Während wir denken, uns erinnern oder geistig und
körperlich aktiv sind, werden neue Dendriten gebildet. Sie dienen als Kontaktstellen und
öffnen beim Lernen neue Kanäle zur Kommunikation mit anderen Neuronen. Sie werden
unbedingt gebraucht, da die Kommunikation zwischen Zellen oder Zellgruppen für das
Überleben vielzelliger Organismen unentbehrlich sind.
In dem Maße, wie sich die neuronalen Netze weiterentwickeln und als Folge davon jeder
von uns lebenslang sein Grundmuster verändert, wachsen auch unsere Leistungsfähigkeit
und unsere Flexibilität. Mit anderen Worten, Ihr Gehirn ändert sich täglich.
Die Folge davon ist, dass sich unser Gehirn immer wieder neu modelliert, sich stets an
vorgefundene Besonderheiten anpasst und sich somit fortlaufend verändert.
Das Gehirn modelliert sich folglich stets neu, wann immer wir ein neues Verhalten
zeigen. "Folglich ist Lernen die Summe unserer Erfahrungen. Alles andere ist einfach
nur Information" (Albert Einstein).
04 Kommunikation der Hirnzellen
TOP
Lernen besteht nach verbreiteter Auffassung in der Verstärkung synaptischer
Verbindungen zwischen Neuronen. Rein strukturell gesehen, sind Synapsen winzige Spalte
zwischen Neuronen. Wichtiger aber ist, dass sie die winzige Spalte an den Stellen sind, wo
zwei Neurone aufeinanderstoßen und Informationen austauschen.
Zur Klarstellung:
- Synapsen befinden sich an den Axon-Endköpfen eines Neurons
- sie stellen Kontakt zum Dendriten eines anderen Neurons her
- vom Zellkörper des sendenden Neurons fließen elektrische Impulse durch das Axon zu den
Endköpfen
- an den Endköpfen wird ein Neurotransmitter ausgeschüttet
- dieser fließt in den synaptischen Spalt
- der Neurotransmitter bindet sich an Rezeptoren, die auf dem Dendriten des empfangenen
Neurons sitzen
- kommt es zum Informationsaustausch, feuert das empfangene Neuron über sein Axon den
Impuls weiter zum eigenen Axon-Endkopf usw.
Dadurch entstehen so genannte funktionelle Bindungen. Je öfter die vom jeweiligen
Informationsaustausch betroffenen Neuronen miteinander kommunizieren, um so
wahrscheinlicher ist es, dass es beim nächsten gleichen oder ähnlichen Anlass zum
gleichen Neuronenfeuer kommt. In Anlehnung an den kanadischen Psychologen Donald Hebb wird
dieser Vorgang heute allgemein als Hebbsche Synapse bezeichnet. Damit ist gemeint, dass
Zellen, die zusammen feuern, sich verdrahten (cells that fire together wire together).
Lange Zeit, Hebb formulierte seine Theorie bereits 1949, galt diese Vorstellung als
unbegründete Vorstellung über den Mechanismus des Lernens.
Heute scheint sich diese Vorstellung aber als zutreffend herauszustellen.
Man weiß zum Beispiel, dass durch den Informationsaustausch der Neuronen untereinander
dauerhafte Veränderungen im Hirn herbeigeführt werden. Diese Erzeugung dauerhafter
Veränderungen wird als so genannte "Langzeit-Potenzierung" bezeichnet
(lont-term potentiation LTP). Es scheint sogar so zu sein, dass LTP der Stoff ist,
aus dem unsere Erinnerungen gemacht werden. Hinzu kommt, dass es zur besonderen
Eigenschaft von LTP gehört, über die Bereitschaft zur Kooperation mit anderen Zellen zu
verfügen. Eine Langzeit-Potenzierung erfolgt nämlich nur dann, wenn durch die Reizung
einer Vielzahl von Zellen eine ausreichende Anzahl von Synapsen aktiv wird. Werden zu
wenige Neuronen gereizt, kommt es nicht zu einer Lanzeit-Potenzierung.
LTP hat somit zur Folge, dass sich Netzwerke bilden können, in denen sich bestimmte
Informationen durch ständige Zusammenarbeit bilden, festigen und ausbauen können.
Nach dieser Vorstellung ist auch das Lernen der Synapsen erfahrungsabhängig.
05 Glutamat und Lernen
TOP
Der Neurotransmitter Glutamat scheint eine entscheidende Bedeutung für die Festigung
von Informationen durch LTP im Hippocampus zu spielen. Sie erinnern sich, im Hippocampus
werden die zu lernenden Inhalte zwischengespeichert, bevor Sie ins Langzeitgedächtnis
transportiert werden. Dieser Vorgang ereignet sich im Übrigen überwiegend während der
Zeit, in der Sie gewöhnlich schlafen. Die beste Zeit für diesen Transfer ist der Schlaf
vor Mitternacht. Dazu aber später mehr.
Tatsache ist, dass Glutamat für LTP von ausschlaggebender Bedeutung ist, weil es sich
an Rezeptoren bindet, die für eine Langzeit-Potenzierung erforderlich sind. Wie das genau
geschieht, das gehört zu den Fragen, mit denen sich die Neurowissenschaft derzeit am
intensivsten beschäftigt.
Es scheint so zu sein, dass zwischen Lernen und LTP ein unmittelbarer Zusammenhang
besteht.
In diesem Zusammenhang erlauben Sie mir bitte eine kurze persönliche Anmerkung. Ich
bin mir sicher, dass jeder von uns im Laufe seines Lebens eine Fülle von Gedächtnismüll
erlernt hat bzw. noch erlernen wird. Das Erlernen solcher Informationen fällt deshalb so
schwer, weil ein vernünftig denkendes Hirn solch einen Ballast sofort erkennt und sein
Gehirn deshalb sofort, sozusagen aus Schutz vor Missbrauch, gegen diese Informationen
sperrt, oft zum Nachteil der Ergebnisse von Klausuren und Prüfungsarbeiten.
Vielleicht gibt es ja gerade deshalb nicht nur LTP, sondern auch LTD (lont-term
depression = Langzeit-Verhinderung).
Dieser Einschub entspricht aber nur meiner Art zu denken.
Kommen wir zurück zu den Fakten.
Glutamat sorgt im synaptischen Spalt auch dafür, ob eine Information als LTP oder LTD
bewertet wird. In beiden Fällen können besondere Muster der synaptischen Aktivitäten
und die Erregbarkeit der Synapsen für Stunden und länger verändern.
