studium zu tun haben. Wenn ich es eben einrichten kann, bewege ich mich jeden Tag mindestens 30 Minuten intensiv. Entweder jogge ich, oder, wenn das Wetter schlecht ist, bewege ich mich in meinem Zimmer.

Das geht?

Klar, das ist kein Problem. Eigentlich brauche ich nur ein paar gute Songs und Platz für eine etwas größere Gymnastikmatte. Deren Fläche reicht aus, um tanzend in 15 Minuten ganz schön unter Dampf zu kommen. Wenn ich dann anfange zu schwitzen, mache ich einige gymnastische Übungen. Da ich das täglich mache, fühle ich mich körperlich fit.

Und ... wie sieht das mit der Nachbereitung aus?

Ich teile meinen Arbeitstag so ein, dass ich zu einer festgesetzten Zeit mich mit den Inhalten auseinandersetze, die zum Beispiel heute angefallen sind. Ich gehe meine Aufzeichnungen durch und versuche, mir selbst zu erzählen, warum meine Notizen für mich bedeutsam sind.

Sie unterhalten sich also mit sich selber?

Klar, das habe ich immer schon so gemacht. Für mich ist das eine Lerntechnik, die gute Ergebnisse bringt. Bei der Durchsicht meiner Notizen lege ich auch Wert darauf, einzelne Worte oder Gedanken farblich zu markieren. Außerdem versuche ich, durch Pfeile und Kreise die Begriffe miteinander in Verbindung zu setzen, die nach meiner Erinnerung zusammen gehören.

Dabei entstehen „Gemälde“, mit denen nur ich selbst etwas anfangen kann.

Ist das Ihre einzige Art, den Unterricht nachzubereiten?

Nein. Ich habe mir angewöhnt, jeden Tag mindestens 30 Minuten zu lesen. Heute sind wir zum Beispiel mit den Grundrechten angefangen. Für mich bedeutet das, Quellen ausfindig zu machen, in denen etwas über die Bedeutung der Grundrechte steht.

Und da wir heute auch versucht haben, die Würde des Menschen zu definieren, werde ich nach Texten suchen, die mir dabei helfen, diesen Begriff mit Leben zu füllen.

Das mache ich so mit allen Themen, die an der FHS gelehrt werden.

Ich gehe davon aus, dass beim Lesen juristischer Texte sich bei mir langsam eine Sprachkompetenz entwickelt, von der ich auf Dauer gesehen nur profitieren kann.

Sie sprechen von langsam wachsender Sprachkompetenz.
Lernen Sie auch Definitionen auswendig?


Nein, ich hasse Auswendiglernen. Das schließt aber nicht aus, dass einige Definitionen von mir zwangsläufig übernommen werden, einfach deswegen, weil man sie so häufig hört und liest. Solche Definitionen lerne ich aber nicht so wie Vokabeln.
Ich nehme den Sprachgebrauch dennoch an, weil er sich als hilfreich erweist. Im Übrigen lege ich mehr Wert darauf, Definitionen zu verstehen. Wenn ich weiß, wozu die dienen, dann habe ich sie meist bereits so verinnerlicht, dass sie sowieso bereits zu meinem Sprachgebrauch gehören.

Über die Zeit des Auswendiglernens bin ich hinaus. Das ist Kinderkram.

OK. Und was machen Sie nach Ihrer täglichen Lernarbeit zu Hause?

Dann treffe ich mich oft mit Gleichgesinnten aus meinem Kurs. Sie müssen wissen, ich arbeite gern und oft mit Freunden zusammen. Wir haben Spaß daran, unser Erfahrungen miteinander zu teilen. Selbstverständlich werden bei diesen Treffs auch die Fragen diskutiert, die uns im Lehrbetrieb alle bewegen.

Ich möchte mich mal so ausdrücken, das soziale Klima, in dem ich mich für den Polizeiberuf vorbereite, ist ein wichtiger Faktor meiner persönlichen Motivation.

Sie lernen also nicht nur für die FHS?

Nein. Das ist nach meiner Sicht der Dinge viel zu kurz gegriffen. Für mich ist die Zeit an der Fachhochschule zwar ein wichtiger Schritt, um als Polizeibeamter sozusagen aufs Volk losgelassen werden zu können.

Meine Motivation geht aber weit darüber hinaus. Ich möchte, dass der Polizeiberuf mir Berufszufriedenheit und Erfolgserlebnisse vermittelt und das nicht nur in den ersten drei Jahren während meines Studiums.

