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Inhalt 
 
01 Was jeder über sein Gehirn wissen sollte ... 11  Lernen und Bewegung
02 Wie wir lernen ... 12  Herz und Gehirn
03 Die Neuroplastizität des Gehirns 13  Mit Bewegung Gedanken „verankern“
04 Kommunikation der Hirnzellen 14  Wasser und Hirnstoffwechsel
05 Glutamat und Lernen 15  Sauerstoff und Hirnstoffwechsel
06 Motivation und Lernen 16  Lernen und schlafen
07 Lernen mit Geschichten 17  Essen und Lernen
08 Intrinsische Motivation 18  Ernährungstipps
09 Lernende und ihr Dominanzprofil 19  Zusammenfassung
10 Zusammenwirken beider Hirnhälften 20  Literaturhinweise

 

01 Was jeder über sein Gehirn wissen sollte ...

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Wir alle wissen, dass unser Gehirn aus zwei Hälften besteht. Wir wissen auch, dass jede Gehirnhälfte Informationen auf eigene Art und Weise sammelt und auswertet. Um konkreter zu werden: Die linke Hirnhälfte (die logische Hemisphäre) ist für Details und Teilaspekte unserer Wahrnehmungen und für die Verarbeitung von Sprache und für die lineare Analyse zuständig. Im Gegensatz dazu arbeitet die rechte Gehirnhälfte eher gestaltorientiert. Sie arbeitet mit Bildern, Emotionen und mit Rhythmus. Die rechte Hinrhälfte ist auch für unsere Kreativität zuständig. Wir wissen auch, dass die rechte Hirnhälfte intuitives Denken ermöglicht.

Beide Gehirnhälften sind in der Mitte durch ein dickes Bündel von Nervenfasern miteinander verbunden. Umgangssprachlich werden diese Nervenfasern als "Balken" bezeichnet. In der Fachsprache der Hirnforscher ist dies das Corpus collosum.

Diese grobe Katalogisierung trifft aber nicht auf alle Menschen zu. Es gibt auch Fälle, in denen sich das Sprachhirn in der rechten Hirnhälfte und in der linken Hirnhälfte sich die gestaltorientierte Hemisphäre befindet.

Tatsache aber ist, dass optimales Lernen und Arbeiten dem Gehirn erst dann möglich ist, wenn beide Hirnsphären gut zusammen arbeiten, denn auch wenn die Logikhälfte für unser Sprechen verantwortlich ist, muss die Gestalthälfte dennoch ihren Beitrag leisten, denn nur dann können wir zum Beispiel Sprache umfassend verstehen.

02 Wie wir lernen ...

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Auch wenn wir in der Schule vielleicht etwas anderes erlebt haben. Tatsache ist, dass Lernen kein passiver sondern ein aktiver Vorgang ist. Lernen hinterlässt im Hirn Spuren, denn durch Lernen verändert sich das Gehirn und je intensiver wir uns für eine Sache interessieren und uns ihr zuwenden, desto komplexer werden die Netzwerke in unseren Hirnen, in denen diese Informationen gespeichert und verfügbar gehalten werden.

Manfred Spitzer drückt das wie folgt aus: "Wenn man irgendeine Aktivität nennen sollte, für die der Mensch optimiert ist, so ist es das Lernen. Unsere Gehirne sind äußerst effektive Informationsstaubsauger, die gar nicht anders können, als alles Wichtige um uns herum in sich aufzunehmen und auf effektivste Weise zu verarbeiten. (Lernen –Gehnirnforschung und die Schule des Lebens, Seite 10)."

Das wir Menschen wirklich zum Lernen geboren sind, wird jeder Vater und jede Mutter bestätigen können, denn Babies tun nichts anderes, als mit ihrer Umwelt zu interagieren, was mit Lernen gleichzusetzen ist.

Wenn wir eine Fähigkeit erlernen wollen, so können wir sie schrittchenweise immer besser. Dieses Lernen durch Üben geht langsam voran. Jeder, der sich die Mühe gemacht hat, eine Fremdsprache zu erlernen oder ein Musikinstrument spielen zu können, weiß das.

Um zum Beispiel ein Musikinstrument tatsächlich beherrschen zu können, wird auch ein begabter Musiker bis zu 10.000 Übungsstunden aufwenden müssen. Will er sein Instrument wirklich virtuos beherrschen, dann dürfte diese Zeit des Übens sicherlich nicht ausreichen.

Auch bei Fließbandarbeitern wurde nachgewiesen, dass die Leistung am Fließband nur langsam perfektioniert wird. Vorsichtige Schätzungen gehen davon aus, dass erst nach 1-2 Millionen solcher Handgriffe der optimale Bewegungsablauf erreicht wird.

Es dauert also offensichtlich sehr lange, bis wir bestimmte Fähigkeiten wirklich beherrschen.

Das gilt auch für Fertigkeiten im Sport. Um zum Beispiel eine perfekte Rückhand mit der linken Hand schlagen zu können, sind viele Versuche erforderlich.

Gleiches gilt auch für die Rechtsfächer, die Sie als angehende Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte erlernen müssen, um Ihrer Berufsrolle gerecht werden zu können. Gehen Sie bitte nicht davon aus, dass dafür 3 Jahre Berufsausbildung reichen werden. Um als Polizeibeamtin oder Polizeibeamter wirklich erfolgreich arbeiten zu können, müssen Sie mehr wissen als das, was Sie in Ihrer Ausbildung erlernen.

Aber ich möchte nicht vorgreifen.

03 Die Neuroplastizität des Gehirns

Früher nahm man an, dass sich das Gehirn des Menschen ab dem Zeitpunkt der Geburt kaum noch verändert. Grund für diese Annahme war die Erkenntnis, dass die Zahl der Nervenzellen nach der Geburt bereits praktisch in voller Anzahl vorhanden waren und das Wachstum von Kopf und Gehirn daran nichts mehr änderte. Bis vor etwa 20 Jahren ging man daher davon aus, dass es sich beim Gehirn um ein relativ statisches Organ handelt.

Heute weiß man, dass das Gehirn nicht statisch ist. Es ist vielmehr äußerst plastisch, denn es passt sich den Bedingungen und Gegebenheiten der Umgebung zeitlebens an. "Es ist, wie wir heute wissen, die Lebenserfahrung eines jeden Menschen, die sein Gehirn zu etwas Einzigartigem macht." (Spitzer)

Diese besondere Fähigkeit des menschlichen Gehirns bezeichnet man in der Fachsprache der Hirnforscher als Neuroplastizität.

Über diese Besonderheit des menschlichen Gehirns waren buddhistische Mönche bereits vor Jahrtausenden bestens informiert, denn sie wussten aus eigenem Erleben, dass allein durch die Kraft der Gedanken aktiv auf das Gehirn eingewirkt werden konnte.

Heute lässt sich dieses uralte Wissen experimentell bewiesen, über das die in orangen Gewändern gehüllten Mönche bereits seit Tausenden von Jahren verfügen.

Aus der schier unüberschaubaren Fülle wissenschaftlicher Experimente hier nur eines von vielen möglichen Beispielen.

"Der Hirnforscher Pascual-Leone ließ Freiwillige ein simples Klavierstück üben und untersuchte anschließend die entsprechend motorischen Regionen im Hirn der Probanden. Der Bereich, welcher für die Steuerung der Fingerbewegungen verantwortlich ist, vergrößerte sich dabei.

Doch dann folgte das wirkliche Experiment. Andere Versuchspersonen sollten sich nur im Geiste vorstellen, das Klavierstück zu spielen.

Und dann die erstaunliche Erkenntnis:

Bei diesem Personenkreis veränderten sich genau die gleichen Hirnreale wie bei den tatsächlich Übenden. Somit ist bestätigt, dass allein mit dem Denken oder mit Hilfe geistigen Trainings Veränderungen in den neuralen Schaltkreisen bewirkt werden können.

Wie das im Einzelnen genau geschieht, ist derzeit noch unklar."

Quelle
http://www.suite101.de/content/neuroplastizitaet-das-wandelbare-gehirn-a55621#ixzz1UijjWOXs

Im Gegensatz dazu ist seit langem bekannt, was beim Lernen in den Synapsen geschieht. Neurobiologisch betrachtet besteht Lernen nämlich in nichts anderem, als in der Veränderung der Stärke der synaptischen Verbindungen zwischen Nervenzellen.

Während wir denken, uns erinnern oder geistig und körperlich aktiv sind, werden neue Dendriten gebildet. Sie dienen als Kontaktstellen und öffnen beim Lernen neue Kanäle zur Kommunikation mit anderen Neuronen. Sie werden unbedingt gebraucht, da die Kommunikation zwischen Zellen oder Zellgruppen für das Überleben vielzelliger Organismen unentbehrlich sind.

In dem Maße, wie sich die neuronalen Netze weiterentwickeln und als Folge davon jeder von uns lebenslang sein Grundmuster verändert, wachsen auch unsere Leistungsfähigkeit und unsere Flexibilität. Mit anderen Worten, Ihr Gehirn ändert sich täglich.