Obwohl die Ergebnisse von LTP und LTD gegensätzlich sind, nämlich gesteigerte bzw.
verminderte synaptische Erregbarkeiten auslösen, besitzen sie viele Gemeinsamkeiten.
Beide sind an Glutamat gebunden.
Alles was LTP und LTD tun, besteht darin, die Informationsübertragung an jenen
Synapsen, an denen sie auftreten, zu verstärken oder zu hemmen.
Aktuelle Forschungsergebnisse lassen vermuten, dass hier das Geheimnis des Lernens
liegt.
Mir sind bisher leider keine Forschungsergebnisse bekannt, die belegen, wie das
menschliche Gehirn mit Gedächtnismüll umgeht, mit Ausnahme der Tatsache, dass das
menschliche Gehirn über die Fähigkeit des Vergessens verfügt und Informationen, die
überflüssig erscheinen, leichter vergessen werden als die Informationen, die ein
Lernender für wichtig erachtet.
Im Gegensatz dazu gibt es eine Vielzahl von Ergebnissen, die zeigen, welche Veränderungen
signifikantes Lernen im menschlichen Gehirn herbeiführt, obwohl signifikantes Lernen
sicherlich nicht einfacher zu erlernen ist, als die wohl unbedeutenden Zahlen einer
x-beliebigen Seite in einem Telefonbuch.
Carl Rogers versteht zum Beispiel unter signifikantem Lernen verhaltensänderndes
Lernen, und da verhaltensänderndes Lernen Gewohnheiten hinterfragt, führt es Lernende
zwangsläufig in Identitätskonflikte. Das sind Konflikte, in denen jeder Lernende für
sich entscheiden muss, ob er sein Verhalten durch Lernen erweitern möchte, oder aber
alles beim Alten lässt, weil das halt einfacher für ihn oder sie ist.
Insoweit ist Lernen immer ein freier und offener Prozess, dem sich der oder die
Lernende zu stellen hat. Erich Fromm bezeichnet das zum Beispiel als "Angst vor der
Freiheit!"
Bezogen auf Ihre Situation an der Fachhochschule bedeutet das, dass Sie selbst die Wahl
haben. Sie können sich entwickeln, Kompetenzen erweitern, einen guten Studienabschluss
erreichen und vieles mehr, wenn Sie dazu bereit sind, Lernen als einen kontinuierlichen
und abwechslungsreichen Weg durchs Leben zu verstehen, der Neugierde, Interesse, Disziplin
und vor allen Dingen Beharrungsvermögen voraussetzt. Wenn Sie über diese Eigenschaften
verfügen, dann steht Ihnen mit Sicherheit ein abwechslungsreiches Berufsleben bevor.
06 Motivation und Lernen
TOP
Es gibt kaum eine wichtigere Frage für Lernende und Lehrende:
Wie schaffe ich es Motivation zu erzeugen?
Manfred Spitzer hat dafür die passende Formulierung: "Menschen sind von Natur aus
motiviert, sie können gar nicht anders, denn sie haben ein äußerst effektives System
hierfür im Gehirn eingebaut. Hätten wir dieses System nicht, dann hätten wir gar nicht
überlebt. Dieses System ist immer in Aktion, man kann es gar nicht abschalten, es sei
denn, man legt sich schlafen."
Für ihn stellt sich die Frage auch nicht so, wie oben vorgestellt, sondern so:
Warum sind so viele Menschen so häufig demotiviert?
oder
Warum ist es so einfach, Menschen zu demotivieren?
Die Gründe dafür liegen meist im Verhalten von Menschen, die dafür verantwortlich
sind, Arbeitsprozesse oder Lernprozesse zu organisieren. Gemeint sind Lehrer und
Vorgesetzte. Deren Verhalten ist es, das Lernen und Arbeiten nachhaltig behindern kann.
Stellen Sie sich bitte vor Ihr Lehrer bzw. Ihr Vorgesetzter verfügt über ein
oberlehrerhaftes Verhalten par exellence. Er weiß und kann alles besser. Sie als Person
interessieren ihn nicht. Für ihn zählt nur der Stoffverteilungsplan, die einzuhaltende
Arbeitsrate und das korrekte Einhalten von Pausenzeiten. Für ihn ist es wichtig, dass das
Detail stimmt. Für solch einen Dozenten ist es zum Beispiel unverzichtbar, dass ein
Student weiß, das:
Gemäß § 1 PolG NRW i.V.m. den §§ 10 und 11 POG NRW i.V.m. §
53 OWiG i.V.m. der Verordnung zur Bestimmung der für die Verfolgung und Ahndung von
Verkehrsordnungswidrigkeiten zuständigen Verwaltungsbehörden auch den Polizeibehörden
die Verfolgung von Ordnungswidrigkeiten nach den §§ 24 und 24 a des
Straßenverkehrsgesetzes übertragen worden ist, solange sie die Sache nicht an die
Kreisordnungsbehörde oder an die Staatsanwaltschaft abgegeben haben.
Und stellen Sie sich jetzt bitte vor, dass Sie solche Formulierungen auswendig lernen
müssen, um in Klaururen gute Ergebnisse zu erzielen.
Und wenn es sich um einen Perfektionisten handelt, dann erwartet er oder sie noch die
exakte Bezeichnung des jeweils in Betracht kommenden Absatzes und vor allen Dingen den
Paragraphen in der Verordnung zur Bestimmung der für die Verfolgung und Ahndung von
Verkehrsordnungswidrigkeiten, in dem steht, dass die Polizeibehörden
Verkehrsordnungswidrigkeiten nach den §§ 24 und 24a StVG zu verfolgen hat.
Ich weiß nicht, wie Ihre Synapsen auf die Gedanken reagieren, die Sie gerade lesen.
Meine lösen bei mir Kopfschütteln aus. Leider ist das in vielen Fällen ein
Kopfschütteln ohne Ende, denn bedauerlicherweise ist es so, dass falsches
Führungsverhalten -egal ob als Lehrer oder Vorgesetzter - Grund dafür ist, dass Menschen
abschalten, frustriert sind, keine Lust mehr verspüren, krank werden oder anders
ausgedrückt: vom Lernen und von der Arbeit schlichtweg die Schnauze voll haben.
Null Bock auf alles!
Schauen wir uns nun an, wie sich diese traurige Realität in underem Berufs und
Schulalltag ins Gegenteil verkehren lässt:
Auch hierzu einleitend ein kurzer Text von Manfred Spitzer: "Nur wer von seinem
Fach wirklich begeistert ist, wird es auch unterrichten können. Daraus wiederum folgt:
Lehrer müssen vor allem eines können: Ihr Fach! Begeisterung lässt sich nicht spielen,
man muss selbst begeistert sein, und nur dann besteht die Chance, dass wie man so
sagt der Funke überspringt. Ist der Funke gar nicht da, kann er nicht
springen."
Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen, mit Ausnahme der Tatsache, dass diese Gedanken
in der Pädagogik schon seit Jahrzehnten bekannt sind.
Auszug aus dem pädagogischen Leitfaden von Polizeipräsident Dr. Ernst van den Burgh,
veröffentlicht in "Die Polizei" im Januar 1949. Das Zitat stammt aus dem
Aufsatz "Die Polizeischule Pflanzstätte des polizeilichen Geistes."
Ich zitiere wörtlich:
"Jede Unterrichtsstunde muss für den Lehrer die Hingabe
eines Stückes seines Selbst an die Schüler sein. Der Taumel der Lehrbegeisterung muss
ihn am Schluss der Stunde wie aus einer anderen Welt zurückkehren sehen. Dann ist der
Lehrer an seinem Platz und der Erfolg seiner Arbeit wird ihm der schönste Lohn sein.
Und für den Schüler bedeutet das die Einsicht in die
Notwendigkeit von der Ausbildung in die Selbstausbildung und insbesondere die Einsicht,
dass Zwang zur Freude werden kann. Lernen heißt, so lange üben und wiederholen, bis dass
aus Zwang Freude wird."
Diese Wortwahl ist heute sicherlich nicht mehr zeitgemäß. Dennoch: In diesen Sätzen
ist vieles über den Vorgang des Lernens enthalten, was auch heute noch gilt.
07 Lernen mit Geschichten
TOP
2009 schreibt Manfred Spitzer in seinem Buch "Lernen
Gehirnforschung und die Schule des Lebens" auf Seite 194 Folgendes:
"Die Person des Lehrers ist dessen stärkstes Medium! Nicht
der Overheadprojektor, die Tafel, die Kopien oder gar die PowerPoint-Präsentation. Nicht
diese Medien, sondern ein vom Fach begeisterter Lehrer, der gelegentlich lobt und
vielleicht auch mal einen netten Blick für die Schüler übrig hat, bringen deren
Belohnungssystem auf Trab.
Daraus folgt für die Ausbildung des Lehrers:
Das Fach muss im Mittelpunkt stehen, nicht irgendwelche Tricks
der "Vermittlung" von "Stoff", und schon gar nicht die Beherrschung
von computergestütztem Kintopp und anderem bunten Ablenkungskrimskrams. Ein Lehrer muss
in der Lage sein, über Sachverhalte seines Fachs interessante Geschichten zu erzählen.
Wer das kann, mit seiner Erfahrung, seiner Sachkenntnis und vor
allem seiner Person, der dürfte ein guter Lehrer sein."
Dem ist zuzustimmen.
Was Sie vielleicht nicht wissen, ist die Tatsache, dass die Kunst des
Geschichtenerzählens sehr alt ist und insbesondere die Suftis, deren Anfänge bis ins 7.
Jahrhundert nach Christus zurückgehen, für Ihre Lerngeschichten sogar berühmt waren.
Ich will Ihnen eine dieser Geschichten erzählen, damit Sie wissen, was eine wirklich
gute Geschichte ist. Eine solche Geschichte vergessen Sie nämlich nie wieder. Ich bin mir
sicher, dass das bei der folgenden Geschichte auch bei Ihnen der Fall sein wird.
Als Scheich Achmed im Sterben lag, rief er seine drei Söhne zu sich.
Er gab ihnen seinen Segen und teilte unter ihnen sein Erbe auf.
Er besaß 17 Kamele.
Die Hälfte überließ er seinem ältesten Sohn,
ein Drittel erhielt der Zweitgeborene und ein Neuntel der Jüngste.
Danach schloss er seine Augen für immer.
Als die Söhne anfingen, das Erbe ihres Vaters aufzuteilen, überkam sie große
Ratlosigkeit. Ohne zu Schlachten war an eine gerechte Verteilung des Erbes nicht zu
denken. Auch befragte Gelehrte kamen zu keinem anderen Ergebnis. Nach den arithmetischen
Regeln mussten fast alle Tiere geschlachtet werden, um dem Willen des Erblassers zu
entsprechen.
Da kam dem Jüngsten eine Idee. Er erinnerte sich daran, dass ihr Vater gute Kontakte
zu einem alten Kamelzüchter unterhielt. Um keine Zeit zu verlieren, nahmen Sie die 17
Kamele gleich mit und besuchten den alten Mann.
Als sie dem alten Kamelzüchter ihr Anliegen vortrugen, lächelte dieser und bat die
Söhne, die 17 Kamele in den Kral zu treiben, in dem ein ganz mageres Kamel sein Dasein
fristete. Als alle Kamele im Kral waren, es waren nunmehr 18 an der Zahl, teilte er das
Erbe auf.
Der älteste erhielt 9 Kamele, also die Hälfte.
Der Nächstgeborene erhielt 6 Kamele, also ein Dritte.
Der Jüngste bekam 2 Kamele, also ein Neuntel.
Übrig blieb das dünne klapprige Kamel.
Geschlachtet wurde keines der Tiere. Alle waren glücklich und zufrieden, denn sie
hatten mehr bekommen, als sie gedacht hatten.
Fazit
Erwarten Sie von Ihren Dozentinnen und Dozenten nicht, dass sie Ihnen auch nur
annähernd vergleichbar gute Geschichten erzählen, denn soviel Philosophie ist im
polizeilichen Berufsalltag eher selten. Dennoch, gute Geschichten aus dem polizeilichen
Berufsalltag gibt es viele und darüber gemeinsam nachzudenken dürfte Anlass für viele
interessante und kurzweilige Gespräche sein, in denen Lernen auf eine ganz
selbstverständliche und menschliche Art und Weise geschieht, nämlich durch Zuhören und
Verstehen.
08 Intrinsische Motivation
TOP
Die Vielfalt vorhandener Definitionsansätze zur intrinsischen Motivation haben eines
gemeinsam, es handelt sich um ein menschliches Verhalten um seiner selbst willen, um Ziele
zu erreichen, die für entsprechend motivierte Personen bedeutsam sind.
Die Forschung zeigt übereinstimmend, dass intrinsisch motiviertes Verhalten positive
Folgen nach sich zieht. So sind damit größere Flexibilität im Denken, höhere
Kreativität, bessere Lernleistungen und eine positivere emotionale Befindlichkeit
verbunden.