Dass ich diese Zeit genieße, ist für mich selbstverständlich, denn nur wenn ich gerne lerne, wird mein Leben im Rahmen meiner Möglichkeiten erfolgsorientiert sein.

Ich weiß, dass mir der Polizeiberuf viele Chancen bieten wird, um mich im Rahmen meiner Fähigkeiten und Fertigkeiten entwickeln zu können. Welche Angebote mir der Polizeiberuf tatsächlich machen wird, weiß ich heute noch nicht. Ich vertraue aber darauf, dass er mir die Möglichkeit bieten wird, ein erfülltes und spannendes Berufsleben sozusagen zu erleben.

Das ist meine Vorstellung von Zukunft.

Ich bin mir sicher, dass sich mein Wunsch realisieren wird, wenn ich dazu bereit bin, vom ersten Tag meines Studiums an mich für diesen Beruf zu engagieren. Ich möchte zum Schluss meiner aktiven Berufszeit sagen können, dass ich gern Polizeibeamter gewesen bin.

Das setzt aber nach meiner Sicht der Dinge voraus, dass ich diesen Beruf zum Teil meiner Persönlichkeit mache und die Werte und Fertigkeiten, die in diesem Beruf benötigt werden, in mir ausbilde.

Ich achte deshalb darauf, die an mich gestellten Anforderungen so zu erarbeiten, dass ich sie souverän bewältigen kann. Manchmal fällt es mir leicht, bestimmte Tätigkeiten schnell und elegant zu erledigen - manchmal fordert eine Aufgabe aber auch meine volle Konzentration - dann besinne ich mich zunächst auf mein Ziel und anschließend fokussiere ich meine Energie auf die zu erledigende Aufgabe.

Sobald ich mir einen Plan zurechtgelegt habe, wie ich mein nächstes Ziel am besten erreichen kann, konzentriere ich mich auf die Umsetzung der einzelnen Schritte. Für mich ist eines klar:

Echte Eigen-Motivation wurzelt in einer attraktiven Vorstellung von der Zukunft. Ich bin Realist; und deshalb achte ich darauf, möglichst optimistisch zu denken, zu fühlen und zu bewerten. Ich lebe in einer attraktiven Gegenwart, und mein Handeln wird genährt von einer mindestens ebenso attraktiven Zukunftsvorstellung.

Ich sorge dafür, dass ich mir meine Zeit so einteile, dass ich mich den entscheidenden Etappenzielen Schritt für Schritt nähere - und ich nehme mir hin und wieder Zeit, um erzielte Erfolge gemeinsam mit Freunden zu feiern.

Danke für das Gespräch.

07 Lässt sich Motivation erzeugen?

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„Menschen sind von Natur aus motiviert, sie können gar nicht anders, denn sie haben ein äußerst effektives System hierfür von Natur aus in ihrem Gehirn. Hätten wir dieses System nicht, dann hätten wir gar nicht überlebt. Dieses System ist immer in Aktion, man kann es gar nicht abschalten, es sei denn, man legt sich schlafen.

Die Frage danach, wie man Menschen motiviert, ist daher etwa so sinnvoll wie die Frage „Wie erzeugt man Hunger?“ Die einzig vernünftige Antwort lautet: „Gar nicht, denn der stellt sich von alleine ein.“

Geht man den Gründen für die Frage zur Motivationserzeugung nach, so stellt sich heraus, dass es letztlich um Probleme geht, die jemand damit hat, dass ein anderer nicht das tun will, was er selbst will, dass es der andere tut. In solchen Fällen wird vermeintlich Motivation zum Problem. Jemand muss, so scheint es, einen anderen motivieren. Das ist etwa so, wie wenn man jemandem Hunger beibringen wollte.“

(Manfred Spitzer, Lernen – Gehirnforschung und die Schule des Lebens – Spektrum Akademischer Verlag, S. 192).

Im Gegensatz dazu gibt es aber durchaus funktionierende Mittel, um einen Menschen zu demotivieren.

Mangelnde Wertschätzung, Machtmissbrauch, oberlehrerhaftes Verhalten, Besserwisserei, fehlende Anerkennung, Bloßstellen, lächerlich machen, erniedrigen, vorführen, jemanden auflaufen lassen und andere, den meisten Lesern wahrscheinlich hinreichend bekannte Verhaltensweisen von Lehrern, Eltern, Vorgesetzten und anderen Personen, sind wirklich effektiv wirkende Motivationsblocker.