Die Folge davon ist, dass sich unser Gehirn immer wieder neu modelliert, sich stets an vorgefundene Besonderheiten anpasst und sich somit fortlaufend verändert.

Das Gehirn modelliert sich folglich stets neu, wann immer wir ein neues Verhalten zeigen. "Folglich ist Lernen die Summe unserer Erfahrungen. Alles andere ist einfach nur Information" (Albert Einstein).

04 Kommunikation der Hirnzellen

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Lernen besteht nach verbreiteter Auffassung in der Verstärkung synaptischer Verbindungen zwischen Neuronen. Rein strukturell gesehen, sind Synapsen winzige Spalte zwischen Neuronen. Wichtiger aber ist, dass sie die winzige Spalte an den Stellen sind, wo zwei Neurone aufeinanderstoßen und Informationen austauschen.

Zur Klarstellung:

  • Synapsen befinden sich an den Axon-Endköpfen eines Neurons
  • sie stellen Kontakt zum Dendriten eines anderen Neurons her
  • vom Zellkörper des sendenden Neurons fließen elektrische Impulse durch das Axon zu den Endköpfen
  • an den Endköpfen wird ein Neurotransmitter ausgeschüttet
  • dieser fließt in den synaptischen Spalt
  • der Neurotransmitter bindet sich an Rezeptoren, die auf dem Dendriten des empfangenen Neurons sitzen
  • kommt es zum Informationsaustausch, feuert das empfangene Neuron über sein Axon den Impuls weiter zum eigenen Axon-Endkopf usw.

Dadurch entstehen so genannte funktionelle Bindungen. Je öfter die vom jeweiligen Informationsaustausch betroffenen Neuronen miteinander kommunizieren, um so wahrscheinlicher ist es, dass es beim nächsten gleichen oder ähnlichen Anlass zum gleichen Neuronenfeuer kommt. In Anlehnung an den kanadischen Psychologen Donald Hebb wird dieser Vorgang heute allgemein als Hebbsche Synapse bezeichnet. Damit ist gemeint, dass Zellen, die zusammen feuern, sich verdrahten (cells that fire together wire together).

Lange Zeit, Hebb formulierte seine Theorie bereits 1949, galt diese Vorstellung als unbegründete Vorstellung über den Mechanismus des Lernens.

Heute scheint sich diese Vorstellung aber als zutreffend herauszustellen.

Man weiß zum Beispiel, dass durch den Informationsaustausch der Neuronen untereinander dauerhafte Veränderungen im Hirn herbeigeführt werden. Diese Erzeugung dauerhafter Veränderungen wird als so genannte "Langzeit-Potenzierung" bezeichnet (lont-term potentiation – LTP). Es scheint sogar so zu sein, dass LTP der Stoff ist, aus dem unsere Erinnerungen gemacht werden. Hinzu kommt, dass es zur besonderen Eigenschaft von LTP gehört, über die Bereitschaft zur Kooperation mit anderen Zellen zu verfügen. Eine Langzeit-Potenzierung erfolgt nämlich nur dann, wenn durch die Reizung einer Vielzahl von Zellen eine ausreichende Anzahl von Synapsen aktiv wird. Werden zu wenige Neuronen gereizt, kommt es nicht zu einer Lanzeit-Potenzierung.

LTP hat somit zur Folge, dass sich Netzwerke bilden können, in denen sich bestimmte Informationen durch ständige Zusammenarbeit bilden, festigen und ausbauen können.

Nach dieser Vorstellung ist auch das Lernen der Synapsen erfahrungsabhängig.

05 Glutamat und Lernen

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Der Neurotransmitter Glutamat scheint eine entscheidende Bedeutung für die Festigung von Informationen durch LTP im Hippocampus zu spielen. Sie erinnern sich, im Hippocampus werden die zu lernenden Inhalte zwischengespeichert, bevor Sie ins Langzeitgedächtnis transportiert werden. Dieser Vorgang ereignet sich im Übrigen überwiegend während der Zeit, in der Sie gewöhnlich schlafen. Die beste Zeit für diesen Transfer ist der Schlaf vor Mitternacht. Dazu aber später mehr.

Tatsache ist, dass Glutamat für LTP von ausschlaggebender Bedeutung ist, weil es sich an Rezeptoren bindet, die für eine Langzeit-Potenzierung erforderlich sind. Wie das genau geschieht, das gehört zu den Fragen, mit denen sich die Neurowissenschaft derzeit am intensivsten beschäftigt.

Es scheint so zu sein, dass zwischen Lernen und LTP ein unmittelbarer Zusammenhang besteht.

In diesem Zusammenhang erlauben Sie mir bitte eine kurze persönliche Anmerkung. Ich bin mir sicher, dass jeder von uns im Laufe seines Lebens eine Fülle von Gedächtnismüll erlernt hat bzw. noch erlernen wird. Das Erlernen solcher Informationen fällt deshalb so schwer, weil ein vernünftig denkendes Hirn solch einen Ballast sofort erkennt und sein Gehirn deshalb sofort, sozusagen aus Schutz vor Missbrauch, gegen diese Informationen sperrt, oft zum Nachteil der Ergebnisse von Klausuren und Prüfungsarbeiten.

Vielleicht gibt es ja gerade deshalb nicht nur LTP, sondern auch LTD (lont-term depression = Langzeit-Verhinderung).

Dieser Einschub entspricht aber nur meiner Art zu denken.

Kommen wir zurück zu den Fakten.

Glutamat sorgt im synaptischen Spalt auch dafür, ob eine Information als LTP oder LTD bewertet wird. In beiden Fällen können besondere Muster der synaptischen Aktivitäten und die Erregbarkeit der Synapsen für Stunden und länger verändern.

Obwohl die Ergebnisse von LTP und LTD gegensätzlich sind, nämlich gesteigerte bzw. verminderte synaptische Erregbarkeiten auslösen, besitzen sie viele Gemeinsamkeiten. Beide sind an Glutamat gebunden.

Alles was LTP und LTD tun, besteht darin, die Informationsübertragung an jenen Synapsen, an denen sie auftreten, zu verstärken oder zu hemmen.

Aktuelle Forschungsergebnisse lassen vermuten, dass hier das Geheimnis des Lernens liegt.

Mir sind bisher leider keine Forschungsergebnisse bekannt, die belegen, wie das menschliche Gehirn mit Gedächtnismüll umgeht, mit Ausnahme der Tatsache, dass das menschliche Gehirn über die Fähigkeit des Vergessens verfügt und Informationen, die überflüssig erscheinen, leichter vergessen werden als die Informationen, die ein Lernender für wichtig erachtet.

Im Gegensatz dazu gibt es eine Vielzahl von Ergebnissen, die zeigen, welche Veränderungen signifikantes Lernen im menschlichen Gehirn herbeiführt, obwohl signifikantes Lernen sicherlich nicht einfacher zu erlernen ist, als die wohl unbedeutenden Zahlen einer x-beliebigen Seite in einem Telefonbuch.

Carl Rogers versteht zum Beispiel unter signifikantem Lernen verhaltensänderndes Lernen, und da verhaltensänderndes Lernen Gewohnheiten hinterfragt, führt es Lernende zwangsläufig in Identitätskonflikte. Das sind Konflikte, in denen jeder Lernende für sich entscheiden muss, ob er sein Verhalten durch Lernen erweitern möchte, oder aber alles beim Alten lässt, weil das halt einfacher für ihn oder sie ist.

Insoweit ist Lernen immer ein freier und offener Prozess, dem sich der oder die Lernende zu stellen hat. Erich Fromm bezeichnet das zum Beispiel als "Angst vor der Freiheit!"

Bezogen auf Ihre Situation an der Fachhochschule bedeutet das, dass Sie selbst die Wahl haben. Sie können sich entwickeln, Kompetenzen erweitern, einen guten Studienabschluss erreichen und vieles mehr, wenn Sie dazu bereit sind, Lernen als einen kontinuierlichen und abwechslungsreichen Weg durchs Leben zu verstehen, der Neugierde, Interesse, Disziplin und vor allen Dingen Beharrungsvermögen voraussetzt. Wenn Sie über diese Eigenschaften verfügen, dann steht Ihnen mit Sicherheit ein abwechslungsreiches Berufsleben bevor.

06 Motivation und Lernen

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Es gibt kaum eine wichtigere Frage für Lernende und Lehrende:

Wie schaffe ich es Motivation zu erzeugen?

Manfred Spitzer hat dafür die passende Formulierung: "Menschen sind von Natur aus motiviert, sie können gar nicht anders, denn sie haben ein äußerst effektives System hierfür im Gehirn eingebaut. Hätten wir dieses System nicht, dann hätten wir gar nicht überlebt. Dieses System ist immer in Aktion, man kann es gar nicht abschalten, es sei denn, man legt sich schlafen."

Für ihn stellt sich die Frage auch nicht so, wie oben vorgestellt, sondern so:

Warum sind so viele Menschen so häufig demotiviert?

oder

Warum ist es so einfach, Menschen zu demotivieren?