Intrinsische Motivation ist eine Energie, die sich einstellt, wenn wir mit Freude etwas
tun, wenn wir neugierig sind, wenn es uns einfach interessiert, warum etwas so ist wie es
ist oder wie etwas funktioniert. Intrinsische Motivation ist aber auch ein Antriebskraft,
besser zu werden, sich zu entwickeln, ein Bedürfnis sozusagen, eine Kompetenz zu
erwerben, die für das eigene Leben von Bedeutung ist oder für die es sich einfach lohnt,
Zeit, Geduld und Kraft zu investieren.
Ich denke, dass ein interessanter Lebensberuf diesbezüglich viele Anreize bietet, um
sich selbst zu verwirklichen, denn intrinsische Motivation ist nach meinem Verständnis
nichts anderes, als sich selbst zu definieren, sich selbst zu formen und sich selbst in
eine für lebenswert gehaltene Richtung zu entwickeln.
Ist das der Fall, dann ist die Kraft unserer Gedanken dazu in der Lage, uns
kontinuierlich zu motivieren.
Diese Art des Denkens trägt mit dazu bei, dass im Gehirn Dopamin freigesetzt wird, dem
zweiten Grundstoff der Motivation und Neugier sowie Lernen und Gedächtnis beeinflusst.
Dopamin wird in den Zellen des limbischen Systems produziert; von hier aus bestehen
Verbindungen zu den Stirnlappen, dem olfaktorischen Bereich, zur Amygdala, dem
Hippocampus, dem präfrontalen Kortex und weiteren Bereichen, die Bewegung, Motivation,
Suche nach sinnlichen Erfahrungen, zielgerichtetes Verhalten und integriertes Lernen
organisieren.
Dopamin sorgt für den Funken, der uns veranlasst, neue Dinge auzuprobieren.
Das Vergnügen, das wir empfinden, wenn wir im Sport, in schulischen Fächern, in
persönlichen Beziehungen oder bei sonstigen Aktivitäten erfolgreich sind, dieses
Vergnügen ist einem erhöhten Dopaminspiegel zu verdanken. Daraus entsteht dann die
Motivation für weitere Aktivitäten (Ziele), die uns Vergnügen bereiten und Belohnung
versprechen.
Immer dann, wenn wir aktiv sind, uns vergnügen, wenn wir voller Neugier Neues
ausprobieren, Risiken eingehen, wirklich präsent und kohärent sind, dann steigt der
Dopaminspiegel deutlich an.
Dopamin ist der Stoff, der uns motiviert, kreativ zu sein, zu lernen und menschlich zu
wachsen. Er ist unverzichtbar, um intrinsisch motiviert sein zu können.
09 Lernende und ihr Dominanzprofil
TOP
Sie wissen bereits, dass beide Hirnhälften ausgeglichen zusammenarbeiten müssen, um
optimales Lernen ermöglichen zu können. Optimales Lernen ist nämlich nur im Zustand der
Integration möglich. In diesem Zustand sind beide Hemisphären die ganze Zeit über
gleichmäßig aktiv, so dass wir Zugang zu allen sensorischen Informationen haben und
angemessen kommunizieren, handeln und uns bewegen können.
Um diese Fertigkeit verbessern zu können, ist es erforderlich, dass Lernende wissen,
was für ein Dominanzprofil auf sie als Lernende zutrifft.
Carla Hannaford beschreibt in ihrem Buch "Mit Auge und Ohr, mit Hand und
Fuß" insgesamt 32 Dominanzprofile, die sich alle aus vier Grunddominanzen ableiten
lassen.
- Dominantes Auge
- Dominantes Ohr
- Dominante Hand
- Dominanter Fuß
Diese Präferenzen stehen jeweils in Wechselbeziehung zur bevorzugten Hirnhälfte des
Lernenden. Das heißt, diese vier Dominanzen stehen jeweils in Wechselbeziehung zum
Sprachhirn bzw. zum Gestalthirn.
Dieses Grundprofil ist die Übersichtskarte Ihres eigenen ursprünglichen Lernstils.
Wenn Sie neuen Stoff lernen sollen, nehmen Sie die Informationen am leichtesten mit Ihren
dominanten Sinnen auf (Augen oder Ohren), und Sie bringen das Gelernte am besten mit Ihrer
dominanten Hand (mit Gesten oder schriftlich) zum Ausdruck.
Kurze Anleitung zur Bestimmung Ihres Dominanzprofils
- Bestimmung des dominanten Auges
Strecken Sie Ihren rechten Arm aus und halten Sie den Daumen hoch. Fixieren Sie
Ihren Daumen auf eine senkrecht verlaufende Linie (ein Fensterrahmen, eine Mauerecke, ein
Baum, etc.). Wenn Sie mit beiden Augen den Daumen "eingenordet" haben, kann es
sein, dass Sie Ihren Daumen doppelt sehen. Das ist nicht schlimm.
Schließen Sie jetzt das rechte Auge, um festzustellen, ob Ihr Daumen und die senkrecht
verlaufende Linie übereinstimmen. Wenn das nicht der Fall ist, schließen Sie das linke
Auge, dann müsste der Daumen sich direkt auf der senkrecht verlaufenden Linie befinden.
Wenn das der Fall ist, ist ihr rechtes Auge dominant.
- Bestimmung des dominanten Ohres
Erinnern Sie sich daran, wann Sie das letzte Mal gelauscht haben und dabei Ihr Ohr
an eine Wand, auf einen Kasten oder an eine Tür gedrückt haben?
Wenn Sie sich daran erinnern, dann wissen Sie, welches Ohr dominant ist, denn wenn wir
nicht darauf achten, benutzen wir immer unser dominantes Ohr für solche Zwecke.
Wenn Sie regelmäßig auf der rechten Seite einschlafen, dann ist das auch ein Zeiten
dafür, dass ihr rechtes Ohr dominant ist, denn beim Einschlafen reduzieren Sie dadurch
unbewusst die bessere Hörfähigkeit Ihres dominanten Ohres.
- Bestimmung der dominanten Hand
Wenn Sie Rechtshänder sind, ohne dazu in Ihrer Kindheit "gezwungen"
(angeleitet) worden zu sein, dann wissen Sie, welche Hand dominant ist.
- Bestimmung des dominanten Fußes
Mit welchem Fuß gehen Sie zuerst eine Treppe hoch? Mit welchem Fuß kicken Sie
bevorzugt nach einem Ball?
Oder: Stellen Sie Ihre Füße nahe beieinander und beugen Sie sich nach vorn, bis Sie
beinahe umkippen. Mit welchem Fuß fangen Sie sich wieder?