Im Zusammenhang mit der Gestaltung von Lernprozessen kommt in diesem Zusammenhang gesehen der Person des Lehrers eine überragende Bedeutung zu.

„Nur wer von seinem Fach wirklich begeistert ist, wird es auch unterrichten können. Daraus wiederum folgt: Lehrer müssen vor allem eines können: Ihr Fach! Begeisterung lässt sich nicht spielen, man muss selbst begeistert sein, und nur dann besteht die Chance, dass – wie man so sagt – der Funke überspringt. Ist der Funke gar nicht da, kann er nicht springen.

Noch etwas folgt aus den obigen Ausführungen zur Motivation:

Die Person des Lehrers ist dessen stärkstes Medium! Nicht der Overheadprojektor, die Tafel, die Kopien oder gar die PowerPoint-Präsentation. Nicht diese Medien, sondern ein vom Fach begeisterter Lehrer, der gelegentlich lobt und vielleicht auch mal einen netten Blick für die Schüler übrig hat, bringen deren Belohnungssystem auf Trab.“

(Manfred Spitzer, Lernen – Gehirnforschung und die Schule des Lebens – Spektrum Akademischer Verlag, S. 194).

Diese Ausführungen kommen mir sehr vertraut vor. Nicht nur, dass ich sie durch eigene Erfahrungen bestätigen kann, nein, vor langer Zeit fand ich in einem verstaubten Keller einer Polizeischule eine alte Nachkriegszeitung. Es handelte sich um eine Ausgabe „Die Polizei“ aus dem Jahr 1947. In dieser Ausgabe fand ich einen Aufsatz zum Thema: Die Polizeischule, Pflanzstätte des polizeilichen Geistes.

Aus diesem Artikel möchte ich  eine lesenswerte Passage zitieren:

"Jede Unterrichtsstunde muss für den Lehrer die Hingabe eines Stückes seines Selbst an die Schüler sein. Der Taumel der Lehrbegeisterung muss ihn am Schluss der Stunde wie aus einer anderen Welt zurückkehren sehen. Dann ist der Lehrer an seinem Platz und der Erfolg seiner Arbeit wird ihm der schönste Lohn sein.

Und für den Schüler bedeutet das die Einsicht in die Notwendigkeit von der Ausbildung in die Selbstausbildung und insbesondere die Einsicht, dass Zwang zur Freude werden kann. Lernen heißt, so lange üben und wiederholen, bis dass aus Zwang Freude wird."

Diese Wortwahl ist heute sicherlich nicht mehr zeitgemäß. Dennoch: In diesen Sätzen ist vieles über den Vorgang des Lernens enthalten, was auch heute noch gilt.

Antoine de Saint-Exupéry wird folgendes Zitat zugeschrieben:

"Wenn Du ein Schiff bauen willst, so trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Werkzeuge vorzubereiten, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten endlosen Meer."

Übertragen auf den Polizeiberuf bedeutet das: "Willst du Menschen für eine Lebensaufgabe gewinnen, dann erzähle ihnen von den Herausforderungen die dieser Beruf einfordert. Ist das geschehen, dann zeige ihnen, welche Kenntnisse und Fertigkeiten erforderlich sind, um in diesem Beruf eigene Lebensziele verwirklichen zu können. Den Rest erledigt er oder sie ohne deine Hilfe."

Unabhängig davon möchte ich die eingangs gestellte Frage: Lässt sich Motivation erzeugen?, mit "Ja" beantworten.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass ich mich selbst motivieren kann. Daraus schließe ich, dass das auch andere können.

Aus eigener Erfahrung weiß ich auch, dass andere mich motivieren können.

Das dafür erforderliche Verhalten möchte ich wie folgt zusammenfassen: Wer mich motivieren will, muss mir vertrauen, mich wertschätzen, sich für meine Arbeit interessieren, sich mit den Arbeitsergebnissen kritisch auseinandersetzen, Verbesserungsvorschläge einbringen oder, wenn das Arbeitsergebnis gut ist, sich für die erbrachte Arbeit bedanken. Ein Lob ist mir eher peinlich. Ich bevorzuge   Offenheit und Wertschätzung.

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Kapitel: Lernen und Motivation

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