Die Gründe dafür liegen meist im Verhalten von Menschen, die dafür verantwortlich sind, Arbeitsprozesse oder Lernprozesse zu organisieren. Gemeint sind Lehrer und Vorgesetzte. Deren Verhalten ist es, das Lernen und Arbeiten nachhaltig behindern kann. Stellen Sie sich bitte vor Ihr Lehrer bzw. Ihr Vorgesetzter verfügt über ein oberlehrerhaftes Verhalten par exellence. Er weiß und kann alles besser. Sie als Person interessieren ihn nicht. Für ihn zählt nur der Stoffverteilungsplan, die einzuhaltende Arbeitsrate und das korrekte Einhalten von Pausenzeiten. Für ihn ist es wichtig, dass das Detail stimmt. Für solch einen Dozenten ist es zum Beispiel unverzichtbar, dass ein Student weiß, das:

Gemäß § 1 PolG NRW i.V.m. den §§ 10 und 11 POG NRW i.V.m. § 53 OWiG i.V.m. der Verordnung zur Bestimmung der für die Verfolgung und Ahndung von Verkehrsordnungswidrigkeiten zuständigen Verwaltungsbehörden auch den Polizeibehörden die Verfolgung von Ordnungswidrigkeiten nach den §§ 24 und 24 a des Straßenverkehrsgesetzes übertragen worden ist, solange sie die Sache nicht an die Kreisordnungsbehörde oder an die Staatsanwaltschaft abgegeben haben.

Und stellen Sie sich jetzt bitte vor, dass Sie solche Formulierungen auswendig lernen müssen, um in Klaururen gute Ergebnisse zu erzielen.

Und wenn es sich um einen Perfektionisten handelt, dann erwartet er oder sie noch die exakte Bezeichnung des jeweils in Betracht kommenden Absatzes und vor allen Dingen den Paragraphen in der Verordnung zur Bestimmung der für die Verfolgung und Ahndung von Verkehrsordnungswidrigkeiten, in dem steht, dass die Polizeibehörden Verkehrsordnungswidrigkeiten nach den §§ 24 und 24a StVG zu verfolgen hat.

Ich weiß nicht, wie Ihre Synapsen auf die Gedanken reagieren, die Sie gerade lesen.

Meine lösen bei mir Kopfschütteln aus. Leider ist das in vielen Fällen ein Kopfschütteln ohne Ende, denn bedauerlicherweise ist es so, dass falsches Führungsverhalten -egal ob als Lehrer oder Vorgesetzter - Grund dafür ist, dass Menschen abschalten, frustriert sind, keine Lust mehr verspüren, krank werden oder anders ausgedrückt: vom Lernen und von der Arbeit schlichtweg die Schnauze voll haben.

Null Bock auf alles!

Schauen wir uns nun an, wie sich diese traurige Realität in underem Berufs und Schulalltag ins Gegenteil verkehren lässt:

Auch hierzu einleitend ein kurzer Text von Manfred Spitzer: "Nur wer von seinem Fach wirklich begeistert ist, wird es auch unterrichten können. Daraus wiederum folgt: Lehrer müssen vor allem eines können: Ihr Fach! Begeisterung lässt sich nicht spielen, man muss selbst begeistert sein, und nur dann besteht die Chance, dass – wie man so sagt – der Funke überspringt. Ist der Funke gar nicht da, kann er nicht springen."

Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen, mit Ausnahme der Tatsache, dass diese Gedanken in der Pädagogik schon seit Jahrzehnten bekannt sind.

Auszug aus dem pädagogischen Leitfaden von Polizeipräsident Dr. Ernst van den Burgh, veröffentlicht in "Die Polizei" im Januar 1949. Das Zitat stammt aus dem Aufsatz "Die Polizeischule – Pflanzstätte des polizeilichen Geistes."

Ich zitiere wörtlich:

"Jede Unterrichtsstunde muss für den Lehrer die Hingabe eines Stückes seines Selbst an die Schüler sein. Der Taumel der Lehrbegeisterung muss ihn am Schluss der Stunde wie aus einer anderen Welt zurückkehren sehen. Dann ist der Lehrer an seinem Platz und der Erfolg seiner Arbeit wird ihm der schönste Lohn sein.

Und für den Schüler bedeutet das die Einsicht in die Notwendigkeit von der Ausbildung in die Selbstausbildung und insbesondere die Einsicht, dass Zwang zur Freude werden kann. Lernen heißt, so lange üben und wiederholen, bis dass aus Zwang Freude wird."

Diese Wortwahl ist heute sicherlich nicht mehr zeitgemäß. Dennoch: In diesen Sätzen ist vieles über den Vorgang des Lernens enthalten, was auch heute noch gilt.

07 Lernen mit Geschichten

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2009 schreibt Manfred Spitzer in seinem Buch "Lernen – Gehirnforschung und die Schule des Lebens" auf Seite 194 Folgendes:

"Die Person des Lehrers ist dessen stärkstes Medium! Nicht der Overheadprojektor, die Tafel, die Kopien oder gar die PowerPoint-Präsentation. Nicht diese Medien, sondern ein vom Fach begeisterter Lehrer, der gelegentlich lobt und vielleicht auch mal einen netten Blick für die Schüler übrig hat, bringen deren Belohnungssystem auf Trab.

Daraus folgt für die Ausbildung des Lehrers:

Das Fach muss im Mittelpunkt stehen, nicht irgendwelche Tricks der "Vermittlung" von "Stoff", und schon gar nicht die Beherrschung von computergestütztem Kintopp und anderem bunten Ablenkungskrimskrams. Ein Lehrer muss in der Lage sein, über Sachverhalte seines Fachs interessante Geschichten zu erzählen.

Wer das kann, mit seiner Erfahrung, seiner Sachkenntnis und vor allem seiner Person, der dürfte ein guter Lehrer sein."

Dem ist zuzustimmen.

Was Sie vielleicht nicht wissen, ist die Tatsache, dass die Kunst des Geschichtenerzählens sehr alt ist und insbesondere die Suftis, deren Anfänge bis ins 7. Jahrhundert nach Christus zurückgehen, für Ihre Lerngeschichten sogar berühmt waren.

Ich will Ihnen eine dieser Geschichten erzählen, damit Sie wissen, was eine wirklich gute Geschichte ist. Eine solche Geschichte vergessen Sie nämlich nie wieder. Ich bin mir sicher, dass das bei der folgenden Geschichte auch bei Ihnen der Fall sein wird.

Als Scheich Achmed im Sterben lag, rief er seine drei Söhne zu sich.
Er gab ihnen seinen Segen und teilte unter ihnen sein Erbe auf.
Er besaß 17 Kamele.
Die Hälfte überließ er seinem ältesten Sohn,
ein Drittel erhielt der Zweitgeborene und ein Neuntel der Jüngste.

Danach schloss er seine Augen für immer.

Als die Söhne anfingen, das Erbe ihres Vaters aufzuteilen, überkam sie große Ratlosigkeit. Ohne zu Schlachten war an eine gerechte Verteilung des Erbes nicht zu denken. Auch befragte Gelehrte kamen zu keinem anderen Ergebnis. Nach den arithmetischen Regeln mussten fast alle Tiere geschlachtet werden, um dem Willen des Erblassers zu entsprechen.

Da kam dem Jüngsten eine Idee. Er erinnerte sich daran, dass ihr Vater gute Kontakte zu einem alten Kamelzüchter unterhielt. Um keine Zeit zu verlieren, nahmen Sie die 17 Kamele gleich mit und besuchten den alten Mann.

Als sie dem alten Kamelzüchter ihr Anliegen vortrugen, lächelte dieser und bat die Söhne, die 17 Kamele in den Kral zu treiben, in dem ein ganz mageres Kamel sein Dasein fristete. Als alle Kamele im Kral waren, es waren nunmehr 18 an der Zahl, teilte er das Erbe auf.

Der älteste erhielt 9 Kamele, also die Hälfte.
Der Nächstgeborene erhielt 6 Kamele, also ein Dritte.
Der Jüngste bekam 2 Kamele, also ein Neuntel.
Übrig blieb das dünne klapprige Kamel.

Geschlachtet wurde keines der Tiere. Alle waren glücklich und zufrieden, denn sie hatten mehr bekommen, als sie gedacht hatten.

Fazit

Erwarten Sie von Ihren Dozentinnen und Dozenten nicht, dass sie Ihnen auch nur annähernd vergleichbar gute Geschichten erzählen, denn soviel Philosophie ist im polizeilichen Berufsalltag eher selten. Dennoch, gute Geschichten aus dem polizeilichen Berufsalltag gibt es viele und darüber gemeinsam nachzudenken dürfte Anlass für viele interessante und kurzweilige Gespräche sein, in denen Lernen auf eine ganz selbstverständliche und menschliche Art und Weise geschieht, nämlich durch Zuhören und Verstehen.

08 Intrinsische Motivation

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Die Vielfalt vorhandener Definitionsansätze zur intrinsischen Motivation haben eines gemeinsam, es handelt sich um ein menschliches Verhalten um seiner selbst willen, um Ziele zu erreichen, die für entsprechend motivierte Personen bedeutsam sind.