- Bestimmung der dominanten Gehirnhälfte
Überlegen Sie, mit welcher Gehirnhälfte Sie gegenwärtig am meisten arbeiten. Am besten
bestimmen Sie die dominante Gehirnhälfte jedoch dann, wenn Sie auf Ihre unmittelbaren
Reaktionen bei starkem Stress achten. In einer solchen Situation verlassen Sie sich
überwiegend auf die dominante Hemisphäre.
Bei Logikdominanz besteht ihre erste Stressreaktion besteht darin, die Situation zu
analysieren, etwas aufzuschreiben oder darüber zu sprechen und nach den speziellen
Ursachen zu suchen. Sie konzentrieren sich auf Details und wollen unbedingt alle Aspekte
der Situation verstehen.
Bei Gestaltdominanz besteht ihre unmittelbare Reaktion auf Stress darin, den Überblick
zu behalten und ein Gefühl für die Situation zu bekommen. Sie sind aber vielleicht nicht
imstande, die Details zu erkennen. Es fällt Ihnen wahrscheinlich schwer, die Situation so
aufzuschlüsseln, dass Sie sie mit Worten erklären können. Sprache ist jedenfalls nicht
die unmittelbare Reaktion. Sie verspüren oft den starken Drang, sich zu bewegen oder
Gefühle zum Ausdruck zu bringen.
Die Beschreibung der vier Grundtypen erfolgte in Anlehnung an Ausführungen von Carla
Hannaford, die diese in Ihrem Buch "Mit Auge und Ohr, mit Hand und Fuss" auf 190
Textseiten dezidiert beschreibt.
Wer es ganz genau wissen möchte, wie sein oder ihr persönliches Dominanzprofil
aussieht, sollte einen in Kinesiologie geschulten Therapeuten aufsuchen, dem es durch
spezielle Muskeltests schnell möglich sein dürfte, den individuellen Lerntyp exakt zu
ermitteln.
Im Übrigen sollen Ihnen die bisher vorgestellten Informationen nur eine Vorstellung
darüber vermitteln, dass wir alle mit unterschiedlichen Lernprofilen ausgestattet sind
und somit tatsächlich individuell lernen.
Es wäre wirklich zu kurz gedacht, die oben beschriebene Katalogisierung zum alleinigen
Maßstab der Lerndominanz heranzuziehen, denn allein die Unterscheidung in Sprachhirn
(linke Hemisphäre) und Gestalthirn (rechte Hemisphäre) kann schon fehlerbehaftet sein.
Es gibt nämlich Menschen, deren Sprachhirn sich in der rechten und deren Gestalthirn sich
in der linken Hirnhälfte befindet.
Insoweit ist jede Katalogisierung mit Vorsicht zu genießen.
10 Zusammenwirken beider Hirnhälften
TOP
Die Frage, die sich in diesem Zusammenhang stellt lautet, wie ist es möglich, dem
Gehirn dabei zu helfen, möglichst optimal zu arbeiten.
Die Antwort darauf ist dreigeteilt.
Sie lautet:
- durch mentales Training
- durch gezielte Bewegungen
- durch richtige Ernährung
Was kann mentales Training bewirken?
Unter mentalem Training verstehe ich zuerst einmal die zu entwickelnde Fähigkeit, sich
entspannen zu können. Das ist die Grundvoraussetzung für ein darauf aufbauendes Training
der Aufmerksamkeit.
Wer es mit einem kostengünstigen und wirksamen Trainingsprogramm versuchen möchte,
dem empfehle ich ein kleines Buch, in dem sich auch eine CD befindet. Das Buch heißt
"Stressbewältigung durch die Praxis der Achtsamkeit" und enthält eine wirklich
gute Entspannungsübung für den ganzen Körper. Die Übung dauert 45 Minuten und ist ein
wirklich guter Einstieg in ein gezieltes Training der Achtsamkeit. Buch und CD stammen von
Jon Kabat-Zinn, dem Begründer der Stress Reduction Clinic, des Instituts für Achtsamkeit
in Medizin, Gesundheitsvorsorge und Gesellschaft. John Kabat-Zinn ist Professor der
Medizin an der Universität von Massachusetts. Sein Programm zur Praxis der Achtsamkeit im
Gesundheitswesen wird in den USA seit 25 Jahren von mittlerweise mehr als 5000 Ärzten
angeboten.
Wenn Sie mit diesem Programm oder auch mit anderen arbeiten, werden Sie feststellen,
dass ihre Aufmerksamkeit und Ihre Konzentrationsfähigkeit zunimmt, dass Sie belastbarer
werden und ganz allgemein mit Stress besser umgehen können.
11 Lernen und Bewegung
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Sie wissen vielleicht, dass jede Hirnhälfte mit Gliedmaßen der jeweils anderen
Körperseite korrespondiert. Gleiches gilt für Augen und Ohren. Insoweit kann
festgestellt werden, dass Körper und Geist so zusammenspielen, wie das der Buchstabe X
symbolisiert.
Denkt man sich in der Mitte eines X eine senkrechte Linie, dann wird deutlich, was
durch gezielte Übungen im Gehirn erreicht wird, wenn die Gliedmaße im
Zuständigkeitsbereich der jeweils nicht dominant mit ihr in Verbindung stehenden
Hirnseite bewegt werden. Die Folge davon ist, dass immer dann, wenn diese Mittellinie
"überschritten" wird, egal in welche Richtung, auch die jeweils andere
Hirnhälfte aktiviert wird.
Das führt dazu, dass mehr Informationen über den "Balken" ausgetauscht
werden und dieses Wichtige Nervenbündel dadurch anwächst und leistungsstärker wird.
Wenn Sie zum Beispiel Rechtshänder sind und ihre linke Hirnhälfte bevorzugen, dann
aktivieren Sie ganz zwangsläufig bei Bewegungen mit Ihrer rechten Hand im Bereich Ihrer
linken Körperhälfte auch Ihre rechte Hirnhälfte.
Es würde zu weit führen, an dieser Stelle die dafür erforderlichen
wissenschaftlichen Nachweise zu diskutieren. Tatsache ist, dass mit gezielten Bewegungen
die Zusammenarbeit beider Hirnhälften optimiert werden kann.
Tatsache ist auch, dass durch einfache Bewegungsübungen Konzentration und
Aufmerksamkeit gesteigert werden können.
Aus der Vielzahl vorhandener Übungen habe ich vier für Sie herausgesucht, die ich
für besonders hilfreich halte. Ich mache diese Übungen täglich unmittelbar nach dem
Zähneputzen und im Laufe des Tages immer dann, wenn mir danach ist. Soviel Zeit muss
sein.