Die Forschung zeigt übereinstimmend, dass intrinsisch motiviertes Verhalten positive Folgen nach sich zieht. So sind damit größere Flexibilität im Denken, höhere Kreativität, bessere Lernleistungen und eine positivere emotionale Befindlichkeit verbunden.

Intrinsische Motivation ist eine Energie, die sich einstellt, wenn wir mit Freude etwas tun, wenn wir neugierig sind, wenn es uns einfach interessiert, warum etwas so ist wie es ist oder wie etwas funktioniert. Intrinsische Motivation ist aber auch ein Antriebskraft, besser zu werden, sich zu entwickeln, ein Bedürfnis sozusagen, eine Kompetenz zu erwerben, die für das eigene Leben von Bedeutung ist oder für die es sich einfach lohnt, Zeit, Geduld und Kraft zu investieren.

Ich denke, dass ein interessanter Lebensberuf diesbezüglich viele Anreize bietet, um sich selbst zu verwirklichen, denn intrinsische Motivation ist nach meinem Verständnis nichts anderes, als sich selbst zu definieren, sich selbst zu formen und sich selbst in eine für lebenswert gehaltene Richtung zu entwickeln.

Ist das der Fall, dann ist die Kraft unserer Gedanken dazu in der Lage, uns kontinuierlich zu motivieren.

Diese Art des Denkens trägt mit dazu bei, dass im Gehirn Dopamin freigesetzt wird, dem zweiten Grundstoff der Motivation und Neugier sowie Lernen und Gedächtnis beeinflusst. Dopamin wird in den Zellen des limbischen Systems produziert; von hier aus bestehen Verbindungen zu den Stirnlappen, dem olfaktorischen Bereich, zur Amygdala, dem Hippocampus, dem präfrontalen Kortex und weiteren Bereichen, die Bewegung, Motivation, Suche nach sinnlichen Erfahrungen, zielgerichtetes Verhalten und integriertes Lernen organisieren.

Dopamin sorgt für den Funken, der uns veranlasst, neue Dinge auzuprobieren.

Das Vergnügen, das wir empfinden, wenn wir im Sport, in schulischen Fächern, in persönlichen Beziehungen oder bei sonstigen Aktivitäten erfolgreich sind, dieses Vergnügen ist einem erhöhten Dopaminspiegel zu verdanken. Daraus entsteht dann die Motivation für weitere Aktivitäten (Ziele), die uns Vergnügen bereiten und Belohnung versprechen.

Immer dann, wenn wir aktiv sind, uns vergnügen, wenn wir voller Neugier Neues ausprobieren, Risiken eingehen, wirklich präsent und kohärent sind, dann steigt der Dopaminspiegel deutlich an.

Dopamin ist der Stoff, der uns motiviert, kreativ zu sein, zu lernen und menschlich zu wachsen. Er ist unverzichtbar, um intrinsisch motiviert sein zu können.

09 Lernende und ihr Dominanzprofil

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Sie wissen bereits, dass beide Hirnhälften ausgeglichen zusammenarbeiten müssen, um optimales Lernen ermöglichen zu können. Optimales Lernen ist nämlich nur im Zustand der Integration möglich. In diesem Zustand sind beide Hemisphären die ganze Zeit über gleichmäßig aktiv, so dass wir Zugang zu allen sensorischen Informationen haben und angemessen kommunizieren, handeln und uns bewegen können.

Um diese Fertigkeit verbessern zu können, ist es erforderlich, dass Lernende wissen, was für ein Dominanzprofil auf sie als Lernende zutrifft.

Carla Hannaford beschreibt in ihrem Buch "Mit Auge und Ohr, mit Hand und Fuß" insgesamt 32 Dominanzprofile, die sich alle aus vier Grunddominanzen ableiten lassen.

  • Dominantes Auge
  • Dominantes Ohr
  • Dominante Hand
  • Dominanter Fuß

Diese Präferenzen stehen jeweils in Wechselbeziehung zur bevorzugten Hirnhälfte des Lernenden. Das heißt, diese vier Dominanzen stehen jeweils in Wechselbeziehung zum Sprachhirn bzw. zum Gestalthirn.

Dieses Grundprofil ist die Übersichtskarte Ihres eigenen ursprünglichen Lernstils. Wenn Sie neuen Stoff lernen sollen, nehmen Sie die Informationen am leichtesten mit Ihren dominanten Sinnen auf (Augen oder Ohren), und Sie bringen das Gelernte am besten mit Ihrer dominanten Hand (mit Gesten oder schriftlich) zum Ausdruck.

Kurze Anleitung zur Bestimmung Ihres Dominanzprofils

  1. Bestimmung des dominanten Auges
  2. Strecken Sie Ihren rechten Arm aus und halten Sie den Daumen hoch. Fixieren Sie Ihren Daumen auf eine senkrecht verlaufende Linie (ein Fensterrahmen, eine Mauerecke, ein Baum, etc.). Wenn Sie mit beiden Augen den Daumen "eingenordet" haben, kann es sein, dass Sie Ihren Daumen doppelt sehen. Das ist nicht schlimm.

    Schließen Sie jetzt das rechte Auge, um festzustellen, ob Ihr Daumen und die senkrecht verlaufende Linie übereinstimmen. Wenn das nicht der Fall ist, schließen Sie das linke Auge, dann müsste der Daumen sich direkt auf der senkrecht verlaufenden Linie befinden.

    Wenn das der Fall ist, ist ihr rechtes Auge dominant.

  3. Bestimmung des dominanten Ohres
  4. Erinnern Sie sich daran, wann Sie das letzte Mal gelauscht haben und dabei Ihr Ohr an eine Wand, auf einen Kasten oder an eine Tür gedrückt haben?

    Wenn Sie sich daran erinnern, dann wissen Sie, welches Ohr dominant ist, denn wenn wir nicht darauf achten, benutzen wir immer unser dominantes Ohr für solche Zwecke.

    Wenn Sie regelmäßig auf der rechten Seite einschlafen, dann ist das auch ein Zeiten dafür, dass ihr rechtes Ohr dominant ist, denn beim Einschlafen reduzieren Sie dadurch unbewusst die bessere Hörfähigkeit Ihres dominanten Ohres.

  5. Bestimmung der dominanten Hand
  6. Wenn Sie Rechtshänder sind, ohne dazu in Ihrer Kindheit "gezwungen" (angeleitet) worden zu sein, dann wissen Sie, welche Hand dominant ist.

  7. Bestimmung des dominanten Fußes
  8. Mit welchem Fuß gehen Sie zuerst eine Treppe hoch? Mit welchem Fuß kicken Sie bevorzugt nach einem Ball?

    Oder: Stellen Sie Ihre Füße nahe beieinander und beugen Sie sich nach vorn, bis Sie beinahe umkippen. Mit welchem Fuß fangen Sie sich wieder?

  9. Bestimmung der dominanten Gehirnhälfte
      
    Überlegen Sie, mit welcher Gehirnhälfte Sie gegenwärtig am meisten arbeiten. Am besten bestimmen Sie die dominante Gehirnhälfte jedoch dann, wenn Sie auf Ihre unmittelbaren Reaktionen bei starkem Stress achten. In einer solchen Situation verlassen Sie sich überwiegend auf die dominante Hemisphäre.

Bei Logikdominanz besteht ihre erste Stressreaktion besteht darin, die Situation zu analysieren, etwas aufzuschreiben oder darüber zu sprechen und nach den speziellen Ursachen zu suchen. Sie konzentrieren sich auf Details und wollen unbedingt alle Aspekte der Situation verstehen.

Bei Gestaltdominanz besteht ihre unmittelbare Reaktion auf Stress darin, den Überblick zu behalten und ein Gefühl für die Situation zu bekommen. Sie sind aber vielleicht nicht imstande, die Details zu erkennen. Es fällt Ihnen wahrscheinlich schwer, die Situation so aufzuschlüsseln, dass Sie sie mit Worten erklären können. Sprache ist jedenfalls nicht die unmittelbare Reaktion. Sie verspüren oft den starken Drang, sich zu bewegen oder Gefühle zum Ausdruck zu bringen.

Die Beschreibung der vier Grundtypen erfolgte in Anlehnung an Ausführungen von Carla Hannaford, die diese in Ihrem Buch "Mit Auge und Ohr, mit Hand und Fuss" auf 190 Textseiten dezidiert beschreibt.

Wer es ganz genau wissen möchte, wie sein oder ihr persönliches Dominanzprofil aussieht, sollte einen in Kinesiologie geschulten Therapeuten aufsuchen, dem es durch spezielle Muskeltests schnell möglich sein dürfte, den individuellen Lerntyp exakt zu ermitteln.

Im Übrigen sollen Ihnen die bisher vorgestellten Informationen nur eine Vorstellung darüber vermitteln, dass wir alle mit unterschiedlichen Lernprofilen ausgestattet sind und somit tatsächlich individuell lernen.

Es wäre wirklich zu kurz gedacht, die oben beschriebene Katalogisierung zum alleinigen Maßstab der Lerndominanz heranzuziehen, denn allein die Unterscheidung in Sprachhirn (linke Hemisphäre) und Gestalthirn (rechte Hemisphäre) kann schon fehlerbehaftet sein. Es gibt nämlich Menschen, deren Sprachhirn sich in der rechten und deren Gestalthirn sich in der linken Hirnhälfte befindet.

Insoweit ist jede Katalogisierung mit Vorsicht zu genießen.

10 Zusammenwirken beider Hirnhälften

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Die Frage, die sich in diesem Zusammenhang stellt lautet, wie ist es möglich, dem Gehirn dabei zu helfen, möglichst optimal zu arbeiten.

Die Antwort darauf ist dreigeteilt.

Sie lautet:

  • durch mentales Training
  • durch gezielte Bewegungen
  • durch richtige Ernährung

Was kann mentales Training bewirken?

Unter mentalem Training verstehe ich zuerst einmal die zu entwickelnde Fähigkeit, sich entspannen zu können. Das ist die Grundvoraussetzung für ein darauf aufbauendes Training der Aufmerksamkeit.

Wer es mit einem kostengünstigen und wirksamen Trainingsprogramm versuchen möchte, dem empfehle ich ein kleines Buch, in dem sich auch eine CD befindet. Das Buch heißt "Stressbewältigung durch die Praxis der Achtsamkeit" und enthält eine wirklich gute Entspannungsübung für den ganzen Körper. Die Übung dauert 45 Minuten und ist ein wirklich guter Einstieg in ein gezieltes Training der Achtsamkeit. Buch und CD stammen von Jon Kabat-Zinn, dem Begründer der Stress Reduction Clinic, des Instituts für Achtsamkeit in Medizin, Gesundheitsvorsorge und Gesellschaft. John Kabat-Zinn ist Professor der Medizin an der Universität von Massachusetts. Sein Programm zur Praxis der Achtsamkeit im Gesundheitswesen wird in den USA seit 25 Jahren von mittlerweise mehr als 5000 Ärzten angeboten.

Wenn Sie mit diesem Programm oder auch mit anderen arbeiten, werden Sie feststellen, dass ihre Aufmerksamkeit und Ihre Konzentrationsfähigkeit zunimmt, dass Sie belastbarer werden und ganz allgemein mit Stress besser umgehen können.

11 Lernen und Bewegung

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Sie wissen vielleicht, dass jede Hirnhälfte mit Gliedmaßen der jeweils anderen Körperseite korrespondiert. Gleiches gilt für Augen und Ohren. Insoweit kann festgestellt werden, dass Körper und Geist so zusammenspielen, wie das der Buchstabe X symbolisiert.

Denkt man sich in der Mitte eines X eine senkrechte Linie, dann wird deutlich, was durch gezielte Übungen im Gehirn erreicht wird, wenn die Gliedmaße im Zuständigkeitsbereich der jeweils nicht dominant mit ihr in Verbindung stehenden Hirnseite bewegt werden. Die Folge davon ist, dass immer dann, wenn diese Mittellinie "überschritten" wird, egal in welche Richtung, auch die jeweils andere Hirnhälfte aktiviert wird.

Das führt dazu, dass mehr Informationen über den "Balken" ausgetauscht werden und dieses Wichtige Nervenbündel dadurch anwächst und leistungsstärker wird.

Wenn Sie zum Beispiel Rechtshänder sind und ihre linke Hirnhälfte bevorzugen, dann aktivieren Sie ganz zwangsläufig bei Bewegungen mit Ihrer rechten Hand im Bereich Ihrer linken Körperhälfte auch Ihre rechte Hirnhälfte.

Es würde zu weit führen, an dieser Stelle die dafür erforderlichen wissenschaftlichen Nachweise zu diskutieren. Tatsache ist, dass mit gezielten Bewegungen die Zusammenarbeit beider Hirnhälften optimiert werden kann.

Tatsache ist auch, dass durch einfache Bewegungsübungen Konzentration und Aufmerksamkeit gesteigert werden können.

Aus der Vielzahl vorhandener Übungen habe ich vier für Sie herausgesucht, die ich für besonders hilfreich halte. Ich mache diese Übungen täglich unmittelbar nach dem Zähneputzen und im Laufe des Tages immer dann, wenn mir danach ist. Soviel Zeit muss sein.

Übungen

1. Achten malen mit einer Hand

Stellen Sie sich aufrecht hin und strecken Sie den rechten Arm aus. Führen Sie ihn langsam in Ihrer Körpermitte hoch und beginnen Sie nach links eine Acht zu malen. Wenn Ihre Hand wieder unten an der Körpermitte angekommen ist, führen Sie Ihre Hand erneut an der Körpermitte hoch und malen Sie die Acht nach rechts weiter.

Die Übung sollte langsam gemacht werden, so dass beim Malen der Acht nach links eingeatmet und beim Malen der Acht nach rechts ausgeatmet wird.

Machen Sie diese Übung so langsam wie möglich, mit jeder Hand mindestens fünf Mal. Versuchen Sie die Achten möglichst groß zu malen und dem jeweils ausgestreckten Zeigefinger mit Ihren Augen zu folgen.

2. Achten malen mit zwei Händen

Machen Sie das Gleiche jetzt mit beiden ausgestreckten Armen. Versuchen Sie, die Achten jeweils so langsam wie möglich zu malen. Achten Sie darauf, dass Sie Ihre ausgestreckten Arme parallel halten und verfolgen Sie Ihre ausgestreckten Zeigefinger mit den Augen.

3. Achten malen mit dem rechten Ohr am rechten Oberarm

Strecken Sie jetzt Ihren rechten Arm aus und legen Sie das rechte Ohr auf den rechten Oberarm. Versuchen Sie nun erneut, Achten zu malen und mit Ihren Augen der Spitze Ihres Zeigefingers zu folgen. Sie werden feststellen, dass das gar nicht so einfach ist. Mit etwas Übung werden Sie aber schnell feststellen, dass Sie diese Übung wach macht.

Auch hier kommt es darauf an, die Übung möglichst langsam und so durchzuführen, dass Einatmung und Ausatmung etwa gleich lang sind. Meist ist die Ausatmung länger, was durchaus wünschenswert ist.

4. Dehnen des Rückens und der Beinmuskulatur

Stellen Sie sich aufrecht hin und stellen Sie Ihren rechten Fuß über den linken, so dass sich die Knöchel berühren. Strecken Sie Ihre Hände nach oben und beugen Sie sich jetzt im Becken so weit herunter, dass Hände und Kopf senkrecht zum Boden zeigen. Atmen Sie dabei aus.

Bewegen Sie ihre ausgestreckten Arme und ihren gesamten Oberkörper langsam und ohne Kraft nach links und nach rechts. Vielleicht gelingt es Ihnen jetzt auch, mit beiden Armen gleichzeitig Achten zu malen. Atmen Sie dabei gleichmäßig ein und aus. Versuchen Sie, Ihre rückwärtige Muskulatur zu entspannen. Machen Sie diese Übung etwa 1 Minute lang, oder so lange, wie Sie meinen, dass Ihnen das gut tut.

Im Anschluss daran stellen Sie den linken Fuß über den rechten und machen das Ganze noch einmal.

Der Durchlauf dauert insgesamt etwa 10 Minuten. Danach werden Sie sich wach und konzentriert fühlen. Nach ein paar Tagen werden Sie diese Übungen gar nicht mehr missen wollen.

Zum Schluss noch eine Übung für diejenigen, die meinen, dass solche Übungen Kinderkram sind.

Ich gehe davon aus, dass Sie spätestens nach drei Minuten schwitzen werden oder aber die Übung abgebrochen haben, weil sie wie alles im Leben, erlernt werden muss, bevor sie von großem Nutzen sein kann.

Probieren Sie es selbst aus.

Stellen Sie sich aufrecht hin.
Strecken Sie den rechten Arm in Schulterhöhe nach vorn aus.
Atmen Sie langsam aus.
Beim ganz langsamen einatmen bewegen Sie Ihren Arm in einer möglichst großen Kreisbewegung nach unten, hinten und oben, bis der Arm sich wieder in der Ausgangsstellung befindet.
Lassen Sie Ihren Arm sechs Mal kreisen, erst dann sollte die erste Einatmung abgeschlossen sein.
Drehen Sie nun sechs Mal den ausgestreckten rechten Arm in die andere Richtung, bis Ihre Lungen leer sind.
Atmen Sie nun langsam und tief ein, indem Sie den Arm gestreckt nach oben strecken und atmen Sie aus, wenn Sie sich nach vorn beugen, so dass Ihre rechte Hand den Boden berührt. Zählen Sie dabei langsam bis sechs.
Wenn Sie sich aufrichten, strecken Sie Ihre rechte Hand nach vorne und lassen Sie dann langsam nach unten sinken.

Dieser Durchlauf dauert 1 Minute, das heißt, innerhalb von 1 Minute haben Sie zweimal ein und ausgeatmet.

Nach jedem kompletten Durchlauf machen Sie eine kurze Pause, um zu spüren, was diese Übung in Ihrem Körper bewirkt.

Ich selber spüre nach den ersten drei Durchläufen immer ein sehr wohltuendes Prickeln am ganzen Körper. Ich kenne keine vergleichbare Übung, mit der sich Gänsehaut so schnell und intensiv auslösen lässt.