Übungen
1. Achten malen mit einer Hand
Stellen Sie sich aufrecht hin und strecken Sie den rechten Arm aus. Führen Sie ihn
langsam in Ihrer Körpermitte hoch und beginnen Sie nach links eine Acht zu malen. Wenn
Ihre Hand wieder unten an der Körpermitte angekommen ist, führen Sie Ihre Hand erneut an
der Körpermitte hoch und malen Sie die Acht nach rechts weiter.
Die Übung sollte langsam gemacht werden, so dass beim Malen der Acht nach links
eingeatmet und beim Malen der Acht nach rechts ausgeatmet wird.
Machen Sie diese Übung so langsam wie möglich, mit jeder Hand mindestens fünf Mal.
Versuchen Sie die Achten möglichst groß zu malen und dem jeweils ausgestreckten
Zeigefinger mit Ihren Augen zu folgen.
2. Achten malen mit zwei Händen
Machen Sie das Gleiche jetzt mit beiden ausgestreckten Armen. Versuchen Sie, die Achten
jeweils so langsam wie möglich zu malen. Achten Sie darauf, dass Sie Ihre ausgestreckten
Arme parallel halten und verfolgen Sie Ihre ausgestreckten Zeigefinger mit den Augen.
3. Achten malen mit dem rechten Ohr am rechten Oberarm
Strecken Sie jetzt Ihren rechten Arm aus und legen Sie das rechte Ohr auf den rechten
Oberarm. Versuchen Sie nun erneut, Achten zu malen und mit Ihren Augen der Spitze Ihres
Zeigefingers zu folgen. Sie werden feststellen, dass das gar nicht so einfach ist. Mit
etwas Übung werden Sie aber schnell feststellen, dass Sie diese Übung wach macht.
Auch hier kommt es darauf an, die Übung möglichst langsam und so durchzuführen, dass
Einatmung und Ausatmung etwa gleich lang sind. Meist ist die Ausatmung länger, was
durchaus wünschenswert ist.
4. Dehnen des Rückens und der Beinmuskulatur
Stellen Sie sich aufrecht hin und stellen Sie Ihren rechten Fuß über den linken, so
dass sich die Knöchel berühren. Strecken Sie Ihre Hände nach oben und beugen Sie sich
jetzt im Becken so weit herunter, dass Hände und Kopf senkrecht zum Boden zeigen. Atmen
Sie dabei aus.
Bewegen Sie ihre ausgestreckten Arme und ihren gesamten Oberkörper langsam und ohne
Kraft nach links und nach rechts. Vielleicht gelingt es Ihnen jetzt auch, mit beiden Armen
gleichzeitig Achten zu malen. Atmen Sie dabei gleichmäßig ein und aus. Versuchen Sie,
Ihre rückwärtige Muskulatur zu entspannen. Machen Sie diese Übung etwa 1 Minute lang,
oder so lange, wie Sie meinen, dass Ihnen das gut tut.
Im Anschluss daran stellen Sie den linken Fuß über den rechten und machen das Ganze
noch einmal.
Der Durchlauf dauert insgesamt etwa 10 Minuten. Danach werden Sie sich wach und
konzentriert fühlen. Nach ein paar Tagen werden Sie diese Übungen gar nicht mehr missen
wollen.
Zum Schluss noch eine Übung für diejenigen, die meinen, dass solche Übungen
Kinderkram sind.
Ich gehe davon aus, dass Sie spätestens nach drei Minuten schwitzen werden oder aber
die Übung abgebrochen haben, weil sie wie alles im Leben, erlernt werden muss, bevor sie
von großem Nutzen sein kann.
Probieren Sie es selbst aus.
Stellen Sie sich aufrecht hin.
Strecken Sie den rechten Arm in Schulterhöhe nach vorn aus.
Atmen Sie langsam aus.
Beim ganz langsamen einatmen bewegen Sie Ihren Arm in einer möglichst großen
Kreisbewegung nach unten, hinten und oben, bis der Arm sich wieder in der Ausgangsstellung
befindet.
Lassen Sie Ihren Arm sechs Mal kreisen, erst dann sollte die erste Einatmung abgeschlossen
sein.
Drehen Sie nun sechs Mal den ausgestreckten rechten Arm in die andere Richtung, bis Ihre
Lungen leer sind.
Atmen Sie nun langsam und tief ein, indem Sie den Arm gestreckt nach oben strecken und
atmen Sie aus, wenn Sie sich nach vorn beugen, so dass Ihre rechte Hand den Boden
berührt. Zählen Sie dabei langsam bis sechs.
Wenn Sie sich aufrichten, strecken Sie Ihre rechte Hand nach vorne und lassen Sie dann
langsam nach unten sinken.
Dieser Durchlauf dauert 1 Minute, das heißt, innerhalb von 1 Minute haben Sie zweimal
ein und ausgeatmet.
Nach jedem kompletten Durchlauf machen Sie eine kurze Pause, um zu spüren, was diese
Übung in Ihrem Körper bewirkt.
Ich selber spüre nach den ersten drei Durchläufen immer ein sehr wohltuendes Prickeln
am ganzen Körper. Ich kenne keine vergleichbare Übung, mit der sich Gänsehaut so
schnell und intensiv auslösen lässt.
Machen Sie das Gleiche jetzt mit dem linken Arm, danach werden Sie wissen, dass man
auch an einfachen Übungen verzweifeln kann.
Wenn Sie während der Übung nicht mehr wissen, wie es weitergeht, ist das kein
Beinbruch. Das kann man lernen.
Wenn Sie mehr als drei Durchläufe mit Ihrem rechten und Ihrem linken Arm schaffen,
sind Sie gut trainiert, nicht nur im Hinblick auf Ihre Konzentration und Aufmerksamkeit,
sondern auch gut trainiert im Hinblick auf Ihre körperliche Fitness.
Im Übrigen sollten Sie sich täglich mindestens 30 Minuten sportlich betätigen.
Da von Ihnen sowieso erwartet wird, das Deutsche Sportabzeichen abzulegen, lässt sich
auf diese Art und Weise das Nützliche mit dem Gesunden verbinden.
Im Sommer 2011 wurde ein Student entlassen, weil er auch beim zweiten Versuch es nicht
schaffte, 5000 m in der vorgegebenen Zeit zu laufen.
12 Herz und Gehirn
TOP
Wissenschaftler haben nachgewiesen, dass das Herz direkt mit dem Gehirn in Verbindung
steht und durch Nerven, Hormone und sonstige chemische Botenstoffe (Neurotransmitter)
dafür sorgt, ob wir leicht und selbstverständlich lernen oder ob uns Lernen schwerfällt
und wir Lernstoff schnell vergessen.