Machen Sie das Gleiche jetzt mit dem linken Arm, danach werden Sie wissen, dass man auch an einfachen Übungen verzweifeln kann.

Wenn Sie während der Übung nicht mehr wissen, wie es weitergeht, ist das kein Beinbruch. Das kann man lernen.

Wenn Sie mehr als drei Durchläufe mit Ihrem rechten und Ihrem linken Arm schaffen, sind Sie gut trainiert, nicht nur im Hinblick auf Ihre Konzentration und Aufmerksamkeit, sondern auch gut trainiert im Hinblick auf Ihre körperliche Fitness.

Im Übrigen sollten Sie sich täglich mindestens 30 Minuten sportlich betätigen.

Da von Ihnen sowieso erwartet wird, das Deutsche Sportabzeichen abzulegen, lässt sich auf diese Art und Weise das Nützliche mit dem Gesunden verbinden.

Im Sommer 2011 wurde ein Student entlassen, weil er auch beim zweiten Versuch es nicht schaffte, 5000 m in der vorgegebenen Zeit zu laufen.

12 Herz und Gehirn

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Wissenschaftler haben nachgewiesen, dass das Herz direkt mit dem Gehirn in Verbindung steht und durch Nerven, Hormone und sonstige chemische Botenstoffe (Neurotransmitter) dafür sorgt, ob wir leicht und selbstverständlich lernen oder ob uns Lernen schwerfällt und wir Lernstoff schnell vergessen.

Tatsache ist, dass vom Herzen zum Gehirn mehr Nervenfasern laufen als in die umgekehrte Richtung. Tatsache ist auch, dass das Herz selbständig schlägt und diesbezüglich nicht vom Gehirn beeinflusst wird.

Die Nervenfasern zwischen Herz und Gehirn stehen in Verbindung mit der Amygdala (Mandelkern), dem Thalamus und dem präfrontalen Kortex. Sie verbinden auf diese Weise die Emotionen mit den Sinneswahrnehmungen und fassen die Informationen für das Lernen zusammen.

Durch Messungen mit supraleitendenden Magnetfelddetektoren konnte nachgewiesen werden, dass das Herz ein elektromagnetisches Feld erzeugt, das mindestens tausend Mal größer ist als das vom Gehirn erzeugte elektromagnetische Feld; es reicht – eindeutig messbar – zwischen 2,40 und 4,80 Meter über den Körper hinaus.

Neueste biologische Grundlagenforschungen bestätigen: Unser Herz ist weit mehr als ein simple mechanische Pumpe. Es besitzt sogar ein eigenes "Gehirn" und eine unabhängige Hormonproduktion, über die der gesamte Organismus beeinflusst werden kann.

1983 entdeckte man dann ein neues, allein vom Herzen produziertes Hormon, ANF (Atrial-natriuretischer Faktor) genannt. Die Forschungen wurden durchgeführt von Marc Cantin und Jaques Genest, beide von der Universität Montreal.

"ANF wirkt auf die Hirnbereiche ein, die unseren emotionalen Zustand steuern, die Lernen und Gedächtnis beeinflussen und die Körperhormone über die Hirnanhangdrüse ausbalancieren." (Carla Hannaford, Bewegung, das Tor zum Lernen).

"Wenn wir uns gestresst fühlen, ängstlich oder frustriert sind, ist das Herzfrequenzmuster inkohärent (das Wellenmuster ist ungleichmäßig). Die vom Herzen ausgehenden Nervenreize veranlassen die Amygdala, das sympathische Nervensystem zu aktivieren (den Überlebensmodus mit der Kampf- oder-Fluch-Reaktion). Das Herz alarmiert den Thalamus, der nur noch die Wahrnehmungen aufnimmt, die für das Überleben notwendig sind. Und da die Botschaften an den präfrontalen Kortex zusammenhanglos sind, können wir weder lernen noch etwas im Gedächtnis speichern. In diesem Zustand der Inkohärenz (Zusammenhanglosigkeit) verlieren Nervenzellen im Hippocampus einen Teil ihrer Dendriten und sterben ab. Die Folge sind ein schlechtes Gedächtnis, schwammiges Denken und ein Mangel an Kreativität. Auch der Hormonhaushalt gerät aus der Balance, was wiederum Auswirkungen auf unseren Gesundheitszustand hat." (Carla Hannaford, Bewegung, das Tor zum Lernen, S. 101).

13 Mit Bewegung Gedanken "verankern"

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Bewegung ist nicht nur notwendig, um Ihr Herz zu pflegen, Bewegung ist auch erforderlich, um einen Gedanken "festzunageln".

Nicht von ungefähr setzten bereits die Griechen in historischer Zeit sportliche Hochleistungen mit Intelligenz gleich und die Chinesen nutzten bereits in ihrer frühen Geschichte Tai-Chi in ihren Schulen, um das Lernen zu fördern.

Heute wissen wir, dass Bewegung erforderlich ist, um optimal lernen zu können und dem Herzen dabei zu helfen, den Körper und insbesondere das Hirn mit dem Treibstoff zu versorgen, ohne den Lernen nicht denkbar wäre: Sauerstoff.

14 Wasser und Hirnstoffwechsel

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Wasser ist eine der wichtigsten anorganischen Substanzen in unserem Körper und reichlich vorhanden. Bei unserer Geburt macht der Wasseranteil 80 Prozent des Körpergewichts aus, bei Erwachsenen etwa 70 Prozent. Bei schlanken Menschen ist der Wasseranteil höher, da Fett sehr wenig Wasser enthält, Muskeln aber viel Wasser enthalten. Der Wasseranteil im Gehirn (Schätzungen liegen bei 90 Prozent) ist höher als in jedem anderen Körperorgan, die Muskeln liegen mit 75 Prozent an zweiter Stelle und danach folgen die Nieren. Unter normalen Umständen wird empfohlen, dass der Mensch täglich mindestens so viel Wasser trinkt, wie er ausscheidet, das sind in der Regel 1,5 bis 2,5 Liter. Bei Sportlern kann das deutlich mehr sein.

Versetzen wir unseren Körper mit Hilfe von Wasser und Salz in die Lage, sich selbst wieder zu regulieren, ist er fähig, sich zu regenerieren. Mit Hilfe von Wasser können wir unseren Organismus wieder in seinen ursprünglichen Ordnungszustand versetzen.

Das beste Wasser für unsere Gesundheit ist ein natürliches lebendiges und unverändertes mineralarmes Quellwasser. Die menschlichen Zellen sind nämlich nicht dazu in der Lage, anorganische Mineralien direkt aufzunehmen. Sie müssen erst von pflanzlichen Zellen verstoffwechselt und in organische Strukturen umgewandelt werden oder in ionisierter und feinstzerteilter (kolloidaler) Form vorkommen, um vom menschlichen Organismus verwertet werden zu können. Die Mineralien im Mineralwasser sind aber meist viel zu grobstofflich, als dass sie von unserem Körper aufgenommen werden könnten.

Wenn Sie die die volle Kraft von Wasser für Ihre tägliche Lernarbeit nutzen möchten, dann verzichten Sie bitte auf Wasser mit Kohlenstoffzusätzen, der macht das Wasser nur sauer und hat aus Sicht der Hersteller nur einen Vorteil: lange Haltbarkeit.

Die eigentliche Aufgabe von Wasser ist es nämlich, den Körper zu reinigen. Dafür eignet sich am Besten stilles Wasser das in der Regel einen Ph-Wert von 7.0 hat. Damit kommt stilles Wasser dem Ph-Wert des Blutes (7,4) sehr nahe. Da stilles Wasser basischer ist als Blut, kann Wasser die im Blut vorhandenen Schadstoffe aufnehmen. Stilles Wasser ist neutral und kann den Körper somit von überflüssigen Säuren bzw. von Schadstoffen befreien. Sie müssen nämlich wissen, dass Wasser eines der effektivsten und wirksamsten Lösungsmittel ist, die in der Natur vorhanden sind.

Wasser unterstützt darüber hinausgehend Lernen und Denken, denn Wasser wird als universelles Lösungsmittel für die elektrische Übertragung und für die Erhaltung des elektrischen Potenzials in unserem Körper gebraucht.

Stillen Sie bitte Ihren "Durst" nicht mit Cola oder Limonaden. Die sind sehr zuckerhaltig und bewirken das Gegenteil von dem, was man sich eigentlich erhofft.

Zucker stört den Hirnstoffwechsel und behindert somit beim Lernen.

Im Übrigen, trinken Sie Wasser schlückchenweise und am besten so wie guten Wein. Dann kann der sich im Wasser befindliche Sauerstoff direkt über die Mundschleimhaut aufgenommen werden.

Tipp

Gewöhnen Sie Ihre Dozentin bzw. Ihren Dozenten daran, dass Sie während des Fachunterrichts eine Wasserflasche stets griffbereit verfügbar haben und bei Bedarf auch daraus trinken.

15 Sauerstoff und Hirnstoffwechsel

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Das Gehirn hat nur einen Anteil von einem Fünfzigstel am gesamten Körpergewicht, es verbraucht aber ein Fünftel des gesamten Sauerstoffs.

Die erste aus dem Herzen kommende Arterie, die frisch mit Sauerstoff angereichertes Blut transportiert (die Karotis), führt direkt ins Gehirn. Das gesamte System befriedigt also zuerst die Bedürfnisse des Gehirns.

Das Gehirn ist im Übrigen ein sehr egoistisches Organ.

Es ist das einzige Organ, dass sich auch in Notzeiten auf Kosten aller anderen Organe mit der notwendigen Energie versorgt. Bereits seit langer Zeit ist bekannt, dass sich in Notzeiten alle anderen Körperorgane zurückbilden und schrumpfen, nur das Gehirn nicht. Auch Menschen, die an Hunger sterben haben nur ein geringfügig "geschrumpftes" Gehirn im Vergleich zu den deutlichen Schrumpfungen anderer Organe.

16 Lernen und schlafen

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Lernen ist nicht nur ein Vorgang, der Konzentration und Zuwendung voraussetzt, sondern ganz offensichtlich auch dann stattfindet, wenn der Mensch schläft.

Manfred Spitzer beschreibt den Vorgang des Lernens im Schlaf wie folgt: "Wenn man abends einschläft, so verändert sich die Hirnstromkurve zunächst immer mehr nach Richtung Tiefschlaf. Nach einiger Zeit jedoch geschieht etwas Eigenartiges. Der Schlaf wird wieder leichter (also weniger tief) und man könnte meinen, der Schläfer wacht gleich wieder auf. Tatsächlich kommt nun eine Schlafphase, während der die Hirnstromkurve genauso aussieht, als sei man wach. Gleichzeitig jedoch ist man am allerschwersten weckbar (man schläft also sehr fest) und die Anspannung der Muskeln ist noch geringer als im Tiefschlaf: Man ist völlig schlaff. Nur die Augenmuskeln machen wilde Zuckungen und verursachen rasche Augenbewegungen. Dieser Schlaf ist so eigenartig, dass man ihn früher als paradoxen Schlaf bezeichnet hat. Das Gehirn ist elektrisch wach, lässt aber nichts hinein (höchste Weckschwelle) und nichts hinaus (geringste Muskelanspannung). Der heute für dieses Schlafstadium allgemein verwendete Name ist von den schnellen Augenbewegungen (Rapid Eye Movements) abgeleitet: Man bezeichnet diesen Schlaf als REM-Schlaf.

REM-Schlaf und Tiefschlaf sind beide für das Wohlbefinden eines Menschen (d.h. für einen guten Schlaf) wichtig. Sie folgen im Verlauf einer normalen Nacht fünf- bis sechsmal aufeinander."

An anderer Stelle heißt es:

"Der Hippokampus fungiert im Schlaf als Lehrer des Kortex. Immer dann, wenn der Hippokampus etwas (vorläufig) gelernt hat, wird nachfolgend off-line das Gelernte zum Kortex übertragen. Dies geschieht im Tiefschlaf. Auf diese Weise lernt der prinzipiell sehr langsam lernende Kortex im Laufe der Zeit alles Wichtige, was zuvor eben im Hippokampus gespeichert worden war.

Wer Fakten zu lernen hat, sollte deshalb auf seinen Schlaf achten. Keineswegs sollte er also die Nacht zum Tag machen in der irrigen Annahme, auf diese Weise noch mehr lernen zu können.

Plakativ gewendet:

Wer sich den Schlaf raubt, um zu lernen, der stört den im Kopf eingebauten Lehrmeister bei der Arbeit, d.h. beim nächtlichen Repetieren dessen, was tagsüber gelernt wurde. Jeder Lernende sollte durch einen vernünftigen Lebensrhythmus dafür Sorge tragen, dass der natürliche Schlaf, insbesondere die fein abgestimmte Abfolge der Schlafphasen – die Schlafarchitektur -, nicht gestört wird."

Mehr gibt es zu diesem Thema eigentlich nicht zu sagen.

Vielleicht mit Ausnahme der folgenden Warnung:

Wer zum weltweit ältesten und beliebtesten Schlafmittel, dem Alkohol greift, stört den Hippokampus bei seiner nächtlichen Arbeit als Lehrmeister des Neokortex auf beinahe unverantwortliche Art und Weise.

Alkohol stört nicht nur die Schlafarchitektur, Alkohol stört auch als zentralnervös wirkendes Psychopharmaka den natürlichen Schlaf.

Und noch ein Hinweis:

Lange Arbeitszeiten regen zum Saufen an

Lange Wochenarbeitszeiten können - einer Studie aus Neuseeland zufolge - das Risiko von Alkoholmissbrauch mehr als verdreifachen.

Wie Untersuchungsleiterin Sheree Gibb von der Universität der Region Otago erklärte, sind Menschen, die 50 Stunden oder mehr pro Woche arbeiten, bis zu 3,3 Mal stärker von Alkoholabhängigkeit bedroht als Unbeschäftigte. Die Erkenntnis treffe auf Frauen und Männer gleichermaßen zu.

Quelle:
http://www.welt.de/wissenschaft/article13535082/Lange-Arbeitszeiten-regen-zum-Saufen-an.html

17 Essen und Lernen

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Dass Essen und Trinken und Hirntätigkeit in einem engen Zusammenhang stehen, wird von der Wissenschaft erst seit Kurzem akzeptiert. Bis vor wenigen Jahren hielten es Wissenschaftler für abwegig, dass durch die Ernährung die Hirnchemie schnell und nachhaltig verändert werden kann. Stattdessen ging man davon aus, dass das Gehirn von allen Organen am besten vor Veränderungen durch Nahrungszufuhr geschützt sei.

Heute wissen wir, das das Gegenteil der Fall ist.

Das Gehirn unterscheidet sich von allen anderen Organen dadurch, dass schon die Zusammensetzung einer einzigen Mahlzeit seine Funktion erheblich beeinflussen kann.

Die Ernährung ist für das Gehirn von fundamentaler Bedeutung. Für den Intellekt, aber auch für Gefühle und Emotionen, für das Wohlbefinden und für die Stimmung.

Durch eine Vielzahl von Studien konnte sogar belegt werden, dass sich allein durch Ernährung die Intelligenz von Kindern um 5 Prozent verbessern ließ. Richtige Ernährung hat sogar Auswirkungen auf unerwünschtes Verhalten.

Diese Erkenntnis hat dazu geführt, dass eine ganz neue wissenschaftliche Disziplin entstanden ist: die Lehre von der Hirnernährung.

Und weil sich heute vor allem Pharmakonzeren und Lebensmittelriesen für Ernährung zuständig fühlen, verfolgen diese Firmen die Entwicklung genau.

Trotzdem sah sich die Weltgesundheitsorganisation bereits 2002 veranlasst, in ihrem "World report on violence and health" darauf hinzuweisen, dass sogar Ernährung als Risikofaktor für die zunehmende Aggressivität und Kriminalität unter Kindern und Jugendlichen anzusehen sei, und empfiehlt deshalb, Gifte und Schadstoffe im Essen zu eliminieren, um so das Risiko für Hirnschäden bei Kindern zu verringern, die indirekt zu Jugendgewalt führen können.

Sie sehen, die Sache mit der Ernährung ist eine durchaus ernst zu nehmende Angelegenheit.

Wenn man heute in einen Supermarkt geht, dann kann man getrost davon ausgehen, dass mindestens 70 Prozent der zum Verzehr angebotenen Produkte eher gesundheitsbedenklich als gesundheitsförderlich sind.

Wie dem auch immer sei. Tatsache ist, dass kaum Lebensmittel angeboten werden in denen so genannte Omega-3-Fette enthalten sind, Fettsäuren, die für das Gehirn lebensnotwendig sind. Das liegt daran, dass diese Fette schnell verderblich sind.

Vermutlich aber sind diese Fette die wichtigste Substanz für das Gehirn. Wenn wir zu wenige Omega-3-Fettsäuren zu uns nehmen, sind die Folgen verheerend. Die Kapazität des Gehirns nimmt nicht mehr zu, sondern ab.

Deshalb sind einige Nahrungsmittelproduzenten dazu übergegangen, ihren Produkten Omega-3-Fettsäuren hinzuzufügen. Das ist zum Beispiel bei der Margarine Becel der Fall. Die in dieser Margarine enthaltenen Stoffe lesen sich zumindest nach meinem Verständnis wie ein Beipackzettel eines Arzneimittels.

Wie dem auch immer sei. Der Rückgang des Konsums gerade dieser Fette geht Hand in Hand mit einem Aufschwung von Funktionsstörungen in menschlichen Gehirnen.

18 Ernährungstipps

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Während ich diese Zeilen schreibe, wird mir bewusst, dass Fragen der Ernährung in einem besonderen Aufsatz erörtert werden müssen, denn das, was dazu zu sagen ist, würde tatsächlich den Rahmen dieses Aufsatzes sprengen.