Tatsache ist, dass vom Herzen zum Gehirn mehr Nervenfasern laufen als in die umgekehrte
Richtung. Tatsache ist auch, dass das Herz selbständig schlägt und diesbezüglich nicht
vom Gehirn beeinflusst wird.
Die Nervenfasern zwischen Herz und Gehirn stehen in Verbindung mit der Amygdala
(Mandelkern), dem Thalamus und dem präfrontalen Kortex. Sie verbinden auf diese Weise die
Emotionen mit den Sinneswahrnehmungen und fassen die Informationen für das Lernen
zusammen.
Durch Messungen mit supraleitendenden Magnetfelddetektoren konnte nachgewiesen werden,
dass das Herz ein elektromagnetisches Feld erzeugt, das mindestens tausend Mal größer
ist als das vom Gehirn erzeugte elektromagnetische Feld; es reicht eindeutig
messbar zwischen 2,40 und 4,80 Meter über den Körper hinaus.
Neueste biologische Grundlagenforschungen bestätigen: Unser Herz ist weit mehr als ein
simple mechanische Pumpe. Es besitzt sogar ein eigenes "Gehirn" und eine
unabhängige Hormonproduktion, über die der gesamte Organismus beeinflusst werden kann.
1983 entdeckte man dann ein neues, allein vom Herzen produziertes Hormon, ANF
(Atrial-natriuretischer Faktor) genannt. Die Forschungen wurden durchgeführt von Marc
Cantin und Jaques Genest, beide von der Universität Montreal.
"ANF wirkt auf die Hirnbereiche ein, die unseren emotionalen Zustand steuern, die
Lernen und Gedächtnis beeinflussen und die Körperhormone über die Hirnanhangdrüse
ausbalancieren." (Carla Hannaford, Bewegung, das Tor zum Lernen).
"Wenn wir uns gestresst fühlen, ängstlich oder frustriert sind, ist das
Herzfrequenzmuster inkohärent (das Wellenmuster ist ungleichmäßig). Die vom Herzen
ausgehenden Nervenreize veranlassen die Amygdala, das sympathische Nervensystem zu
aktivieren (den Überlebensmodus mit der Kampf- oder-Fluch-Reaktion). Das Herz alarmiert
den Thalamus, der nur noch die Wahrnehmungen aufnimmt, die für das Überleben notwendig
sind. Und da die Botschaften an den präfrontalen Kortex zusammenhanglos sind, können wir
weder lernen noch etwas im Gedächtnis speichern. In diesem Zustand der Inkohärenz
(Zusammenhanglosigkeit) verlieren Nervenzellen im Hippocampus einen Teil ihrer Dendriten
und sterben ab. Die Folge sind ein schlechtes Gedächtnis, schwammiges Denken und ein
Mangel an Kreativität. Auch der Hormonhaushalt gerät aus der Balance, was wiederum
Auswirkungen auf unseren Gesundheitszustand hat." (Carla Hannaford, Bewegung, das Tor
zum Lernen, S. 101).
13 Mit Bewegung Gedanken "verankern"
TOP
Bewegung ist nicht nur notwendig, um Ihr Herz zu pflegen, Bewegung ist auch
erforderlich, um einen Gedanken "festzunageln".
Nicht von ungefähr setzten bereits die Griechen in historischer Zeit sportliche
Hochleistungen mit Intelligenz gleich und die Chinesen nutzten bereits in ihrer frühen
Geschichte Tai-Chi in ihren Schulen, um das Lernen zu fördern.
Heute wissen wir, dass Bewegung erforderlich ist, um optimal lernen zu können und dem
Herzen dabei zu helfen, den Körper und insbesondere das Hirn mit dem Treibstoff zu
versorgen, ohne den Lernen nicht denkbar wäre: Sauerstoff.
14 Wasser und Hirnstoffwechsel
TOP
Wasser ist eine der wichtigsten anorganischen Substanzen in unserem Körper und
reichlich vorhanden. Bei unserer Geburt macht der Wasseranteil 80 Prozent des
Körpergewichts aus, bei Erwachsenen etwa 70 Prozent. Bei schlanken Menschen ist der
Wasseranteil höher, da Fett sehr wenig Wasser enthält, Muskeln aber viel Wasser
enthalten. Der Wasseranteil im Gehirn (Schätzungen liegen bei 90 Prozent) ist höher als
in jedem anderen Körperorgan, die Muskeln liegen mit 75 Prozent an zweiter Stelle und
danach folgen die Nieren. Unter normalen Umständen wird empfohlen, dass der Mensch
täglich mindestens so viel Wasser trinkt, wie er ausscheidet, das sind in der Regel 1,5
bis 2,5 Liter. Bei Sportlern kann das deutlich mehr sein.
Versetzen wir unseren Körper mit Hilfe von Wasser und Salz in die Lage, sich selbst
wieder zu regulieren, ist er fähig, sich zu regenerieren. Mit Hilfe von Wasser können
wir unseren Organismus wieder in seinen ursprünglichen Ordnungszustand versetzen.
Das beste Wasser für unsere Gesundheit ist ein natürliches lebendiges und
unverändertes mineralarmes Quellwasser. Die menschlichen Zellen sind nämlich nicht dazu
in der Lage, anorganische Mineralien direkt aufzunehmen. Sie müssen erst von pflanzlichen
Zellen verstoffwechselt und in organische Strukturen umgewandelt werden oder in
ionisierter und feinstzerteilter (kolloidaler) Form vorkommen, um vom menschlichen
Organismus verwertet werden zu können. Die Mineralien im Mineralwasser sind aber meist
viel zu grobstofflich, als dass sie von unserem Körper aufgenommen werden könnten.
Wenn Sie die die volle Kraft von Wasser für Ihre tägliche Lernarbeit nutzen möchten,
dann verzichten Sie bitte auf Wasser mit Kohlenstoffzusätzen, der macht das Wasser nur
sauer und hat aus Sicht der Hersteller nur einen Vorteil: lange Haltbarkeit.
Die eigentliche Aufgabe von Wasser ist es nämlich, den Körper zu reinigen. Dafür
eignet sich am Besten stilles Wasser das in der Regel einen Ph-Wert von 7.0 hat. Damit
kommt stilles Wasser dem Ph-Wert des Blutes (7,4) sehr nahe. Da stilles Wasser basischer
ist als Blut, kann Wasser die im Blut vorhandenen Schadstoffe aufnehmen. Stilles Wasser
ist neutral und kann den Körper somit von überflüssigen Säuren bzw. von Schadstoffen
befreien. Sie müssen nämlich wissen, dass Wasser eines der effektivsten und wirksamsten
Lösungsmittel ist, die in der Natur vorhanden sind.