Deshalb an dieser Stelle nur einige wenige grundlegende Informationen über ein gehirngerechte Ernährung:

  • Trinken Sie viel Wasser
     
    Am besten eine halbe Stunde vor der Mahlzeit oder eine Stunde nach der Mahlzeit. Trinken Sie Wasser immer in kleinen Schlucken. Lassen Sie das Wasser sozusagen im Munde zergehen. Trinken Sie Wasser wie kostbaren Wein. Das hat den Vorteil, dass der im Wasser enthaltene Sauerstoff direkt über die Mundschleimhaut und über die Zunge aufgenommen werden kann und so schneller ins Gehirn gelangt.
     
  • Verzichten Sie auf jegliche Form von Industriezucker
     
    Industriezucker wird vom Körper nicht nur wie Fett verstoffwechselt, das heißt, in Fettzellen gespeichert, lndustriezucker stört auch nachhaltig den Hirnstoffwechsel. Zwar braucht das Hirn Zucker, um überhaupt funktionieren zu können, das kann niemand bestreiten, der sich mit dem menschlichen Stoffwechsel beschäftigt. Dafür benötigt das menschliche Hirn aber keinen Industriezucker. Es reicht aus, das Gehirn ausreichend mit Obst zu versorgen, denn der in Obst enthaltene Fruchtzucker hat eine ganz andere Wirkung als der von Industriezucker, da der in Obst enthaltene Zucker dem Körper immer im Verbund mit Vitaminen, Flavonoiden, Faserstoffen und anderen Bestandteilen angeboten wird, die im Verbund vom Körper ganz anders verstoffwechselt werden als "reiner" Industriezucker, der halt nur süß und kalorienreich ist.
     
  • Versorgen Sie Ihren Körper mit guten Fetten
     
    Damit sind Fette gemeint, die Ihr Körper wirklich braucht. Immerhin sollten etwa 20 Prozent des täglichen Kalorienbedarfs aus guten Fetten stammen. Dr. Udo Erasmus, ein international bekannter kanadischer Fettforscher, hat seinem Buch über Fette folgenden Titel gegeben: Fats that Heal, Fats that Kill. (Fette die heilen und Fette die töten).

    Wenn Sie Zeit und Interesse haben, einen der wenigen auf Deutsch verfügbaren Vorträge dieses Fettforschers zu lesen, dann öffnen Sie bitte den folgenden Link. Sie können sicher sein, dass die dort gemachten Aussagen tatsächlich dem aktuellen Stand der Fettforschung entsprechen.
     
    Vortrag Dr. Udo Erasmus
     
  • Vermeiden Sie Industriefette, vor allen Dingen Margarine.
     
    Margarine besteht zu einem nicht unbedeutenden Anteil aus so genannten Trans-Fettsäuren. Trans-Fettsäuren entstehen, wenn aus Pflanzenölen, die flüssig sind, feste Fette gemacht werden. Da eine Margarine streichfähig sein muss, sonst wäre sie ja keine Margarine, muss es den Nahrungsmittelchemikern irgendwie gelingen, aus flüssigen Ölen streichfähige Fette zu machen. Das geschieht dadurch, dass zum Beispiel Sonnenblumenöl so hoch erhitzt wird, bis sich die Moleküle des Öls so verändern, dass sie von flüssig auf fest umschwenken. Dadurch wird die natürliche Cis-Struktur eines flüssigen Öls in eine feste Trans-Struktur eines Fettes umgewandelt, dass es so in der Natur nur selten gibt.

    Transfette stehen im Verdacht, stark krebserregend zu sein.

    Verzichten Sie daher auf Margarine, verwenden Sie besser Butter, oder, was noch besser wäre, verwenden Sie Kokosöl (das ist streichfähig bis 25 Grad Raumtemperatur) oder Buko. Beides schmeckt in Verbindung mit jeglicher Form von Brotaufstrich vorzüglich.

    Wenn Sie Ihrem Hirn etwas Gutes tun wollen, dann trinken Sie täglich ein bis zwei Esslöffel eines guten, kalt gepressten Bioöls. Olivenöl schmeckt zum Beispiel vorzüglich. Wegen des geringen Omega-3-Anteils im Olivenöl wäre es für Lernende aber doch wohl besser, es mit Leinöl, Hanföl oder Walnussöl zu probieren.

    Zumindest Walnussöl schmeckt vorzüglich. Die beiden anderen Öle sind gewöhnungsbedürftig, zumindest Hanföl schmeckt stark nach Gras.

    Wenn Sie sicher sein wollen, dass Ihr Körper optimal mit gesunden Ölen versorgt wird, dann sollten Sie es mit der Ölmischung von Dr. Udo Erasmus probieren. Dieses Öl wird bei einer Temperatur von maximal 42 Grad unter Ausschluss von Sauerstoff aus biologisch angebauten Samen gepresst.

    Dr. Udo Erasmus ist ein international anerkannter Experte und Fettforscher.

    Seine Ölmischung schmeckt gut und hat zudem den Vorteil, dass es Fette verbrennt, die zu viel im Körper vorhanden sind. Sogar Bodybuilder wissen dieses Öl zu schätzen, weil es Fett beseitigt und Muskeln aufbaut.

    Aufgrund seiner Zusammensetzung scheint es mir die optimale Gehirnnahrung für Studenten und Studentinnen zu sein.

    Es schmeckt mild und leicht nussig.
     
  • Essen Sie Vollkornprodukte und verzichten Sie auf Weißmehl
       
    Weißmehl hat bereits im Zeitalter des Absolutismus dazu beigetragen, dass die herrschende Klasse degenerierte, sowohl körperlich als auch geistig. Weißmehl ist bekanntermaßen ein totes Mehl, dem alle Kraft beraubt worden ist.

    Mit dem Nährwert eines echten Lebensmittels, zu dem das Vollkorn gehört, kann man Weißmehl nicht vergleichen.

    Das im Handel erhältliche Graubrot ist nicht besser, es sieht nur etwas anders aus, ist aber gleichermaßen aus totem Mehl gebacken.

    Weißmehl wurde so lange gemahlen, dass nur noch die toten Kohlenhydrate und die von uns allen so geschätzte weiße Farbe erhalten geblieben ist.

    Die Industrie hält Weißmehl jedoch deshalb für so unverzichtbar, weil es genauso haltbar ist, wie industriell erzeugte Öle. Es hält sozusagen zeitlich unbegrenzt. Kein Wunder, denn tote Nahrung kann nicht mehr sterben.

19 Zusammenfassung

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Wenn Sie diesen Aufsatz bis hierhin gelesen haben, dann freut mich das sehr, denn dann kann ich annehmen, dass Sie sich für dieses wichtige Thema wirklich interessiert haben.

Deshalb kann ich mich zum Schluss meiner Ausführungen auch kurz fassen. Sie wissen jetzt, dass denken, bewegen und essen für effektives Lernen unverzichtbar sind. Sie wissen jetzt auch, in welche Richtung Sie sich entwickeln sollten, um sich ein Leben in Selbstbestimmung, geistiger Gesundheit und körperlicher Aktivität ermöglichen zu können.

Sie wissen jetzt auch, dass Sie selbst für die Art und Qualität Ihres Denkens und auch für die Beweglichkeit, Flexibilität und Gesundheit Ihres Körpers selbst verantwortlich sind.

Wenn Sie Ihr Verhalten dennoch nicht ändern möchten, ist das Ihre Entscheidung. Sie müssen dann nur akzeptieren, dass Sie andere dafür nicht verantwortlich machen können, wenn es zu Fehlentwicklungen kommen sollte.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg!

20 Literaturhinweise

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Dennison, Paul u. Gail
Brain-Gym - Das Handbuch

Fietze/Herold
Der Schlafquotient

Hannaford, Carla
Bewegung das Tor zum Lernen

Hannaford, Clara
Mit Auge und Ohr, mit Hand und Fuß

Herrmann, Ulrich (Hersg.)
Neurodidaktik
Grundlagen und Vorschläge für gehirngerechtes Lehren und Lernen

Hüther, Gerhald
Biologie der Angst. Wie aus Streß Gefühle werden (Sammlung Vandenhoeck)

Hüther, Gerhald
Die Macht der inneren Bilder. Wie Visionen das Gehirn, den Menschen und die Welt verändern

Hüther, Gerhald
Bedienungsanleitung für ein menschliches Gehirn

Ledoux, Joseph
Das Netz der Gefühle
Wie Emotionen entstehen

Mellin, Laurel
The Pathway

Mellin, Laurel
The Solution

Peter, Achim
Das egoistische Gehirn
Warum unser Kopf Diäten sabotiert und gegen den eigenen Körper kämpft von

Roth, Gerhard
Aus Sicht des Gehirns

Roth, Gerhard
Fühlen, Denken, Handeln: Wie das Gehirn unser Verhalten steuert

Spitzer, Manfred
Lernen

Gehirnforschung und die Schule des Lebens
Thompson, Richard F.

Das Gehirn
Von der Nervenzelle zur Verhaltenssteuerung

Zimbardo, Phillip / Boyd, John
Die neue Psychologie der Zeit: und wie sie Ihr Leben verändern wird

Zimbardo, Phillip
Psychologie

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Kapitel: Lernen aus neurobiologischer Sicht

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