Wasser unterstützt darüber hinausgehend Lernen und Denken, denn Wasser wird als
universelles Lösungsmittel für die elektrische Übertragung und für die Erhaltung des
elektrischen Potenzials in unserem Körper gebraucht.
Stillen Sie bitte Ihren "Durst" nicht mit Cola oder Limonaden. Die sind sehr
zuckerhaltig und bewirken das Gegenteil von dem, was man sich eigentlich erhofft.
Zucker stört den Hirnstoffwechsel und behindert somit beim Lernen.
Im Übrigen, trinken Sie Wasser schlückchenweise und am besten so wie guten Wein. Dann
kann der sich im Wasser befindliche Sauerstoff direkt über die Mundschleimhaut
aufgenommen werden.
Tipp
Gewöhnen Sie Ihre Dozentin bzw. Ihren Dozenten daran, dass Sie während des
Fachunterrichts eine Wasserflasche stets griffbereit verfügbar haben und bei Bedarf auch
daraus trinken.
15 Sauerstoff und Hirnstoffwechsel
TOP
Das Gehirn hat nur einen Anteil von einem Fünfzigstel am gesamten Körpergewicht, es
verbraucht aber ein Fünftel des gesamten Sauerstoffs.
Die erste aus dem Herzen kommende Arterie, die frisch mit Sauerstoff angereichertes
Blut transportiert (die Karotis), führt direkt ins Gehirn. Das gesamte System befriedigt
also zuerst die Bedürfnisse des Gehirns.
Das Gehirn ist im Übrigen ein sehr egoistisches Organ.
Es ist das einzige Organ, dass sich auch in Notzeiten auf Kosten aller anderen Organe
mit der notwendigen Energie versorgt. Bereits seit langer Zeit ist bekannt, dass sich in
Notzeiten alle anderen Körperorgane zurückbilden und schrumpfen, nur das Gehirn nicht.
Auch Menschen, die an Hunger sterben haben nur ein geringfügig "geschrumpftes"
Gehirn im Vergleich zu den deutlichen Schrumpfungen anderer Organe.
16 Lernen und schlafen
TOP
Lernen ist nicht nur ein Vorgang, der Konzentration und Zuwendung voraussetzt, sondern
ganz offensichtlich auch dann stattfindet, wenn der Mensch schläft.
Manfred Spitzer beschreibt den Vorgang des Lernens im Schlaf wie folgt: "Wenn man
abends einschläft, so verändert sich die Hirnstromkurve zunächst immer mehr nach
Richtung Tiefschlaf. Nach einiger Zeit jedoch geschieht etwas Eigenartiges. Der Schlaf
wird wieder leichter (also weniger tief) und man könnte meinen, der Schläfer wacht
gleich wieder auf. Tatsächlich kommt nun eine Schlafphase, während der die
Hirnstromkurve genauso aussieht, als sei man wach. Gleichzeitig jedoch ist man am
allerschwersten weckbar (man schläft also sehr fest) und die Anspannung der Muskeln ist
noch geringer als im Tiefschlaf: Man ist völlig schlaff. Nur die Augenmuskeln machen
wilde Zuckungen und verursachen rasche Augenbewegungen. Dieser Schlaf ist so eigenartig,
dass man ihn früher als paradoxen Schlaf bezeichnet hat. Das Gehirn ist elektrisch wach,
lässt aber nichts hinein (höchste Weckschwelle) und nichts hinaus (geringste
Muskelanspannung). Der heute für dieses Schlafstadium allgemein verwendete Name ist von
den schnellen Augenbewegungen (Rapid Eye Movements) abgeleitet: Man bezeichnet diesen
Schlaf als REM-Schlaf.
REM-Schlaf und Tiefschlaf sind beide für das Wohlbefinden eines Menschen (d.h. für
einen guten Schlaf) wichtig. Sie folgen im Verlauf einer normalen Nacht fünf- bis
sechsmal aufeinander."
An anderer Stelle heißt es:
"Der Hippokampus fungiert im Schlaf als Lehrer des Kortex. Immer dann, wenn der
Hippokampus etwas (vorläufig) gelernt hat, wird nachfolgend off-line das Gelernte zum
Kortex übertragen. Dies geschieht im Tiefschlaf. Auf diese Weise lernt der prinzipiell
sehr langsam lernende Kortex im Laufe der Zeit alles Wichtige, was zuvor eben im
Hippokampus gespeichert worden war.
Wer Fakten zu lernen hat, sollte deshalb auf seinen Schlaf achten. Keineswegs sollte er
also die Nacht zum Tag machen in der irrigen Annahme, auf diese Weise noch mehr lernen zu
können.
Plakativ gewendet:
Wer sich den Schlaf raubt, um zu lernen, der stört den im Kopf eingebauten Lehrmeister
bei der Arbeit, d.h. beim nächtlichen Repetieren dessen, was tagsüber gelernt wurde.
Jeder Lernende sollte durch einen vernünftigen Lebensrhythmus dafür Sorge tragen, dass
der natürliche Schlaf, insbesondere die fein abgestimmte Abfolge der Schlafphasen
die Schlafarchitektur -, nicht gestört wird."
Mehr gibt es zu diesem Thema eigentlich nicht zu sagen.
Vielleicht mit Ausnahme der folgenden Warnung:
Wer zum weltweit ältesten und beliebtesten Schlafmittel, dem Alkohol greift, stört
den Hippokampus bei seiner nächtlichen Arbeit als Lehrmeister des Neokortex auf beinahe
unverantwortliche Art und Weise.
Alkohol stört nicht nur die Schlafarchitektur, Alkohol stört auch als zentralnervös
wirkendes Psychopharmaka den natürlichen Schlaf.
Und noch ein Hinweis:
Lange Arbeitszeiten regen zum Saufen an
Lange Wochenarbeitszeiten können - einer Studie aus Neuseeland zufolge - das Risiko
von Alkoholmissbrauch mehr als verdreifachen.
Wie Untersuchungsleiterin Sheree Gibb von der Universität der Region Otago erklärte,
sind Menschen, die 50 Stunden oder mehr pro Woche arbeiten, bis zu 3,3 Mal stärker von
Alkoholabhängigkeit bedroht als Unbeschäftigte. Die Erkenntnis treffe auf Frauen und
Männer gleichermaßen zu.